Thalheim

Ex-Finanzverwalterin zu 16 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt

Die frühere Finanzverwalterin hat ihre Schulden in der Gemeinde Thalheim beglichen.

Die frühere Finanzverwalterin hat ihre Schulden in der Gemeinde Thalheim beglichen.

Die Beschuldigte hat der Gemeinde Thalheim Fr. 74’552.10 Schadenersatz zurückbezahlt und folgende Straftaten anerkannt: Betrügerischer Missbrauch einer Datenverarbeitungsanlage, Veruntreuung, Urkundenfälschung im Amt sowie Fälschung von Ausweisen.

Gleich mehrmals griff die ehemalige Finanzverwalterin Karin S.* in die Kasse der 800-Seelen-Gemeinde Thalheim. Der Fall wurde im März 2014 publik. Die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach hat daraufhin gegen sie im abgekürzten Verfahren Anklage wegen betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage, qualifizierter Veruntreuung und weiterer Delikte erhoben. Nun wurde Karin S. am Bezirksgericht Brugg in sämtlichen Punkten schuldig gesprochen.

Die 33-Jährige wurde zu einer Freiheitsstrafe von 16 Monaten verurteilt, unter Anrechnung der ausgestandenen Untersuchungshaft. Die Freiheitsstrafe wird zu Gunsten einer ambulanten psychotherapeutischen Therapie aufgeschoben. Ausserdem wird die beschlagnahmte Deposita über 17’000 Franken eingezogen und an die Verfahrenskosten angerechnet. Auch die gefälschten Arzt- und Arbeitszeugnisse werden eingezogen und vernichtet. Die Beschuldigte wurde verpflichtet der Gemeinde Thalheim als Schadenersatz Fr. 74’552.10 zu bezahlen, was gemäss Aussage des anwesenden Gemeindeammanns bereits geschehen ist.

Thalheims Ex-Finanzverwalterin veruntreute 64'000 Franken, muss aber nicht ins Gefängnis

So berichtete Tele M1 im März 2015 über den Fall: Thalheims Ex-Finanzverwalterin veruntreute 64'000 Franken, muss aber nicht ins Gefängnis.

Rechnungen im Photoshop bearbeitet

Karin S. anerkannte die aufgelisteten Straftaten. Als Finanzverwalterin der Gemeinde Thalheim manipulierte sie Anfang 2013 mehrere Kreditorenrechnungen, indem sie Rechnungen aus dem Vorjahr mit dem Photoshop-Programm bearbeitete und den Betrag mittels gefälschten Unterschriften auf das eigene Privatkonto überwies. Nach der Manipulation von Soldbelegen für die Feuerwehr im August 2013, entnahm sie der Gemeindekasse 982 Franken. Kurz nachdem die Sache aufflog leistete die Beschuldigte eine Rückzahlung über 60’000 Franken und stimmte einem Lohnrückbehalt durch die Gemeinde Thalheim zu.

Arbeits- und Arztzeugnisse gefälscht

Zur mehrfachen Fälschung von Ausweisen kam es, weil Karin S. zwei Arbeitszeugnisse und mehrere Arztzeugnisse fälschte. Bei den Arbeitszeugnisse wollte sie vermeiden, dass mangelnde Arbeitsleistungen und «Unregelmässigkeiten in der Buchhaltung» ans Licht kommen.

Nachdem die Beschuldigte in der Buchhaltung keine neue Stelle finden konnte, hat sie eine Ausbildung als medizinische Fitnessinstruktorin in Angriff genommen. «Sport, Bewegung und Fitness: Das ist meine wahre Berufung», sagte Karin S. im Gerichtssaal. «Ich möchte mich offiziell entschuldigen für den Riesenaufwand, den ich verursacht habe. Das war ein grosser Fehler», so die Beschuldigte weiter.

Warum sie die psychotherapeutische Behandlung noch nicht begonnen habe, wollte ein Richter wissen. Karin S. entgegnete, dass sie zuerst das Urteil abwarten wollte. Gerichtspräsidentin Gabriele Kerkhoven wies die junge Frau darauf hin, dass bei Abbruch oder Aussichtslosigkeit der Behandlung die Freiheitsstrafe zum Zug kommt.

Das abgekürzte Verfahren – ohne Beweisverfahren – wurde ermöglicht, weil sich die Parteien bereits im Vorfeld geeinigt hatten. Das Gesamtgericht der Abteilung Strafgericht kam an der Verhandlung zum Schluss, dass die Voraussetzungen dafür gegeben waren. Für die Verfahrenskosten von gut 23’000 Franken sowie die Gerichtsgebühr muss die Beschuldigte ebenfalls aufkommen.

*Name geändert

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