Brugg
Ein Pate namens Zumthor, Zimmer mit Aussicht und anderes mehr

Ist das Brugger Stadtfest eine «Mission: Impossible»? Nein. Das sagen selbst Filmfans, die den Streifen mit Tom Cruise heiss lieben. Das Stadtfest ist zu stemmen – auch ohne Action, die Herzflattern verursacht.

Elisabeth Feller
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ZVG

Als eine waghalsige Aktion gestalten sich momentan freilich die Parkplatzsuche und das Befahren von Strassen, die – ungewohnt – mit Gegenverkehr aufwarten.

«Es bringt’s ja nöd», sagen zwei ältere Damen. Sie stehen vor einem Café und tauschen erste Erfahrungen aus – etwa über Parkplätze. Aber «Pssst» nicht weitersagen, wo diese sind . . .

Weitersagen darf man hingegen, dass Brugg während dem Stadtfest zu einem Architektur-Mekka mutiert. Wer zum Beispiel vor der In-Fusion-Beiz beim Stadthaus steht, merkt: Hier muss der Schweizer Architekt Peter Zumthor mit seiner Therme in Vals Pate gestanden haben.

Wasser wird aber genauso wenig sprudeln wie in der gegenüberliegenden Jungle-Beiz. Das Grün des Dschungels kontrastiert übrigens witzig zu einem Markt-Plakat, das Spargeln, Kohlrabi, Bauernbrot und Äpfel anpreist.

Anpreisen muss das Stadthaus gar nichts – nur hinweisen. Das liest sich auf einem Plakat, das an der Türfalle hängt, so: «Aufgrund des Stadtfestes befinden sich der Eingang des Stadthauses und der Briefkasten für die Stimmcouverts auf der Rückseite des Stadthauses.»

Ach ja, die Abstimmung. Sie findet nicht an diesem Wochenende statt. Darauf weist ebenfalls ein Plakat hin. Nur sehr aufmerksame Beobachter werden es entdecken, denn es hängt hoch über dem blässlichen Schriftzug «Pfadi Brugg» auf Schaufensterglas.

«. . . noch mehr Stau? NEIN zur Strassenmogelpackung am 9. Juni», steht darauf zu lesen. Der Besucherin fällt ein Stein vom Herzen – der 9. Juni ist noch weit entfernt und damit auch die Abstimmung zur Südwestumfahrung.Hauptsache, es gibt keinen Stau in der Hofstatt.

Von früheren Festen (ja, auch in Baden) weiss die Besucherin, dass Augenringe dazugehören. Da kommt die «Naturkosmetik-Beratung» eines Bio-Geschäftes wie gerufen. Fein, da wird sich die Besucherin ihre Augenringe wegrubbeln lassen. O je: Die Beratung findet erst am 8. Juni statt.

Dannzumal ist in Brugg der Alltag eingekehrt. Die guten Geister des Eisi-Kioskes werden froh sein: Weil sie wieder einen freien Blick auf den Platz und die Stammgäste haben werden.

Derzeit ist den Damen die Aussicht nämlich so verstellt, dass sie zu Hause nur dies tun können: Eine DVD zur Hand nehmen, die den Titel trägt «Zimmer mit Aussicht.» Es muss ja nicht unbedingt auf Florenz sein.