Brugg

Susanne Hochuli hält ein Referat – wer sie sehen will, muss zahlen

Lernende der kantonalen Berufsfachschule und Gäste müssen zahlen, wenn sie am Dienstagabend der Regierungsrätin Susanne Hochuli zuhören wollen. Der Grund: Es handle sich um ein Weiterbildungsangebot, so die Schule.

Susanne Hochuli kehrt heute Dienstag an ihre alte Wirkungsstätte an der Baslerstrasse 45 in Brugg zurück. Da, wo die Regierungsrätin früher das Kindergärtnerinnenseminar besuchte, befindet sich seit wenigen Monaten der Hauptstandort der kantonalen Berufsfachschule Gesundheit und Soziales (BFGS) mit derzeit 1800 Lernenden und knapp 100 Mitarbeitenden.

Die Vorsteherin des kantonalen Departements Gesundheit und Soziales (DGS) referiert heute Abend um 19.30 Uhr in der BFGS-Aula zum Thema «Fast jeder Mensch nutzt irgendwann in seinem Leben ein Betreuungsangebot im Kanton Aargau».

Hochuli geht dabei folgenden Fragen nach: Welches sind die Aufgaben des Staates? Was sind die Aufgaben der Gesellschaft? Wann ist ehrenamtliche Arbeit hilfreich? Wo braucht es professionelle Betreuung und Begleitung? Was brauchen wir für die Zukunft? Was darf Betreuungsarbeit kosten?

Speziell an dieser Veranstaltung ist, dass die Zuhörer – viele davon vermutlich Steuerzahler im Kanton Aargau – zur Kasse gebeten werden. 20 Franken kostet ein Einzeleintritt, BFGS-Lernende bezahlen 10 Franken.

Neues Weiterbildungsangebot

Warum muss man für ein Referat einer Aargauer Regierungsrätin etwas bezahlen? Was passiert mit den Einnahmen? Rektor Felix Scheidegger sagt dazu: «Es handelt sich um ein Weiterbildungsangebot der BFGS.»

Geplant sei eine Vortragsreihe zu Gesundheitsthemen mit Aargauer Persönlichkeiten. Frau Regierungsrätin Hochuli mache den Einstieg in diese Vortragsreihe, so Scheidegger weiter. Wer später folgen wird, will der Rektor noch nicht verraten.

Nur so viel: Die Eintrittspreise werden immer gleich sein, da die Veranstaltungen kostendeckend sein müssen. «Die Einnahmen gehen vollumfänglich an die Weiterbildungsabteilung der Schule», fährt Scheidegger fort. Für die BFGS-Lernenden sei das Referat weder obligatorisch, noch werde ihre Anwesenheit erwartet. «Fände die Veranstaltung im Rahmen der beruflichen Grundbildung statt, müssten die Lernenden selbstverständlich nichts bezahlen», betont Scheidegger.

Grundsätzlich sei es aber so, dass Veranstaltungen der BFGS-Abteilung Weiterbildung kostendeckend kalkuliert beziehungsweise organisiert werden müssen. Entsprechend gestalten sich auch die Eintrittspreise. Mit anderen Worten: Für sämtliche Weiterbildungsveranstaltungen der BFGS wird ein Kursgeld verlangt. «Ist ein Weiterbildungsangebot nicht attraktiv oder ‹zu teuer›, wird es nicht gebucht. Hier spielt der Weiterbildungsmarkt», so der Rektor, der heute gegen 100 Besucher erwartet.

Regierungsräte referieren kostenlos

Eingeladen hat die BFGS Frau Landstatthalter Susanne Hochuli zum Auftakt des Weiterbildungsprogramms, weil sie als Vorsteherin des Departements Gesundheit und Soziales des Kantons Aargau in den wichtigen Bereichen des Gesundheits- und Sozialwesens die wichtigste Stimme im Kanton ist.

Es sei schon nicht die Regel, dass Zuhörer für ein Referat der Regierungsrätin bezahlen müssen, sagt DGS-Sprecher Balz Bruder. Susanne Hochuli verzichte nicht nur heute, sondern grundsätzlich auf Honorare für Referate. Falls gleichwohl solche ausgerichtet werden, spendet sie diese gemeinnützigen Organisationen.

Was sagt Hochuli dazu, dass nun auch Lernende – praktisch ausschliesslich Frauen – zur Kasse gebeten werden, während Referate beispielsweise an der Fachhochschule Nordwestschweiz kostenlos angeboten werden? «Selbstverständlich ist es wünschbar, dass Referate unentgeltlich besucht werden können. Gleichzeitig ist es nachvollziehbar, wenn Veranstalter zur Deckung der Unkosten eine bescheidene Eintrittsgebühr verlangen», sagt sie.

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