Brugg
Der Effingerhof ist eine weitere Variante für die Stadtbibliothek

In Brugg sind zwei mögliche Standorte für eine moderne Stadtbibliothek im Gespräch – die Zeit drängt.

Claudia Meier
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Die grosse Effingerhof-Liegenschaft steht zum Verkauf. Der Stadtrat will sie zwar nicht kaufen, kann sich aber an der Museumstrasse die neue Stadtbibliothek vorstellen.cm

Die grosse Effingerhof-Liegenschaft steht zum Verkauf. Der Stadtrat will sie zwar nicht kaufen, kann sich aber an der Museumstrasse die neue Stadtbibliothek vorstellen.cm

Claudia Meier (cm)

«Das Buchangebot in der Bibliothek ist einer Bildungsstadt nicht würdig», sagte ein Mitglied am Donnerstagabend an der 136. Generalversammlung des Vereins Stadtbibliothek Brugg im Zimmermannhaus. Zwar zahle sie noch den Jahresbeitrag, finde aber wie viele andere Leser keine passende Literatur mehr, so die Frau weiter. Dem pflichtete ein anderes Mitglied bei: «Hut ab, vor dem, was ihr im vergangenen Jahr geleistet habt. Die Kinder finden meist guten Lesestoff. Für die Erwachsenen hingegen ist es echt schwierig.» Es gebe nur zwei Möglichkeiten: «Entweder wir schliessen die Stadtbibliothek oder wir bekommen schnell eine neue Bibliothek.»

Der knappe Platz für die Stadtbibliothek und die suboptimale Lage im Zimmermannhaus in der Vorstadt sind Dauerthemen in Brugg. Dass sich zum Versammlungsende unter den lediglich 16 anwesenden Mitgliedern (von insgesamt 2476) eine so lebhafte Diskussion entwickelte, war eine neue Erfahrung. Leo Geissmann, CVP-Stadtrat und von Amts wegen im Bibliotheksvorstand, erinnerte daran, dass dem Stadtrat die Zielsetzung für einen neuen Standort vor vier Jahren in einem Brief überreicht wurde. «Es geht vorwärts. Die Stadtbibliothek hat sich trotz wenig Platz weiterentwickelt und das neue Konzept liegt bald schriftlich vor», so Geissmann.

Versierte Fachfrau im Vorstand

Im Rahmen des Gestaltungsplans «Alte Post», der noch bis zum 10. April bei der Abteilung Planung und Bau öffentlich aufliegt, ist im Neubau für die zentrale Verwaltung eine Bibliothek vorgesehen (die AZ berichtete). Als zweite Variante kann sich der Stadtrat in Kooperation mit dem neuen Eigentümer eine Umnutzung der Effingerhof-Druckerei zu einer neuen Stadtbibliothek in Schulnähe vorstellen. Die grosse Liegenschaft, für die es mehrere Interessenten geben soll, steht derzeit zum Verkauf und wird an den Meistbietenden veräussert. «Es dauert alles etwas länger als ursprünglich geplant. Der Stadtrat will die Bibliothek aber auch weiterhin unterstützen», betonte der Politiker.

Der Stadtbibliothek-Verein hat mit Ruth Fassbind eine ausgewiesene Fachperson im Vorstand. Fassbind ist Direktorin vom Bibliocenter in Solothurn, das zu Bibliomedia Schweiz gehört. Dabei handelt es sich um eine zentrale Ressourcenbibliothek für öffentliche Bibliotheken, Schulen und andere Institutionen in der Schweiz, die sich für die Förderung des Lesens und der Kultur einsetzen. «Durch meine Arbeit sehe ich viele Bibliotheken», erklärte Fassbind und schilderte, wie das Konzept für eine moderne Stadtbibliothek mit einer Fläche von über 400 Quadratmetern entsteht.

Im Workshop viele Ideen gesammelt

Für diesen Auftrag des Stadtrats haben die Verantwortlichen einen externen Bibliotheksentwickler beigezogen und Ende Oktober 2017 mit diversen Brugger Institutionen an einem ganztägigen Workshop viele Ideen zusammengetragen. «Aktuell arbeiten wir am schriftlichen Konzept», so Fassbind. Nach einer Auslegeordnung wurden Schwerpunkte gebildet und Zielgruppen definiert. Dabei zeigte sich laut Fassbind sehr deutlich, wie wichtig ein zentraler Treffpunkt für die Kontaktpflege und Integration ist. Da bei Schuleintritt 50 Prozent der Brugger Kinder einen Sprachförderbedarf haben, wird die Leseförderung nicht nur hoch gewichtet, sondern bereits dieses Jahr in der Stadtbibliothek ausgebaut.

Beim Jahresrückblick sprach Bibliotheksleiterin Cécile Bernasconi von personellen Veränderungen und umfassender Reorganisation. Der Kundenstamm sei leicht abnehmend. Umso wichtiger seien Veranstaltungen, um wieder neue Mitglieder zu gewinnen. Im April ist ein Treffen mit dem Stadtrat vorgesehen. «Wir glauben an die Zukunft und machen motiviert weiter», hielt Präsidentin Käthi Süess fest.

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