Notfall-Einsätze

Der Rettungsheli hebt im Birrfeld bald ohne TCS-Logo ab

Mit dem Rückzug des TCS erhält der Helikopter eine neue Lackierung. (Archiv)

Mit dem Rückzug des TCS erhält der Helikopter eine neue Lackierung. (Archiv)

Der TCS zieht sich aus dem Helikoptergeschäft zurück. Die Alpine Air Ambulance behält dagegen ihre Basis auf dem Flugplatz Birrfeld und rückt weiterhin zu Einsätzen aus.

Der gelbe Rettungshelikopter auf dem Flugplatz Birrfeld hat für gehörig Wirbel gesorgt in den letzten Jahren. Die Frage, wer bei Notfällen aufgeboten werden soll, führte zu hitzigen Diskussionen. Vom «Heli-Luftkrieg» war gar die Rede. Und jetzt gibt der Touring Club Schweiz (TCS) wie aus heiterem Himmel bekannt, aus dem Helikoptergeschäft auszusteigen.

Der Helikopter, das hätten die Erfahrungen gezeigt, habe vor allem Noteinsätze in der Schweiz geflogen, sagt TCS-Mediensprecher Daniel Graf. «Das war aber gar nie unsere Strategie. Deshalb ziehen wir uns zurück.»

Konzentrieren will sich der TCS dagegen auf Sekundärflüge, also auf Personentransporte im Bereich der Repatriierungen aus anderen Ländern – Flüge mit Patienten zurück in die Schweiz. «Hier nimmt die Nachfrage zu, denn das Durchschnittsalter der Reisenden wird höher und gleichzeitig reisen die Menschen weiter weg», erklärt Graf. «Das entspricht dem Bedürfnis unserer Mitglieder.»

Bereitschaftsräume im Neubau

Rettungsflüge, fährt Graf fort, habe der TCS im Aargau nur deshalb angeboten, weil der Helikopter – «wenn es pressiert hat» – vom Standort Birrfeld schnell am gewünschten Ort gewesen sei. Lukrativ, fügt er an, sei dieses Engagement indes nicht gewesen.

Kurz: Der TCS ist als Aktionär aus der vor vier Jahren gemeinsam mit der Lions Air Group AG gegründeten Alpine Air Ambulance (AAA) ausgestiegen. Die Alpine Air Ambulance wird künftig von der Lions Air Group AG alleine betrieben, die bisherigen Dienstleistungen werden weitergeführt. Anders ausgedrückt: Der Helikopter fliegt weiterhin vom Birrfeld aus, aber nicht mehr unter dem Namen TCS.

Für den Flugplatz Birrfeld, bestätigt Flugplatzchef Heinz Wyss, bleibe alles beim Alten. «Es haben sich nur die Besitzverhältnisse innerhalb der AAA verändert.» Auf den geplanten Neubau habe der Rückzug von TCS ebenfalls keinen Einfluss, fügt Wyss an.

Zur Erinnerung: In einem Bereich vorgesehen sind zeitgemässe Räumlichkeiten für den Helikopter samt Bereitschaftsräumen. In den letzten Jahren habe ein gutes Einvernehmen geherrscht, fasst Wyss zusammen. «Der Flugplatz erwartet auch in Zukunft eine konstruktive und gute Zusammenarbeit mit der Alpine Air Ambulance.»

Mit einer «Notruf 144»-Aufschrift

Balz Bruder, Kommunikationschef beim kantonalen Departement Gesundheit und Soziales (DGS), sagt, dass die Bewilligung für den Helikopter bestehen bleibt. Bei den Alarmierungen sowie bei den Rettungsaufträgen – und damit für die Bevölkerung – werde sich nichts ändern.

Gleich tönt es bei Petra Seeburger, Mediensprecherin bei der Alpine Air Ambulance. Ab der Basis Birrfeld würden im Aargau und den angrenzenden Kantonen weiterhin Einsätze mit dem Rettungshelikopter durchgeführt. «Die Aufgebote erfolgen wie bis anhin durch die kantonalen Einsatzzentralen 144. Auch führt die AAA nach wie vor Repatriierungen und Verlegungen für Spitäler sowie Transporte für Swisstransplant durch.»

Geändert habe sich, fügt die Mediensprecherin an, lediglich das Aktionariat. «Operationell war die AAA ja von Beginn an unabhängig vom TCS.» Der Helikopter, ergänzt sie, erhält übrigens eine neue Lackierung. «Diese orientiert sich am Standard-Gelb für Rettungsmittel in Europa.» Zusätzlich werde es eine grosse «Notruf 144»-Aufschrift geben.

Die AAA, hält die Mediensprecherin zu den Zielen fest, wird mit dem Helikopter im Birrfeld Dienstleistungen «mit hoher Qualität erbringen und so zu einer sehr guten Notfallversorgung der Bevölkerung im Kanton Aargau beitragen». Alle Notärzte hätten einen Facharzttitel und langjährige Berufserfahrung in Anästhesie oder Intensivmedizin. Der Helikopter Lions 1 sei derzeit das einzige ständig notarztbesetzte Rettungsmittel im Kanton Aargau, hebt die Mediensprecherin hervor. «80 Prozent des Kantons Aargau erreicht der Notarzt des Lions 1 in 10 oder weniger Flugminuten. Die restlichen 20 Prozent in maximal 15 Minuten.»

TCS setzt auf Rega-Ambulanzjets

Wie kommt der Entscheid des TCS bei der Rega an, dem langjährigen Platzhirsch in Sachen Luftrettung? Auf die operationelle Tätigkeit der Rega habe der Rückzug des TCS keine Auswirkung, sagt Karin Hörhager, Leiterin Information und Medien. «Wir haben seit 2011 immer wieder betont, dass es keinen Sinn macht, in der Luftrettung Parallelstrukturen aufzubauen. Wir sind auch heute noch dieser Meinung.»

Die Rega, sagt sie weiter, sei in der Schweiz mit ihren zwölf eigenen Helikopterbasen medizinischer Grundversorger und stehe der gesamten Bevölkerung unverändert mit ihrem ganzen Einsatzspektrum flächendeckend und rund um die Uhr zur Verfügung. Nebenbei: Der TCS bezieht vor allem für interkontinentale Rückführungen Flugleistungen von Dritten, unter anderem von der Rega. «Dass der TCS im Bereich der Repatriierungen aus dem Ausland für seine Versicherten in Zukunft wieder auf die bewährte Qualität der Rega-Ambulanzjets setzt, freut uns.»

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