Brugg
Gendergerechte Sprache: Die SP möchte «altbackene» Bezeichnungen wie «Stadtammann» ersetzen

Die Sprache in Behörden und Verwaltung der Stadt Brugg soll gendergerecht werden. So lautet der Inhalt eines Postulats, das SP-Einwohnerrat Reto Bertschi im Namen seiner Fraktion an der Mai-Sitzung eingereicht hat. Beispiele zeigen auf, wie das gehen könnte.

Claudia Meier
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Die Sitzung des Einwohnerrats Brugg findet seit der abgebildeten Premiere vom 19. Juni 2020 coronabedingt im Campussaal Brugg-Windisch statt.

Die Sitzung des Einwohnerrats Brugg findet seit der abgebildeten Premiere vom 19. Juni 2020 coronabedingt im Campussaal Brugg-Windisch statt.

Bild: Britta Gut

Mittels eines Postulats will die SP-Fraktion den Stadtrat beauftragen, zu prüfen, wie in Zukunft gendergerechte Bezeichnungen für alle Funktionen in Behörden und Verwaltung der Stadt Brugg verwendet werden können. So soll etwa von Stadtpräsidentin beziehungsweise Stadtpräsident die Rede sein anstatt von Stadtammann. Und der Einwohnerrat könnte in Stadtparlament umgetauft werden. Für die Sozialdemokraten ist klar:

«In allen Reglementen und Verordnungen der städtischen Verwaltung sollen geschlechtsneutrale und ausgewogene Bezeichnungen verwendet werden.»

Dasselbe gelte für die Website und den schriftlichen Verkehr der Verwaltung gegen aussen sowie innen.

Nicht repräsentierte Gruppen würden benachteiligt

SP-Einwohnerrat Reto Bertschi.

SP-Einwohnerrat Reto Bertschi.

Bild: zvg

Als Begründung hält SP-Einwohnerrat Reto Bertschi fest: «Sprache ist das wichtigste Kommunikationsmittel und trägt sehr viel zur sozialen Identität bei.» Gendergerechte Sprache habe laut psychologischen Studien einen grossen Einfluss auf unsere Sicht der Welt und die Denkweise der Menschen, so der Lokalpolitiker, der das Postulat im Namen der SP-Fraktion eingereicht hat. Auch die Sprachwissenschaft zeige seit langem, dass Sprache und die Wahrnehmung gesellschaftlicher Wirklichkeit eng miteinander verknüpft seien.

Wenn bestehende Vielfalt sprachlich nicht abgebildet werde, würden die nicht repräsentierten Gruppen systematisch benachteiligt, weil sie zu wenig in Erscheinung treten. Bertschi ergänzt:

«Gendergerechte Texte und Bezeichnungen stellen die Gleichberechtigung von Mann und Frau sicher und unterstützen somit die in der Bundesverfassung verankerte Gleichstellung.»

Gendergerechte Sprache ermögliche zudem die Inklusion aller Geschlechtsidentitäten (LGBTQ). Einmal mehr brauche ein Gleichstellungsthema Jahrzehnte, bis es überall angekommen ist.

Die Fraktion verweist auf den Leitfaden der Bundesverwaltung

Die Sozialdemokraten sind der Meinung, dass die staatlichen Organe hier eine Vorbildfunktion haben, «damit die Gleichstellung auch im Alltag der Bevölkerung Einzug hält». Bereits in den 1980er-Jahren habe es auf Bundesebene die ersten Vorstösse für eine geschlechtsneutrale Verwaltungssprache gegeben. Konkrete Schritte erfolgten aber erst im neuen Jahrhundert.

Nachdem in vielen Kantonen und Gemeinden die «altbackenen» Bezeichnungen wie Stadtammann, Landammann und Landstatthalter durch gendergerechte Bezeichnungen ersetzt wurden, wollen die Lokalpolitiker nun, dass die Stadt Brugg hier ebenfalls aktiv wird. Die Fraktion verweist in ihrem Vorstoss auf den «Leitfaden zum geschlechtergerechten Formulieren» der Bundesverwaltung.

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