Brugg

«Arbeit für Sozialhilfe»: Neu gibt es 5 Franken pro Stunde

Sozialhilfebezüger stehen für gemeinnützige Arbeit auch beim Kampf gegen Littering im Einsatz (Symbolbild).

Sozialhilfebezüger stehen für gemeinnützige Arbeit auch beim Kampf gegen Littering im Einsatz (Symbolbild).

Der Stadtrat führt das Projekt «Arbeit für Sozialhilfe» ab 1.November definitiv ein. Dadurch könnten kurzfristig verfügbare Sozialhilfeempfänger zu gemeinnützigen Arbeitseinsätzen wie Fötzele oder Laubrechen aufgeboten werden und erhalten so eine Tagesstruktur sowie soziale Kontakte.

Immer mehr Leute beziehen in der Stadt Brugg Sozialhilfe. Vor einem Jahr betreuten die Sozialen Dienste Brugg etwa 220 Sozialhilfe-Dossiers, mittlerweile seien es knapp 300, sagt Leiter Jürg Schönenberger, der Ende Monat frühzeitig in den Ruhestand tritt.

Das sechsmonatige Pilotprojekt «Arbeit für Sozialhilfe» lancierte der Brugger Stadtrat Ende September 2016. Dadurch könnten kurzfristig verfügbare Sozialhilfeempfänger zu gemeinnützigen Arbeitseinsätzen wie Fötzele oder Laubrechen aufgeboten werden und erhalten so eine Tagesstruktur sowie soziale Kontakte. Wer die Arbeit verweigert oder ungenügende Leistung erbringt, erhält als Sanktion im schlimmsten Fall nur noch Nothilfe. Das bedeutete für eine Einzelperson eine Kürzung von 1000 auf 600 Franken pro Monat. Miete und Krankenkassenbeiträge sind nicht tangiert.

Das Pilotprojekt dauerte vom 1. Dezember 2016 bis 31. Mai 2017 und erfüllte die Erwartungen der Verantwortlichen. Der Brugger Stadtrat hat nun beschlossen, bei den Sozialen Diensten den zusätzlichen Bereich «Arbeitseinsätze» zu schaffen und das Projekt ab 1. November definitiv einzuführen.

18 Personen arbeiteten 110 Tage

Insgesamt leisteten in der Pilotphase 18 Sozialhilfebezüger während 110 Tagen gemeinnützige Arbeit für die Stadt Brugg. Sie kamen beim Unterhalt der Sportanlagen, beim Hausdienst der Schulanlagen, im Frei- und Hallenbad sowie beim Forstdienst zum Einsatz. «Der Einbezug von Klienten für das Verpacken von Abstimmungs- und Wahlmaterial bei der Stadtkanzlei war nicht möglich. Nicht teilgenommen hat die Zivilschutzorganisation», heisst es im Auswertungsbericht.

Bezüglich Arbeitsmoral, Arbeitshaltung und Zuverlässigkeit waren die Rückmeldungen der Betriebe meist positiv. Hingegen konnte keiner der betroffenen Klienten durch die Teilnahme an diesem Pilotprojekt eine Teilzeit- oder Festanstellung im ersten Arbeitsmarkt erreichen. «In einigen wenigen Fällen konnten Arbeitsbestätigungen erstellt und ausgehändigt werden. Diese können die weitere Arbeitssuche der Betroffenen unterstützen», lautet ein weiteres allgemeines Ergebnis.

Klienten, die für einen Arbeitseinsatz angefragt wurden, haben beim ersten Gespräch meist skeptisch und hinterfragend reagiert. Und «obwohl die Mitarbeiter der Sozialen Dienste in den Motivationsgesprächen alle Vorteile eines Arbeitseinsatzes aufzeigten, wurde die fehlende Lohnzahlung nicht verstanden», steht im Bericht. Auch der Umstand, dass ein allfälliger Lohn nicht ausbezahlt, sondern direkt mit der Sozialhilfe verrechnet würde, habe bei den Diskussionen nicht weitergeholfen.

Ein Klient wurde sanktioniert

Mehrere Klienten erhofften sich anfänglich offenbar, über diese Arbeitseinsätze rasch eine Teilzeit- oder Festanstellung mit entsprechender Entlöhnung zu finden – vielleicht auch bei der Stadt Brugg. Seitens der Stadt Brugg konnten aber keine Angebote gemacht werden. Sanktioniert wurde ein Klient, weil er einen Arbeitseinsatz verweigerte. «Sein Grundbedarf wurde um 25% für die Dauer von drei Monaten respektive gesamthaft um 738 Franken gekürzt», ist im Bericht zu lesen. Mit ein Grund für die «massive Kürzung» seien weitere Versäumnisse gewesen, die nichts mit dem verweigerten Arbeitseinsatz zu tun hatten. In zwei anderen Fällen wurden die Klienten verwarnt.

Künftig sollen auch Frauen für gemeinnützige Arbeitseinsätze einbezogen werden. Zudem habe das Pilotprojekt gezeigt, dass es bei den Schnittstellen noch Optimierungspotenzial gebe, sagt Leiter Jürg Schönenberger. Neu wird pro geleistete Arbeitsstunde eine Entschädigung von 5 Franken bezahlt, als Einkommensfreibetrag ohne Anrechnung bei der Sozialhilfe (maximal 400 Franken pro Monat respektive 80 Stunden). Dafür hat der Brugger Stadtrat jetzt grünes Licht gegeben. Zusammen mit der Integrationszulage von Fr. 1.19 bekommen die Klienten eine Vergütung von Fr. 6.19 pro Arbeitsstunde.

«Diese Arbeitseinsätze kommen nicht für alle Sozialhilfeempfänger infrage, weil viele schon in einem anderen Beschäftigungsprogramm tätig sind oder es ihre Gesundheit nicht zulässt», hält Leiter Jürg Schönenberger abschliessend fest.

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