Brugg/Olsberg

Kinderheim Brugg und Stift Olsberg: Die Übernahme brachte Unruhe

Thomas Wymann (links) und Rolf von Moos vor dem Neubau an der Habsburgerstrasse in Brugg.

Thomas Wymann (links) und Rolf von Moos vor dem Neubau an der Habsburgerstrasse in Brugg.

Das Kinderheim Brugg und der Stift Olsberg wurden zusammengelegt – das führte zu Unsicherheiten.

Das Kinderheim Brugg ist im letzten Jahr gewachsen. Nicht nur am Hauptstandort in Brugg, sondern vor allem auch mit der Übernahme des Stifts Olsberg. Grund für die Zusammenführung: Der Kanton will keine eigenen Betreuungseinrichtungen mehr führen – ausgenommen das Jugendheim in Aarburg. Das Jahr 2017 sei intensiv gewesen, hielten Rolf von Moos, Gesamtleiter, und Thomas Wymann, Vizepräsident des Stiftungsrats, an der gestrigen Jahresmedienkonferenz fest.

Per 1. August wurde der Stift Olsberg in das Kinderheim Brugg integriert. Begleitet war die Übernahme von grosser Verunsicherung der Angestellten. «Viele der Mitarbeitenden waren über Jahre Kantonsangestellte. Sie hatten Angst vor dem Wechsel in die Privatwirtschaft», erläuterte von Moos. Letztlich kam es nur zu wenigen Abgängen. Intensiv gewesen seien die Verhandlungen und Besprechungen mit dem Departement Bildung, Kultur und Sport, Sektion Sonderschulung, Heime und Werkstätten sowie dem Departement Finanzen und Ressourcen, Immobilien Aargau, heisst es im Jahresbericht.

Die Verhandlungen wegen des Mietvertrags der Klosteranlage hätten sich in die Länge gezogen. Es galt, neben dem Mietpreis auch die Nebenkosten, die Aufwände für den Unterhalt der Klosteranlage oder für den Betrieb der Klosterkirche zu definieren. Aufgaben, die eigentlich nichts mit dem Kerngeschäft des Kinderheims zu tun haben. Immerhin: Bezüglich pädagogischem Konzept gab es kaum Differenzen.

Die Zusammenführung hat Vorteile, wie von Moos herausstrich: «Schülern des Stifts können wir anbieten, die Wochenenden oder die Ferien in Brugg zu verbringen, wenn eine Rückkehr in die Familie nicht möglich ist.» Auch sei der Austausch von Personal möglich, wenn Vakanzen entstehen.

Packen – ein-, um- und auspacken – war das grosse Thema in Brugg. In verschiedenen Wohnangeboten waren Wechsel angesagt. «Ganze sechs Mal sind die Wohngruppen umgezogen», sagte Rolf von Moos. «Insgesamt haben wir rund 2000 Kubikmeter Umzugsgut verschoben.» An der Habsburgstrasse 20 in Brugg wurde ein älteres Haus renoviert, dazu kam ein Anbau für eine zweite Wohngruppe. Die Liegenschaften sind inzwischen bezogen worden, besonders beliebt ist bei den Kindern der dazugehörige Rasenplatz.

Notfallgruppe weniger genutzt

Bekannt ist das Kinderheim Brugg im Kanton auch für seine Notfallgruppe. In dieser können Kinder bei aussergewöhnlichen Ereignissen innert kürzester Zeit platziert werden. Sie bietet bis zu acht Kindern Unterkunft und Betreuung. In den letzten Jahren war sie häufig ausgebucht – bis auf das Jahr 2017, in dem ein starker Rückgang zu verzeichnen war. «Es scheint, als seien solche massiven Kinderschutzmassnahmen wie eine Fremdplatzierung in der heutigen Gesellschaft nicht mehr nötig», sagte von Moos. «Ich aber habe einen anderen Eindruck.»

Er sei überzeugt, dass die mediale Berichterstattung (Stichwort: Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde), finanzpolitische Überlegungen, Sparmassnahmen sowie kurzfristiges Denken und Handeln die wirklichen Einflussfaktoren des Rückgangs seien. «Die Welt ist letztes Jahr nicht besser geworden», meinte von Moos.

Aktuell ist die Notfallgruppe übrigens wieder voll ausgelastet. Unter anderem hat ein drei Wochen altes Baby hier einen Platz gefunden.

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