Corona-Hilfe im Aargau
Reiseveranstalter Thomas Knecht schlägt vor: Gezahlte Steuern sollen Basis sein für À-fonds-perdu-Zahlungen des Bundes

Bis 750'000 Franken zahlt der Bund an ein Härtefall-Unternehmen. Gerade für die Grossen der Reiseanbieter ist das zu wenig. Die Branche beklagt Umsatzeinbussen von 70 bis 90 Prozent. Eine Erhöhung der Beiträge wird mit dem Kanton diskutiert. Jetzt wartet Thomas Knecht mit einem interessanten Vorschlag auf.

Sébastian Lavoyer
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Thomas Knecht, Verwaltungsratspräsident und Geschäftsführer von Knecht Reisen, fordert höhere À-fonds-perdu-Beiträge für die Reisebranche, weil Kurzarbeit für Reiseveranstalter weniger bringe als in anderen Branchen.

Thomas Knecht, Verwaltungsratspräsident und Geschäftsführer von Knecht Reisen, fordert höhere À-fonds-perdu-Beiträge für die Reisebranche, weil Kurzarbeit für Reiseveranstalter weniger bringe als in anderen Branchen.



Emanuel Freudiger / SON

750'000 Franken sind eine Menge Geld. Und es ist genau das, was der Bund einem Härtefall-Unternehmen maximal als À-fonds-perdu-Beitrag in Aussicht stellt. Wer seit November 2020 während mehr als 40 Tagen geschlossen haben musste, hat Anrecht darauf. Die Obergrenze liegt bei 20 Prozent des Umsatzes.

750'000 Franken sind ein stolzer Betrag. Thomas Knecht, CEO von Knecht Reisen, sagt:

«Wenn bei gleicher prozentualer Umsatzeinbusse das eine Unternehmen zehn Mal grösser ist als das andere, so ist schwer verständlich, dass der gleiche Betrag angemessen sein soll.»

In normalen Jahren erwirtschaftet sein Unternehmen einen Umsatz in dreistelliger Millionenhöhe. Knecht ist die Nummer 4 der Schweiz. In einer ähnlichen Liga spielt Twerenbold, der zweite grosse Reiseanbieter im Kanton, spezialisiert auf Gruppenreisen und seit Mitte Oktober «on hold», wie VR-Präsident Karim Twerenbold sagt. Seit Einführung der 5-Personen-Regel Mitte Januar unterstehen sie praktisch einem Berufsverbot. Knecht kann zwar noch einzelne Reisen anbieten, beispielsweise nach Costa Rice, Namibia oder in die Seychellen. Aber die Umsatzeinbussen in der Branche betragen 70 bis 90 Prozent. Konkrete Zahlen nennen weder Knecht, noch Twerenbold.

Kredite und Kurzarbeit helfen nur beschränkt

Klar ist: Die Branche leidet. «Wir sind seit einem Jahr massiv eingeschränkt. Ausser während drei Monaten im Sommer ging praktisch gar nichts», sagt Twerenbold. Über Jahre angehäufte Reserven sind substanziell abgeflossen. «À-fonds-perdu-Beiträge wären ein Beitrag zur Minderung dieses enormen Schadens», so Twerenbold. Aber in der Höhe von 750'000 Franken sind sie höchstens ein Tropfen auf den heissen Stein.

Karim Twerenbold, VR-Präsident von Twerenbold Reisen.

Karim Twerenbold, VR-Präsident von Twerenbold Reisen.

Severin Bigler / AGR

Man kann entgegenhalten, dass der Staat ihre Unternehmen ja mit Krediten und Kurzarbeit unterstützt. Aber, so Twerenbold: «Die Firmen können sich nicht mit weiteren Krediten verschulden.» Und Knecht sagt: «Kurzarbeit hilft, aber deutlich weniger als in anderen Branchen.» Denn in der Reisebranche bedeuten Umsatzrückgänge nicht wie anderswo weniger Arbeit, sondern es entstehen neue Aufwendungen. Umbuchen, stornieren, zurückzahlen.

Der Bund verdoppelt Härtefallhilfen - Reisebranche hofft

Deshalb sei man mit dem Kanton nun in konstruktiven Gesprächen, wie Knecht sagt. Die Basis dafür hat der Bundesrat am Mittwoch gelegt, in dem er beschloss, die Härtefallhilfen auf 10 Milliarden zu verdoppeln. 3 Milliarden davon hat der Bund für Unternehmen eingeplant mit Umsätzen von mehr als 5 Millionen Franken pro Jahr.

Nach welchem Mechanismus die Gelder verteilt werden, darüber wird nun verhandelt. Man müsse die Fixkosten stärker berücksichtigen, da sind sich beide Aargauer Reiseveranstalter einig. Knecht schlägt zudem vor, dass man bei Unternehmen mit sehr grossen Einbrüchen, die in der Vergangenheit bezahlten Steuerbeträge zur Bemessung der Hilfeleistung heranzieht. Knecht:

«So würde der Staat und damit der Steuerzahler nur geben, was er früher bereits erhalten hat.»