Rüfenach

Hund zerfetzt junges Reh – Halter liess ihn ohne Leine laufen

Der Jagdaufseher musste das schwer verletzte Reh mit einem Fangschuss töten.

Der Jagdaufseher musste das schwer verletzte Reh mit einem Fangschuss töten.

In Rüfenach wurde ein gerissenes Reh gefunden. Der Jagdaufseher geht von einer Hundeattacke aus. Trotz Leinenpflicht kommt es immer wieder zu solchen Vorfällen. Von April bis Juli müssten Hundehalter ihre Tiere eigentlich an einer Leine führen.

Für Mathieu Mathias, Jagdaufseher der Jagdgesellschaft Bruggerberg, begann das Wochenende tragisch: Gegen 11.20 Uhr am Samstagmorgen erhielt er einen Anruf der Kantonspolizei Aargau. Diese informierten ihn über ein schwer verletztes Reh, das auf dem Winkelweg im Rüfenacher Ortsteil Vorderrein liege.

Vor Ort bot sich Mathias ein schreckliches Bild: Das Hinterteil des etwa einjährigen weiblichen Rehs war komplett aufgerissen und blutete. «Das Reh hat sich versucht aufzurichten, ist jedoch sofort wieder zu Boden gesunken», beschreibt er die Szene, die sich im bot. Dann habe es sich einige Meter vorwärts geschleppt, bevor es regungslos am Boden liegen blieb.

Schuldige nicht gefunden

Für den Jagdaufseher ist klar, dass ein Hund das Tier gerissen hat. «Erst dachte ich an einen Unfall mit einem Auto. Da das Tier auf einer Gartenplatte lag, konnte ich das jedoch ausschliessen», erklärt er.

Auch einen Luchs zog er als Angreifer in Betracht. Die Verletzung am Rücken habe hingegen auf einen Hund gedeutet, denn: «Luchse attackieren ihre Beute am Hals.»

Dem Jagdaufseher blieb keine andere Wahl: Er musste das verletzte Tier mit einem Fangschuss endgültig töten, um es von seinen Leiden zu erlösen. Dass der Hund und sein Herrchen zur Verantwortung gezogen werden können, bezweifelt er. «Es gab keine Zeugen – und eine Anzeige gegen unbekannt bringt auch nichts.»

Weniger gerissene Tiere mit Leinenpflicht

Mathias ist seit 2013 als Jagdaufseher tätig. Vergangenen Samstag fand er zum ersten Mal ein gerissenes Reh vor. Anders sieht dies im gesamten Kanton Aargau aus: Trotz Leinenpflicht werden immer wieder gerissene Wildtiere gefunden. Laut Reto Fischer von der Sektion Jagd und Fischerei beim Kanton lag die Zahl in den vergangenen 15 Jahren bei durchschnittlich 50 bis 120 Tieren. «Dabei handelt es sich allerdings lediglich um eine Minimumzahl», betont Fischer. Wie hoch die Dunkelziffer sei, könne nicht geschätzt werden.

Im Kanton Aargau gilt die Leinenpflicht seit 2010. Das Gesetz verpflichtet Hundehalter von Anfang April bis Ende Juli dazu, ihre Tiere im Wald und am Waldrand an der Leine zu führen. So sollen Wildtiere wie Rehe, Hasen oder Wildschweine ungestört brüten und ihre Nachkommen aufziehen können.

Laut Fischer sind die Anzahl der gerissenen Tiere seit der Einführung der Leinenpflicht gesunken: «Von 1999 bis 2010 wurden durchschnittlich 100 Rehe pro Jahr gerissen. Seit 2010 sind es noch 60.»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1