Brugg
Montessori Tagesschule: Mit Geometrie fängt man klein an – und freiwillig

Im Kinderhaus der Tagesschule nach Montessori wird vor allem die Selbstständigkeit gefördert. Zum Lernen gezwungen wird hier niemand, Kinder setzen sich aus Neugier mit Themen auseinander.

Manuel Hediger
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Vincent (2) spielt zum ersten Mal mit dem Montessori-Lernmaterial.

Vincent (2) spielt zum ersten Mal mit dem Montessori-Lernmaterial.

Ein bis ins Detail aufgeräumter Eingangsbereich empfängt die Besucher des Kinderhauses am Infomorgen. Mit penibler Genauigkeit wurden die beschrifteten Schachteln auf den Gestellen in exakten Abständen aneinandergereiht. Doch was als Promotionsarbeit erscheint, ist hier Alltag. «Kinder in diesem Alter lieben Ordnung», so Daniela Manzelli von der Schulleitung.
Denn nach dem Montessori-Modell gibt es für jede Entwicklungsstufe des Kindes eine geeignete Lernumgebung. Im Alter von drei bis sechs Jahren seien Kinder besonders sensibel. Zum Beispiel hätten sie einen ausgeprägten Sinn für Ordnung. So lernen die Kinder als Erstes, das Material so zurückzustellen, wie sie es entgegengenommen haben.

Niemand muss arbeiten

«Vom Konkreten zum Abstrakten» ist der Leitsatz der Montessori-Pädagogik. Durch einfache Sinneswahrnehmung wie Anfassen lernen die Kinder komplexe geometrische Figuren kennen, die sie als abstrakte Formeln in der zweiten Hälfte der Primarschule wieder antreffen. Sachverhalte aus Mathematik, Sprache und Umwelt werden mit unterschiedlichen Gegenständen veranschaulicht. «Das Material in Montessori-Schulen ist auf der ganzen Welt dasselbe», so Manzelli.
Gezwungen zum Arbeiten mit den Lernmaterialien werde niemand. Die Erfahrung zeige, dass sich die Kinder mit den Materialien auseinandersetzen, weil es ihnen Spass mache. Jedoch gebe man den Kindern, die bereits eine hohe Selbstdisziplin entwickelt haben, mehr Freiheiten als anderen. Die so entwickelte Selbstständigkeit gehört zu den wichtigsten Leitsätzen bei Tagesschulen nach Montessori.

Ist ein ausreichendes kognitives Niveau erreicht, lernen Kinder auch haushalten. Im Bereich des täglichen Lebens steht eine der Körpergrösse angepasste Miniküche zur Verfügung. Wichtig: Wer kocht, wäscht auch ab.

Prinz George als Werbeträger

Das Schulangebot an der Herzog-strasse in Brugg besteht aus einem
Kinderhaus für Kinder von zweieinhalb bis sechs Jahren sowie einer Primarschule. Ab dem kommenden Schuljahr werden die Kinder im Kinderhaus
neu auch während vier Schulferienwochen betreut. Zudem dauert die Betreuung an Werktagen bis 18 Uhr – ausser freitags.

Weltweit bekannt ist seit Anfang Jahr, dass der englische Prinz George eine Montessori-Krippe besucht. Gleichzeitig stellt Schulleiterin Manzelli in den vergangenen Monaten ein zunehmendes Interesse an ihrer Tagesschule fest. Es rufen mehr Leute an, und auch die Anzahl Besucher am Informationsmorgen sei sehr positiv. Einen zwingenden Zusammenhang mit dem königlichen Vertrauen in die Montessori-Lerngrundsätze bezweifelt sie aber. «Zumindest entnehme ich das den Gesprächen mit den Interessenten nicht», meint sie schmunzelnd.