Villnachern
Warum das Dorf kein Feuerwehrmagazin mehr braucht und seine Fahrzeuge verkaufen will

Das Stimmvolk entscheidet an der Gmeind vom 24. Juni über die Zukunft der eigenen Feuerwehr, die mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen hat. Was der neue Vertrag und das Zusammenführen mit der Feuerwehr Brugg für die Villnacherer bedeutet.

Claudia Meier
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Spezielle Übung: Die Feuerwehr Villnachern hilft, beim Gemeindehaus Nistkästen für Mauersegler anzubringen

Spezielle Übung: Die Feuerwehr Villnachern hilft, beim Gemeindehaus Nistkästen für Mauersegler anzubringen

Bild: Michael Hunziker (17. September 2018)

Die Feuerwehr Villnachern zählt aktuell 54 Angehörige (AdF). Was nach viel tönt für eine Gemeinde mit rund 1650 Einwohnern, ist in der Realität eine grosse Herausforderung. Das zeigte der zuständige Gemeinderat Lukas Bopp klar auf am Infoanlass im Mehrzweckgebäude. Von den zirka 30 bereitgestellten Stühlen war am Mittwochabend die Hälfte besetzt.

Steigende Anforderungen, schwierige Rekrutierung und starke Unterbesetzung im Kader beschäftigen die Verantwortlichen seit einigen Jahren. Die Feuerwehrkommission habe zwar schon im April 2019 einen Antrag beim Gemeinderat eingereicht, um die Zusammenarbeit mit einer anderen Feuerwehr zu prüfen, sagte Lukas Bopp. Zuerst musste aber der Feuerwehrbetrieb für 2020 sichergestellt werden. Das gelang etwa, weil man ein paar Leute zum Weitermachen motivieren konnte, die aufhören wollten.

Abklärungen mit Brugg und dem Schenkenbergertal

Sowohl die Stützpunktfeuerwehr Brugg wie die regionale Feuerwehr Schenkenbergertal hätten Interesse an einer Zusammenarbeit mit der Feuerwehr Villnachern gezeigt, hielt Bopp fest. Für das Projekt habe man eine Kommission gebildet, der neben Bopp Kommandant Michael Schratter und Präsident Thomas Schluep von der Finanzkommission angehören. Die Abklärungen ergaben sowohl im Fall Schenkenbergertal wie im Fall Brugg, dass es das Feuerwehrmagazin in Villnachern nicht mehr braucht. Fahrzeuge und Material können verkauft und das Magazin vermietet werden.

Das Feuerwehrmagazin und Mehrzweckgebäude in Villnachern.

Das Feuerwehrmagazin und Mehrzweckgebäude in Villnachern.

Bild: Claudia Meier

Für Brugg spricht aus Sicht der Kommission, dass die Stützpunktfeuerwehr top ausgerüstet ist, mit Umiken und Schinznach-Bad über zwei Magazine in der Nähe verfügt, sehr breit aufgestellt ist, viele Einsätze hat, mit der IBB über die gleiche Wasser- und Stromversorgung verfügt, tiefere sowie gut planbare Kosten anfallen und sich Villnachern Richtung Brugg orientiert. Gemeinderat Bopp betonte:

«Unabhängig von einer Gemeindefusion macht das Zusammenführen unserer Feuerwehr mit Brugg Sinn.»

Riniken als Basis für den neuen Gemeindevertrag

Die bewährte Feuerwehrzusammenarbeit zwischen Riniken und Brugg diente als Basis für den neuen Vertrag. Sagt das Stimmvolk an der Gmeind vom 24. Juni Ja zum Vorhaben (der Brugger Stadtrat hat den Vertrag bereits gutgeheissen), bekäme der Gemeinderat Villnachern einen Sitz in der Feuerwehrkommission Brugg.

Gerechnet wird mit etwa 15 AdF aus Villnachern, die auf Januar 2022 zur Feuerwehr Brugg wechseln. Das ist von allen Beteiligten erwünscht, nicht zuletzt aufgrund der guten Ortskenntnisse im Übungs- und Ernstfall. Bliebe die Feuerwehr Villnachern eigenständig, kostet das rund 130'000 Franken pro Jahr. Bei einem Zusammenführen mit Brugg entstehen der Gemeinde Nettokosten von etwa 110'000 Franken pro Jahr.

Einsatzzeit ab Umiken liegt noch in der Leistungsnorm

Die einmaligen Kosten (auch für die neuen Kleider) in der Höhe von 118'750 Franken werden mit dem Verkauf von Fahrzeugen und Material gedeckt. Brugg übernimmt 15'000 Franken für die Anpassungen am Magazin Umiken. Von dort aus werden die meisten Villnacherer künftig ausrücken, die Einsatzzeiten ­liegen in der Leistungsnorm.

Im zweiten Teil des Infoanlasses stellte Kommandant Manuel Keller die Feuerwehr Brugg vor. Stadtammann Barbara Horlacher sprach von einer Win-win-Situation.

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