Brugg/Mongolei
Unterwegs durch die Mongolei – mit einer nomadischen Gastfamilie

Die 21-jährige Claudia Leuch aus Brugg reiste für drei Monate in die Mongolei. Das Trocknen von Kuhfladen und das Einsammeln von Haarbüscheln gehörten zu ihren Alltagsaufgaben. Während ihrer Reise musste sie auf fliessendes Wasser verzichten.

Carolin Frei
Drucken
Teilen
Bei den Nomadenfamilien: Claudia Leuch wurde in den Arbeitsalltag eingebunden.

Bei den Nomadenfamilien: Claudia Leuch wurde in den Arbeitsalltag eingebunden.

Zur Verfügung gestellt

«Mir ging es um die Erfahrung», sagt die Bruggerin Claudia Leuch, auf ihren Arbeitseinsatz in der Mongolei angesprochen. «Nach der Kanti habe ich ein Zwischenjahr eingeschaltet, habe erst ein Praktikum bei den SBB gemacht und reiste dann für drei Monate in die Mongolei.»

Den ersten Monat verbrachte sie bei einer Gastfamilie in der Hauptstadt Ulaanbaatar, um sich mongolische Sprachkenntnisse anzueignen. Danach gings zur nomadischen Gastfamilie, mit der sie während zweier Monate den Alltag leben durfte. «Zweimal sind wir weitergezogen», sagt die 21-Jährige.

«Die waren cheibe schnell»

Nebst der Gastfamilie waren noch zwei weitere Nomadenfamilien mit von der Partie. Gemeinsam hat man die Jurten auf- und abgebaut, gemeinsam auf den Kleintransporter geladen, gemeinsam auch die Tiere betreut.

Auch Claudia Leuch wurde in den Arbeitsalltag eingebunden. Am Morgen half sie, getrocknete Kuhfladen, die als Brennmaterial gebraucht wurden, und die Haarbüschel der Schafe einzusammeln. Letzteres wurde jedoch nicht zur Wolle verarbeitet, sondern verbrannt. «Wieso sie das machten, habe ich nicht herausgefunden.»

Verständlich, war doch die Kommunikation nicht immer ganz einfach. Immer wieder musste Claudia Leuch mithilfe des Wörterbuchs die Fragen zusammenstellen. Am Nachmittag gabs nicht allzu viel zu tun, dafür dann am Abend, wenn die Tiere von ihren Weideplätzen zurückkamen.

«Ich habe jeweils beim Kälbli einfangen geholfen. Die waren cheibe schnell», hält sie lachend fest. Erst durften dann die Kleinen Milch trinken, bevor die Mutterkühe gemolken wurden. Zur Herde gehörten auch Schafe, Ziegen und Pferde. Den Tag liess man gemütlich mit Spielen oder beim Fernsehen ausklingen. Der Strom dafür kam von der Solarzelle.

Duschen? Kein Thema!

«Die Temperaturen waren mit unseren vergleichbar, aber es war viel trockener.» Sehr zur Freude von Claudia Leuch, denn die Hygiene kam etwas kurz. Es gibt in den Jurten – die mit Teppichen, Kommoden, zwei Betten, einem Herd und einem Tisch ausgestattet sind – kein fliessend Wasser, somit ist Duschen kein Thema.

Eine Toilette fehlt ebenfalls. Seine Notdurft verrichtet man in der Natur. «Damit hatte ich keine Probleme.»

Und doch hat es die Bruggerin geschätzt, dass sie alle zwei Wochen für ein oder zwei Nächte in die Hauptstadt reisen durfte. Dort konnte sie duschen, traf sich mit anderen Volontären zum Austausch und auch mal für Ausflüge.

An ihren kurzen Auszeiten in Ulaanbaatar genoss sie es zudem, ihr vertraute Speisen essen zu können. Der Menüplan der Nomaden ist bescheiden, besteht aus Trockenfleisch, Nudeln, Reis, Kartoffeln, Karotten und Zwiebeln. Nur die Zubereitung variiert. «Einmal haben sie ein Schaf geschlachtet – dann gabs Frischfleisch.»

Für ihren Arbeitseinsatz, den sie über die Organisation «projects abroad» vermittelt bekam, wurde Claudia Leuch nicht entlohnt. Im Gegenteil, alle Kosten berappt der Volontär selber.

Aber das sei ihr die Erfahrung, das Zurückgeworfensein auf das Wesentliche im Leben, allemal wert. So sehr, dass sie einen solchen Einsatz, sofern es das Studium (Umweltingenieurin an der ETH) zulässt, auf jeden Fall wieder mal machen möchte.

Aktuelle Nachrichten