Statistik

Hunde im Aargau beissen über 500 Mal pro Jahr zu

Gegen den aufgebrachten Mischlingshund hatte der Mann am Waldrand keine Chance (Symbolbild). iStockphoto/Getty

Gegen den aufgebrachten Mischlingshund hatte der Mann am Waldrand keine Chance (Symbolbild). iStockphoto/Getty

Ein 55-Jähriger aus dem oberen Fricktal erlitt am Oberarm eine Bissverletzung – Grund genug, einen Blick in die Statistik zu werfen.

Es war an einem Sonntagnachmittag Anfang April. Ein Mann war auf einem Spaziergang und näherte sich in Zeihen einem Waldstück im Grenzgebiet zu Effingen. Plötzlich rannte ein bellender Mischlingshund auf ihn los, sprang hoch und biss den 55-jährigen Schweizer in den Oberarm, was einen stationären Spitalaufenthalt zur Folge hatte. «Der verantwortliche Halter, ein 25-jähriger Schweizer aus der Region, konnte später durch die Kapo befragt werden. Er wird entsprechend an die zuständige Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Körperverletzung und Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz verzeigt», sagt Sprecher Roland Pfister von der Kantonspolizei (Kapo) Aargau.  

Im Kanton Aargau wurden vom 1. Januar bis 29. Mai dieses Jahres 123 Hunde beim Veterinärdienst gemeldet, die einen Menschen gebissen haben. In den letzten Jahren wurden beim kantonalen Departement Gesundheit und Soziales (DGS) jeweils weit über 500 Beissvorfälle registriert. Nicht ganz so oft wie Menschen werden andere Tiere von Hunden gebissen. Von den 596 Vorfällen im vergangenen Jahr betrafen 286 Tier – Mensch und 242 Tier – Tier. Dazu kommt, dass in 68 Fällen ein übermässig aggressives Verhalten von Hunden an den Tag gelegt wurde. Im Jahr 2017 kam es laut DGS zu insgesamt 542 Beissvorfällen mit Hunden. Die Zahl setzt sich aus 290 Tier – Mensch-Vorfällen, 206 Tier – Tier und 46 Fällen von übermässig aggressivem Verhalten von Hunden zusammen. Noch keine nähere Unterscheidung wurde im Jahr 2016 gemacht. Im Aargau wurden total 571 Vorfälle gezählt.

Ein Drittel passiert im Privatbereich

Welche Hunde im Aargau am häufigsten zubeissen, lässt sich laut Kantonstierärztin Barbara Thür nicht eindeutig sagen: «Darüber führen wir keine genaue Statistik, es sind aber eher die kleinen Rassen übervertreten.» Mit ein Grund, dass vermehrt kleine Hunde beissen, könne sein, dass Zeichen wie Knurren oder die Zähne zeigen bei kleineren Hunden zu wenig ernst genommen werden. «Rund ein Drittel der Vorfälle passiert zudem nicht in der Öffentlichkeit, sondern im Privatbereich des Hundehalters», ergänzt Thür. Bei den Tier – Tier-Vorfällen handle es sich oft um Hunde, die sich gegenseitig beissen.

Im oben erwähnten Fall am Waldrand in Zeihen/Effingen war es ein relativ grosser Mischlingshund, der den 55-Jährigen attackierte, während der Hundehalter an einem Brätelplatz mit verschiedenen Arbeiten beschäftigt war und den Hund offenbar nicht unter Kontrolle hatte. Auch der Geschädigte, der sich den Umgang mit Hunden gewohnt ist und keine Angst vor solchen Vierbeinern hat, war in diesem Fall machtlos. Nicht auszumalen sei, was passiert wäre, wenn die attackierte Person ein Kind gewesen wäre. Ein paar Wochen nach diesem Zwischenfall wurde der Hundehalter mit seinem Vierbeiner im Siedlungsgebiet beobachtet. Der Hund war an der Leine und trug einen Maulkorb.

Lösung: Ganzjährige Leinenpflicht

Eine ganzjährige Leinenpflicht wünscht sich eine Leserin, die sich bei dieser Zeitung gemeldet hat und sich daran stört, dass auf dem beliebten Spazierweg zwischen Brugg und Schinznach-Bad entlang der Aare oft Hunde frei herumlaufen. Der Weg werde sowohl von Spaziergängern als auch von Joggern und Velofahrern gerne und oft genutzt, hält die Frau fest. «Es wäre eine Idylle, wenn da nicht rücksichtslose Hundebesitzer sogar Kampfhunde und Doggen in Pony-Grösse frei laufen liessen und damit andere Nutzer – insbesondere Mütter mit Kindern und Senioren – bedrohen und gefährden.»

Ihres Wissens bestehe im Aargau nur während der Schonfrist eine generelle Leinenpflicht in Waldnähe. Trotzdem frage sie sich, ob nicht eine ganzjährige Leinenpflicht für diesen Weg erlassen werden könnte. «So wie es sie an der Reuss an langen Abschnitten schon gibt», fährt sie fort. Damit würde militanten und uneinsichtigen Hundebesitzern ein Riegel vorgeschoben und alle könnten sich ohne Angst an der schönen Natur erfreuen.

Andreas Lüscher, Chef der in diesem Fall zuständigen Regionalpolizei (Repol) Brugg, verweist zuerst auf die allgemeinen Pflichten für Hundehalter, wie sie im Hundegesetz geregelt sind. «Die Verantwortung liegt beim Hundehalter. Es darf zu keiner Gefährdung oder übermässigen Belästigung kommen. Der Hund muss jederzeit unter Aufsicht und Kontrolle sein», hält der Repol-Chef fest. Eine Verletzung der Leinen- und Führpflicht werde mit einer Busse von 100 Franken geahndet.

Während der aktuellen Schonzeit, die vom 1. April bis 31. Juli dauert und aus dem Jagdgesetz stammt, sind alle Hunde im Wald und am Waldrand an der Leine zu führen. «In der übrigen Zeit können Hunde auf Waldstrassen unter direkter Aufsicht ohne Leine geführt werden. Diese Regelung gilt selbstverständlich auch für den Aareuferweg, der grösstenteils durch bewaldetes Gebiet führt», fährt Lüscher fort. Bei der Feststellung von Widerhandlungen reagiere die Polizei mit Augenmass und suche das aufklärende Gespräch. Es brauche bei allen Beteiligten den gegenseitigen Respekt und die nötige Toleranz. «Offensichtliches Fehlverhalten, konsequentes Nichtbefolgen der Vorschriften oder Situationen, bei welchen es zu Beissvorfällen kommt, werden zur Anzeige gebracht», betont der Repol-Chef.

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