Lupfig
Nach Eklat: Altersheim hat zwar einen neuen Vorstand, aber kein Budget

Mitglieder lehnen an emotionaler Versammlung Jahresbericht, Rechnung und Budget ab. Präsident Tobias Kull wehrt sich gegen den Vorwurf, Geld veruntreut zu haben. Schon bald wird eine ausserordentliche GV stattfinden müssen.

Claudia Meier
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Die Mitglieder des Altersheimvereins Eigenamt sind sich bei den Neuwahlen des Vorstands weitgehend einig.

Die Mitglieder des Altersheimvereins Eigenamt sind sich bei den Neuwahlen des Vorstands weitgehend einig.

Claudia Meier

Die Wogen gingen hoch an der Generalversammlung des Altersheimvereins Eigenamt in der Mehrzweckhalle Lupfig: Es wurde argumentiert, dementiert, geflucht, ausgerufen, gepfiffen und kräftig applaudiert. Nach rund vier Stunden gingen am Donnerstagabend die meisten der 195 anwesenden Mitglieder zufrieden nach Hause. Das Hauptziel war erreicht: Der Altersheimverein hat einen neuen Vorstand. Der noch für ein Jahr gewählte Präsident Tobias Kull aus Birr und sein Kollege Gojko Jevric aus Birrhard wurden abberufen.

Im neuen Altersheimvorstand sind die vier Trägergemeinden mit den Behördenmitgliedern Markus Büttikofer (Birr), Ursi Berger (Birrhard), Richard Plüss (Lupfig) und Roland Bodenmann (Scherz) vertreten. Als zusätzliche Mitglieder wurden die Pflegefachfrau Judith Egger-Merkofer und der Anfang März zurückgetretene Arzt Fredi Bärtschi mit grossem Mehr ins Gremium gewählt. Präsidentin ist Ursi Berger. «Wir haben ganz sicher keine einfache Aufgabe. Uns ist es aber ein grosses Anliegen, dass sich die Bewohner im Haus Eigenamt weiterhin gut aufgehoben fühlen», sagte Berger nach ihrer Wahl.

Anträge und fehlende Zahlen

Tagespräsidentin und Mediatorin Kathrin Härdi sorgte dafür, dass die Versammlung nicht allzu emotional wurde. Mit Einfühlungsvermögen und einer Prise Humor meisterte sie jedes noch so komplizierte Abstimmungsprozedere über Ordnungsanträge und die einzelnen Traktanden. Und diese hatten es in sich: Erstmals kamen die neuen Statuten mit dem Vetorecht der Trägergemeinden zur Anwendung. Über jedes Geschäft stimmten also einerseits die vier Trägergemeinden und andererseits die Vereinsmitglieder ab.

Die vier bisherigen Vorstandsmitglieder sassen – wie versteinert – vor der Versammlung und mussten sich mehrmals Vorwürfe zu Führungsschwäche anhören. Wie ein Elefant im Porzellanladen habe sich der Vorstand verhalten, sagte ein Mitglied mit Blick auf die jüngsten Ereignisse nach der Freistellung von acht Mitarbeitenden Ende Februar.

Die Versammlung hiess einzig das Protokoll gut. Der Jahresbericht 2014, die Vereinsrechnung 2014 sowie die Betriebsrechnung 2014 und die beiden Budgets 2015 wurden klar abgelehnt. Die von Präsident Tobias Kull an die Wand projizierten Zahlen entsprachen nicht denjenigen in den Versammlungsunterlagen, wo auch die Vergleichszahlen zum Vorjahr fehlten. «Ich wollte die Rechnung im Vorfeld anschauen, das wurde mir von Tobias Kull aber verboten», sagte ein Mitglied. «Wenn man keinen Einblick in die Rechnung bekommt, ist sie nicht in Ordnung.» Tobias Kull wehrte sich: «Sie machen mir den Vorwurf, dass ich Geld veruntreut habe. Das ist nicht der Fall. Dafür lege ich die Hand ins Feuer.»

Budget als Handlungsbasis

Tagespräsidentin Härdi machte deutlich, dass bald eine ausserordentliche Generalversammlung einberufen werden muss. Denn ohne Budget sei der Vorstand nicht handlungsfähig. Béatrice Böhringer, Leiterin Finanzen im Haus Eigenamt, erfuhr am Vortag, dass sie die Betriebsrechnung und das Budget vorstellen muss. Letzteres wurde aber aufgrund der Turbulenzen bereits zusammen mit dem interimistischen Geschäftsführer Hanspeter Müller überarbeitet, was Präsident Kull noch gar nicht wusste.

Zum Schluss hiess die Versammlung einen Ordnungsantrag der Gemeinde Scherz gut. Damit wird der Vorstand beauftragt, die Rechtsform des Altersheims überprüfen zu lassen, um die Aufsicht zu professionalisieren. An der nächsten GV soll ein Vorschlag gemacht werden.

Wegen dem vom Kanton verordneten Aufnahmestopp sind derzeit 9 von 52 Betten im Haus Eigenamt frei. «Ich zähle auf euch, dass ihr an der nächsten ausserordentlichen Generalversammlung das vorgelegte Budget annehmen werdet», sagte die neue Präsidentin Ursi Berger, bevor sich die Versammlung auflöste.