Brugg
Turbojugend: Ein Alkohol-Fanclub, der ein Musikproblem hat

Sie halten sich an keine gesellschaftlichen Umgangsformen. Wie andere Leute über sie denken, interessiert sie nicht. Sie haben nur eine Regel: Ihre Jeansjacken dürfen nicht gewaschen werden. Das ist die Turbojugend Brugg.

Robin Bäni
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Turbojugend Brugg (v. l.): Jan Tuchschmid aka Tuchi, Florian Lechner aka Buddha, Chris Blumenstengel aka De Darf, Christoph Pfeiler aka Shiggi, Adrian Wambach aka El Garnelo.

Turbojugend Brugg (v. l.): Jan Tuchschmid aka Tuchi, Florian Lechner aka Buddha, Chris Blumenstengel aka De Darf, Christoph Pfeiler aka Shiggi, Adrian Wambach aka El Garnelo.

Robin Bäni

Ein Mann namens El Garnelo sitzt mir gegenüber. In seiner rechten Hand steckt eine qualmende Zigarette, mit seiner linken umklammert er einen Humpen. Seine blauen Augen richten sich gegen den Abendhimmel, während er seinen tätowierten linken Arm anhebt und die Hand Richtung Rachen führt, um einen kräftigen Schluck Bier zu nehmen.

Seine Lippen setzen am gläsernen Becherrand an, wobei durch das Zusammenstossen mit den zwei Lippenpiercings ein metallischer Klang entsteht. Nachdem sein Durst gestillt ist, greift er zur blauen Jeansjacke und wischt sich damit die hängengebliebenen Tropfen aus seinem roten Vollbart.

El Garnelo: Ein Philosoph, der Vorträge hält?

El Garnelos Geburtsname lautet Adrian Wambach. Der 29-jährige Schweizer wohnt in Brugg und arbeitet als Galvaniker. In seiner Freizeit wechselt er in die Rolle von El Garnelo, Präsident der Turbojugend Brugg.

Diesem Haufen junger Männer begegnete ich vergangenen Frühling zum ersten Mal im Nachtleben der Brugger Altstadt. Mit ihren bestickten Denim-Jacken, den sogenannten Kutten, und ihrem extravaganten Auftreten fielen sie mir sofort auf.

Turbojugend Brugg (v. l.): Jan Tuchschmid aka Tuchi, Florian Lechner aka Buddha, Chris Blumenstengel aka De Darf, Christoph Pfeiler aka Shiggi, Adrian Wambach aka El Garnelo.
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Turbojugend Brugg (v. l.): Jan Tuchschmid aka Tuchi, Florian Lechner aka Buddha, Chris Blumenstengel aka De Darf, Christoph Pfeiler aka Shiggi, Adrian Wambach aka El Garnelo.
Der Alkoholfanclub mit einem Musikproblem Sie halten sich an keine gesellschaftlichen Umgangsformen. Wie andere Leute über sie denken, interessiert sie nicht. Ihre Jeansjacken dürfen nicht gewaschen werden. Sie sind die Turbojugend Brugg.
Der Alkoholfanclub mit einem Musikproblem Sie halten sich an keine gesellschaftlichen Umgangsformen. Wie andere Leute über sie denken, interessiert sie nicht. Ihre Jeansjacken dürfen nicht gewaschen werden. Sie sind die Turbojugend Brugg.
Der Alkoholfanclub mit einem Musikproblem Sie halten sich an keine gesellschaftlichen Umgangsformen. Wie andere Leute über sie denken, interessiert sie nicht. Ihre Jeansjacken dürfen nicht gewaschen werden. Sie sind die Turbojugend Brugg.
Der Alkoholfanclub mit einem Musikproblem Sie halten sich an keine gesellschaftlichen Umgangsformen. Wie andere Leute über sie denken, interessiert sie nicht. Ihre Jeansjacken dürfen nicht gewaschen werden. Sie sind die Turbojugend Brugg.
Der Alkoholfanclub mit einem Musikproblem Sie halten sich an keine gesellschaftlichen Umgangsformen. Wie andere Leute über sie denken, interessiert sie nicht. Ihre Jeansjacken dürfen nicht gewaschen werden. Sie sind die Turbojugend Brugg.
Der Alkoholfanclub mit einem Musikproblem Sie halten sich an keine gesellschaftlichen Umgangsformen. Wie andere Leute über sie denken, interessiert sie nicht. Ihre Jeansjacken dürfen nicht gewaschen werden. Sie sind die Turbojugend Brugg. Rechts ist El Garnelo, der mit Geburtsnamen Adrian Wambach heisst.
Der Alkoholfanclub mit einem Musikproblem Sie halten sich an keine gesellschaftlichen Umgangsformen. Wie andere Leute über sie denken, interessiert sie nicht. Ihre Jeansjacken dürfen nicht gewaschen werden. Sie sind die Turbojugend Brugg.
Der Alkoholfanclub mit einem Musikproblem Sie halten sich an keine gesellschaftlichen Umgangsformen. Wie andere Leute über sie denken, interessiert sie nicht. Ihre Jeansjacken dürfen nicht gewaschen werden. Sie sind die Turbojugend Brugg.

Turbojugend Brugg (v. l.): Jan Tuchschmid aka Tuchi, Florian Lechner aka Buddha, Chris Blumenstengel aka De Darf, Christoph Pfeiler aka Shiggi, Adrian Wambach aka El Garnelo.

Robin Bäni

Ein flüchtiger und von Vorurteilen geprägter Blick liess mich zuerst vermuten, dass es sich bei der Turbojugend um einen Biker-Club handelt. Doch dies entpuppte sich schnell als Fehleinschätzung.

El Garnelo verwickelte mich in ein Gespräch, und schon nach kurzer Zeit kamen wir auf philosophische Themen zu sprechen. Überrascht von seiner Wortgewandtheit und seinem Intellekt, war ich sehr beeindruckt von ihm.

Als er mir mitteilte, dass er regelmässig Gastvorträge an den verschiedensten Schweizer Universitäten zu philosophischen Themen halte, war mein Interesse vollkommen geweckt.

Aber wie sich bei unserem zweiten Aufeinandertreffen im «Druckli», der Stammkneipe der Turbojugend Brugg, herausstellt, hatte mir El Garnelo einen ordentlichen Bären aufgebunden. Nur allein sein Interesse für die Philosophie entsprach der Wahrheit.

Turbojugend: Erschaffung eines Monsters

El Garnelo gesteht mir dies mit einem breiten Lächeln und schiebt dem Alkohol die Schuld zu. Für sein Verhalten entschuldigt er sich nicht, da es typisch für die Turbojugend ist. Bei diesen Jungs steht der Spass im Fokus.

Gerne brechen sie dazu gesellschaftliche Normen oder greifen sogar zur Provokation – Hauptsache, es bereitet Freude. Unter ihnen herrschen keine strikten Verhaltensregeln. Sie alle lassen ihrer Zunge freien Lauf und halten ein Rülpsen nicht allzu lange zurück.

Für eine aussenstehende Person mag es wirken, als hätten diese Erwachsenen die Pubertät nie ganz überwunden.

Gegründet wurde die erste Turbojugend 1996 in einer Bar namens «Schlemmereck» in St. Pauli, einem Stadtteil von Hamburg. Unglücklicherweise existiert diese für die Turbojugend legendäre Kneipe nicht mehr.

Stattdessen ziert eine Shisha-Bar die ehemaligen vier Wände des «Schlemmerecks». Ausschlaggebend für die Vereinigung war die gemeinsame Verehrung der norwegischen Punk’n’Roll-Band Turbonegro.

Durch die ansteigende Popularität von Turbonegro nahm auch die Anzahl an Turbojugenden rasant zu. Heute ist die Turbojugend mit weltweit über 40 000 Mitgliedern der zweitgrösste Musikfanklub hinter AC/DC.

In Brugg zählt die Turbojugend sieben Anhänger, unter ihnen eine Frau mit dem Spitznamen «First Lady». Der Bassist von Turbonegro, Happy Tom, beschrieb das Verhältnis zur Turbojugend einst wie folgt: «Die Turbojugend ist ein Frankenstein-Monster, das wir erschufen, und nun ist es ausser Kontrolle.»

Die Mitglieder besuchen sich auf der ganzen Welt

Diese riesige Community steht in ständigem Austausch unter sich. Man hilft sich gegenseitig und feiert gemeinsam. So hatte die Turbojugend Brugg bereits Besucher aus Dublin oder Frankreich.

Diese Art des Reisens nennen sie «Death Punk Tourism». Jederzeit kann man als Mitglied eine andere Turbojugend auf der Welt anschreiben, um bei dieser auf Besuch zu kommen und Party zu machen. Wer gerne viele neue Leute kennen lernt und ausgiebig feiert, ist bei einer Turbojugend gut aufgehoben.

Bei einer Turbojugend handelt es sich nicht um einen Verein, sondern um einen engen Kollegenkreis. El Garnelo beschreibt mir dessen Wesen deutlich: «Wir sind ein Alkohol-Fanklub mit einem Musikproblem.»

Nicht jeder kann in diesem Freundeskreis mitmischen. Um einen Teil von ihnen zu werden, benötigt es dazu ein einstimmiges Ja aller Mitglieder.

Sobald man aufgenommen wird, erklärt sich der Rest von selbst: Regeln gibt es keine, ausser dass die Kutte nie gewaschen werden darf. Nur wenn diese mit Erbrochenem befleckt wird, drückt man ein Auge zu.

Freundlicherweise darf man dann mit der von Gestank überzogenen Jacke schwimmen gehen. Eine solche Reinigungsaktion täte der Kutte schon nach dem ersten Abend als vollwertiges Mitglied gut. Dann wird das getragene Kleidungsstück im Rahmen einer Kuttentaufe mit literweise Bier überschüttet.

Dass die Turbojugend keine politische Organisation ist, überrascht mich nicht. Dennoch stehen sie für gewisse Werte ein, wie die freie Liebe und Antirassismus. Auf internationalen Foren diskutieren sie allerdings lieber über die wesentliche Frage, ob Ananas auf eine Pizza gehört oder nicht. Ich merke, wie sich die Geister der Turbojugend Brugg bei dieser heiklen Thematik scheiden.

Wer seine Meinung in die Debatte miteinbringen möchte, findet die Möglichkeit dazu am 30. November. Dann organisiert die Turbojugend Brugg einen Konzertabend im Piccadilly in Brugg, wo sie an ihrem vergangenen Event den Barumsatzrekord aufstellten.

Zudem gibt es an dieser Veranstaltung die einmalige Möglichkeit einen «Fako» auszuprobieren, einen traditionellen Drink der Turbojugend. Dabei handelt es sich um ein Mischgetränk aus Kornschnaps und Fanta. Na dann, Prost!