Mönthal
Steinbruch Steiacher: «Die Deponie ist ein Beitrag an regionale Entsorgung»

Der Steinbruch Steiacher in Mönthal soll künftig auch als Inertstoffdeponie genutzt werden. Die Bevölkerung verlangt eine finanzielle Entschädigung.

Louis Probst
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Steinbruch

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Louis Probst

Seit Anfang der 1950er-Jahre wird im Steiacher, oberhalb des Dorfs Mönthal, Kalkstein abgebaut. Seit 2005 wird der Steinbruch von der Firma Umbricht AG betrieben, die jetzt Teil der Aarvia Gruppe bildet. Gemäss Betriebsbewilligung wird der Steinbruch, als Deponie des Typs A, mit nicht verschmutztem Aushubmaterial aufgefüllt. Künftig soll er, als Deponie des Typs B, mit Inertstoffen aufgefüllt werden.

An einem Informationsanlass, zu dem Gemeindeammann René Birrfelder rund 50 Interessierte willkommen heissen konnte, ist das Vorhaben vorgestellt worden. «Es geht uns darum, aufzuzeigen was man sich unter dem Projekt vorstellen muss und die Prozesse darzulegen», erklärte Roger Umbricht von der Aarvia Gruppe. «Von der Geologie und der Hydrogeologie her ist der Steinbruch sehr gut geeignet für unser Vorhaben.»

Keine Zusatzbelastung durch Verkehr

Dominic Meier (Landschaft+Ressourcen GmbH) stellte das Abbau-, das Wiederauffüllungs- und das Endgestaltungskonzept gemäss der heutigen Bewilligung vor. «Der Perimeter, die Abbau- und die Auffüllvolumen sowie die Endgestaltung bleiben unverändert», betonte er. «Es wird auch keine Zusatzbelastung durch Lastwagenverkehr geben. Was ändert, ist einzig die Art des Materials, das deponiert wird.»

Das Material, so Mario Pittaro (Geschäftsführer Aarvia Baustoffe AG), sei weder kontaminiert noch giftig. «Es handelt sich um Betonreste, Keramik, Ziegel, Backsteine oder auch Bauglas. Toleriert wird ein Anteil an organischem Material von höchstens 5 Prozent.» Das Material stammt vor allem aus dem Rückbau von Gebäuden. «Im Aargau gibt es derzeit nur eine Deponie für Inertstoffe», stellte Mario Pittaro fest. «Die Deponie im Steiacher ist daher auch ein Beitrag für die regionale Entsorgung.»

Steinbruch Steinbruch Mönthal Deponie für Aushubmaterial

Steinbruch Steinbruch Mönthal Deponie für Aushubmaterial

Louis Probst

«Matchentscheidend ist die Hydrogeologie», erklärte Jürg Stäuble vom Büro Dr. Heinrich Jäckli. Er wies darauf hin, dass im Abströmbereich des Steinbruchs weder Grundwasser genutzt wird, noch Quellen vorkommen. Trotzdem werde die Deponie abgedichtet. Vorgesehen ist neben der Fassung des Deponiewassers auch die Fassung des Sauberwassers aus den höher liegenden Felsschichten. Deponie- und Sauberwasser werden getrennt abgeleitet.
In der Diskussionsrunde ging es vor allem um die Gewähr, dass nur bewilligtes Material abgelagert wird. «Das Material wird überwacht», versicherte Mario Pittaro. «Dafür bestehen klare gesetzliche Vorgaben».

"Gemeinderat sollte sich nicht scheuen"

Aufs Tapet kam aber auch die Frage aus dem Publikum, was für die Gemeinde herausspringt. «Das ist eine heikle Frage», entgegnete Dominik Umbricht von der Aarvia Gruppe schmunzelnd. «Wir brauchen die Deponie. Wir betreiben einen grossen Aufwand für eine Abdichtung, die es gemäss Vorschriften nicht braucht. Wir investieren rund vier Millionen Franken. Rechtlich besteht keine Handhabe für eine Entschädigung. Es gibt aber Überlegungen über eine Pauschalabgeltung an die Gemeinde.» Das schien Gehör zu finden. «Der Gemeinderat sollte sich nicht scheuen, etwas zu verlangen», hiess es aus dem Publikum.

Bevor jedoch Geld fliesst – und vor allem Inertmaterial in den Steinbruch gekippt werden kann –, sind planungsrechtliche Schritte erforderlich. Erster Schritt ist der Antrag auf Festsetzung des Steinbruchs als Deponie des Typs B im kantonalen Richtplan. Anschliessend müssen der Nutzungsplan geändert und ein Baubewilligungsverfahren durchgeführt werden, bevor eine Betriebsbewilligung erteilt werden kann. Bei der Aarvia hofft man auf eine Bewilligung im Jahr 2020.

Ackerbauliche Nutzung soll möglich sein

Der „Bericht zur Abfallentsorgung“ des BVU aus dem Jahre 2016 zeigt den „Handlungsbedarf zur Sicherstellung einer nachhaltigen Entsorgungsstruktur“ im Kanton auf. Das gilt auch für die Deponierung von Inertmaterial. Für das jährlich anfallende Volumen, das auf 300'000 bis 400'000 Kubikmeter geschätzt wird, steht gegenwärtig nur eine Deponie zur Verfügung. Eine zweite ist in Fisibach geplant. Die Deponie in Mönthal dürfte daher, wie von der Aarvia-Gruppe festgestellt wird, auch im Interesse des Kantons sein. Als regionale Typ-B-Deponie für den Raum Brugg/Fricktal bietet sie, bei einem gesamten Auffüllvolumen von rund 365'000 Kubikmetern, Platz für rund 315'000 Kubikmeter Inertmaterial. Jährlich würden zwischen 11'000 und 20'000 Kubikmeter aufgefüllt. Die Betriebsdauer für Wiederauffüllung und Rekultivierung wird mit 25 Jahren angegeben. Gemäss Endgestaltungskonzept soll auf den grössten Teil der aufgefüllten Fläche von insgesamt knapp 24'000 Quadratmetern eine ackerbauliche Nutzung möglich sein. Daneben sind extensiv genutzte Wiesen, eine ökologische Ausgleichsfläche sowie rund 700 Quadratmeter Ersatzaufforstungsfläche vorgesehen. (lp)

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