Brugg

«Literatur hat kein Verfallsdatum»: Die Literaturtage finden auch in Zeiten von Corona statt

Melinda Nadj Abonji wurde ausgezeichnet mit dem Deutschen sowie dem Schweizer Buchpreis.

Melinda Nadj Abonji wurde ausgezeichnet mit dem Deutschen sowie dem Schweizer Buchpreis.

Nach einer langen und von Unsicherheiten geprägten Vorbereitungszeit finden die Brugger Literaturtage auch während der Pandemie statt. Wie bisher ist der Besuch kostenlos. Neu herrscht aber eine Masken- und Ticketpflicht.

Zehn Autorinnen und Autoren können begrüsst werden, arrivierte und preisgekrönte genauso wie – noch – weniger bekannte und aufstrebende. Die Namen reichen von Melinda Nadj Abonji über Carolin Callies und Martin R. Dean bis zu Ivna Žic. Es sei gerade dieser Mix, der die Brugger Literaturtage so spannend mache, sagt Werner Bänziger, Vorsitzender der Literaturkommission.

Alle Literaturinteressierten, die einen Überblick übers aktuelle Schaffen erhalten möchten, werden nicht enttäuscht nach Hause gehen, ist er sich sicher. Persönlich freut er sich ausserordentlich auf Natascha Wodin. «Wer diese Schriftstellerin noch nicht kennt, sollte sie kennen lernen», sagt er und fügt an: «Letztlich gilt das aber für alle eingeladenen Literaten: Jede und jeder hat eine unverwechselbare Stimme.»

Die Literaturkommission und die Trägergruppe haben nichts unversucht gelassen, um die diesjährige Veranstaltung zu ermöglichen. Denn dass die Brugger Literaturtage trotz Coronakrise stattfinden können, sei lange ungewiss gewesen, hält Bänziger fest. «Wir sind froh, den Autorinnen und Autoren eine Auftrittsmöglichkeit verschaffen zu können. Das künstlerische Leben hat unter der Pandemie stark gelitten. Insofern war und ist es uns ein Anliegen, die Begegnung trotz der Einschränkungen durchzuführen.»

Diesmal gibt es eine Masken- und Ticketpflicht

Apropos Einschränkungen: Diese seien beachtlich, aber die Literaturkommission sowie die Trägergruppe versprechen ein Konzept, das einen Besuch ohne Gefährdung gewährleistet. Wie bis anhin sind die Brugger Literaturtage gratis, erklärt Bänziger. «Der Pandemie wegen müssen wir aber eine Masken- und Ticketpflicht durchsetzen.» Da die Platzzahl begrenzt ist, wird den Besucherinnen und Be­suchern empfohlen, die Gratis­tickets über die Website zu buchen. Sollten für einzelne Veranstaltungen dann noch Plätze frei sein, wird weiteren Interessierten auch ohne Ticket Einlass gewährt.

Der Brugger Anlass, der alle zwei Jahre im Wechsel mit den Literaturtagen der deutschen Partnerstadt Rottweil stattfindet, folgt dem bewährten Schema: Am Freitag, 18. September, 20 Uhr, werden die Autorinnen und Autoren ihre Kurzlesungen halten im Salzhaus, am Samstag finden tagsüber ab 10 Uhr die Einzellesungen statt, abwechselnd im Salzhaus und im Rathaussaal. Auf den Barbetrieb und das Literaturfest muss laut Bänziger heuer allerdings verzichtet werden. «Beides wäre unter den gegenwärtigen Bedingungen nicht zu bewältigen.»

Die damaligen Werke sind aus der Zeit gefallen

Die Sonntagsmatinee im Salzhaus geht ab 10 Uhr der Frage nach, ob Literatur ein Verfallsdatum hat. Wie kam es zum diesjährigen Thema? «Wir alle haben seinerzeit die DDR-Literatur gelesen und oftmals geliebt», antwortet Bänziger. «Im Gespräch ist uns aufgefallen, wie sehr die meisten der damaligen Werke aus der Zeit gefallen sind. Das führte zu unserer Fragestellung: Muss Literatur zeitlos sein? Lässt sich Zeitlosigkeit steuern? Wie lassen sich relevante und damit vielleicht auch zeitlose Themen finden?»

Für Bruggs Stadtammann Barbara Horlacher ist klar: Literatur hat kein Verfallsdatum, werde für die Ewigkeit verfasst, «selbst wenn diese Ewigkeit nur darin bestehen sollte, dass Bücher in Bibliotheken eingelagert werden, um dort friedlich ihrem physikalischen Ende entgegen zu schlummern».

In ihrem Grusswort erwähnt sie einen Roman von Theodor Fontane und eine Zeit, «die nicht mehr die unsrige ist». Aber: «Vielleicht erfreuen wir uns seiner Sprachkraft, die der Meister der Figurensprache zur Entfaltung brachte, vielleicht sind es auch die Themen, die, bei entsprechender Adaption, gültig ge­blieben sind.» Kurz: Es werde viel zu diskutieren geben an den Literaturtagen.

Autor

Michael Hunziker

Michael Hunziker

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