Bezirksgericht Brugg
Er vergriff sich an den Kindern der Ex-Freundin – als sie davon erzählten, flog er auf

Er hat die älteste Tochter der Frau massiert und im Intimbereich berührt. Weil er keine einschlägigen Vorstrafen hat, kommt ein Nordiraker am Bezirksgericht Brugg mit einer bedingten Gefängnisstrafe davon.

Dieter Minder
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Ein Iraker wurde wegen sexuellen Übergriffen verurteilt. (Symbolbild)

Ein Iraker wurde wegen sexuellen Übergriffen verurteilt. (Symbolbild)

Keystone

Die drei Mädchen Tonja, Alma, und Pia (alle Namen geändert) im Alter von 9 bis 14 Jahren, ihre Mutter Lea und deren verflossener Freund Pashan sind die Protagonisten im Prozess über «mehrfache sexuelle Handlungen mit Kindern». Zu den Übergriffen war es an Wochenenden in der Wohnung der Mutter gekommen, während der Woche wohnen die Mädchen in einem Kinderheim.

Der Fall wurde unter Leitung von Gerichtspräsidentin Gabriele Kerkhoven vor dem Bezirksgericht Brugg verhandelt. Weil ein Übersetzer nötig war, dauerte die Verhandlung über drei Stunden.

Betrunken auf Besuch

Der aus dem Nordirak stammende Flüchtling Pashan hatte in den Jahren 2015 und 2016 einige Monate eine Beziehung mit Mutter Lea. Er lebte damals in einer Asylunterkunft und besuchte Lea in der Regel an den Wochenenden in deren Wohnung.

Wie sich in der Verhandlung herausstellte, war er dabei oft angetrunken, wenn nicht noch stärker alkoholisiert. «Wir lebten wie eine Familie», betonte er.

Anlässlich der Besuche kam es zu den Vorfällen, die ihm eine Anklage wegen «mehrfacher sexueller Handlungen mit Kindern» des Staatsanwalts eintrug. Diese forderte eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten unbedingt sowie die Übernahme der Kosten. Zudem waren die drei Mädchen Privatkläger, ihre Anwältin forderte je 1500 Franken Genugtuung.

Über die Vorfälle gab es sehr unterschiedliche Beschreibungen. Die Mädchen hatten in den Zeugenaussagen Berührungen, teilweise im Intimbereich, erwähnt. Pashan sprach dagegen lediglich von einer Massage an Schultern und Beinen beim ältesten Mädchen.

Diese Massage soll gemäss seiner Aussage auf dem unteren Bett eines Kajütenbetts stattgefunden haben. Auf dem Bett soll neben dem Mädchen auch die zuvor massierte Mutter gedöst oder geschlafen haben.

Die Berührungen der beiden jüngeren Mädchen hätten, so der Beklagte, nie stattgefunden. Er unterstellte den Mädchen einen Komplott gegen ihn – allenfalls unter Anleitung des leiblichen Vaters – damit Pashan die Beziehung mit der Mutter beende.

Aufgeflogen im Kinderheim

Aufgeflogen waren die Taten, weil die drei Mädchen im Kinderheim davon erzählten. Im Rahmen der Verhandlung wurde bekannt, dass Pashan Vater eines Kindes ist, für das er keinen Unterhalt bezahlt. Weiter gab er, auf Fragen seines Pflichtverteidigers, an, homosexuell zu sein.

Auch während der Beziehung mit Mutter Lea habe er Kontakt mit verheirateten Männern gehabt. Der Verteidiger schloss aus der Homosexualität seines Mandanten, dass dieser kein Interesse an Mädchen habe.

Für das Gericht waren die Vorfälle sexuelle Handlungen und nicht einfach sexuelle Belästigungen. Deshalb verurteilte es Pashan wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit den beiden älteren Mädchen zu einer zwölfmonatigen bedingten Freiheitsstrafe bei einer dreijährigen Probezeit.

Bei der Urteilsfindung stützte es sich vor allem auf die zeitlich über vier Monate auseinanderliegenden Aussagen der Mädchen vor Fachleuten der Polizei ab. Beide Kinder berichteten beide Male dasselbe und erwähnten lediglich je einen Vorfall. Kinder in diesem Alter erfinden nach Ansicht des Gerichts solche Erlebnisse nicht. Zudem hatte der Beschuldigte die Massage am älteren Mädchen zugegeben.

Beim mittleren Mädchen hatten die Berührungen über den Kleidern stattgefunden, was als weniger schwerer Eingriff qualifiziert wurde. Die Aussagen des jüngsten Mädchens wichen so stark voneinander ab, dass sie als Nachweis für die Untat nicht genügten.

Genugtuung für die Mädchen

Zur bedingten Freiheitsstrafe entschloss sich das Gericht, weil es keine einschlägigen Vorstrafen gab. Zudem muss Pashan dem ältesten Mädchen 1500 Franken Genugtuung und dem mittleren Mädchen 1000 Franken bezahlen, er hat die Verfahrenskosten und die Kosten des Pflichtverteidigers zu übernehmen. Letztere werden von der Gerichtskasse vorgeschossen. Die Kosten der Anwältin der drei Mädchen übernimmt der Kanton.

Heute lebt der Angeklagte in einer eigenen Wohnung und hat eine Arbeitsstelle, er übe dieselbe Tätigkeit wie in seinem Heimatland aus, sagte er. Nun will er, wie er seinen Übersetzer mehrfach sagen liess, ein neues Leben anfangen.