30-Jahr-Jubiläum
Aargauer Sanitär-Original: Mit diesem Handy war er schon 1985 erreichbar

Frank Schoder aus Windisch feiert sein 30-Jahr-Jubiläum und schaut auf turbulente Zeiten zurück. «Schödi» war im Jahr 1985 als einer der ersten Aargauer per Handy erreichbar. In der Beiz dachten sie damals: «De Blöffsack».

Erik Schwickardi
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Mit diesem Handy von BBC war Frank Schoder schon 1985 erreichbar.

Mit diesem Handy von BBC war Frank Schoder schon 1985 erreichbar.

Chris Iseli

Ich war erst 22 Jahre alt, als ich 1985 in die Selbstständigkeit startete», erzählt Frank «Schödi» Schoder (52). «Beim Start hatte ich nicht mehr als eine Werkzeugkiste, ein Handy, meinen Service-Bus und meine weissen Zoccoli.»

Diese trug Frank Schoder nicht nur, weil sie praktisch und bequem waren: «Ich konnte die Zoccoli immer rasch ausziehen und die Hausfrauen schätzten es, wenn der Boden nicht dreckig wurde.»

Mit diesem Handy von BBC war Frank Schoder schon 1985 erreichbar.

Mit diesem Handy von BBC war Frank Schoder schon 1985 erreichbar.

Chris Iseli

Seit ihm aber im letzten Jahr ein schwerer Hammer auf die Zehen gefallen ist, wechselte er schweren Herzens auf Arbeitsschuhe mit Stahlkappen. «Die weissen Zoccoli waren mein Markenzeichen: Wenn die «Harmonie»-Wirtin in Windisch draussen auf dem Parkplatz die Zoccoli klappern hörte, drückte sie auf die Kaffeemaschine. Denn sie wusste: ‹Jetz chunnt de Schödi zum Znüni›.»

«Schödi» war als einer der ersten Aargauer per Handy erreichbar. «Ich war ja ganz allein. Eine Sekretärin konnte ich mir nicht leisten.» Mit seinem Handy von 1985 wirkt «Schödi» fast wie US-General Norman Schwarzkopf mit einem Kommando-Funkgerät im ersten Golfkrieg.

«In der Beiz dachten sie: ‹De Blöffsack›. Ich wurde bestaunt wie ein Mars-Mensch», lacht er. «Viele waren neidisch, dass ich so immer erreichbar war.»

Spannend: Sein Handy war von BBC. Kaum jemand weiss heute noch, dass der Schweizer Industrie-Konzern einst auch Mobiltelefone herstellte. «Das BBC-Handy kostete damals 7500 Franken.» Zuvor hatte «Schödi» ein 50-Kilogramm schweres Natel-B-Koffer-Telefon im Service-Bus: «Das gleiche Modell wie der berühmte Künstler Tinguely in seinem Ferrari hatte.»

Frank Schoder feiert sein 30-Jahr-Jubiläum.

Frank Schoder feiert sein 30-Jahr-Jubiläum.

Chris Iseli

Nicht ohne Genugtuung erzählt «Schödi», was ihm sein damaliger Chef prophezeite: «Schödi, dich gibt es keine zwei Jahre.» Bereut hat er den Schritt in die Selbstständigkeit nie: «Ich kann das jedem Jungen empfehlen. Aber einfach ist es nicht. Man muss pünktlich, sauber und zuverlässig arbeiten. Dann hat Handwerk goldenen Boden.»

Inzwischen ist Frank Schoder ein bekanntes Handwerker-Original. Egal, ob die Entkalkungsanlage defekt ist, ein neues Bad eingebaut werden muss oder gar die «Grufti-Bar» der Windischer Fasnächtler unter Wasser steht, Frank Schoder ist mit seinem Kestenberg-Express Sanitärservice stets prompt und zuverlässig zur Stelle. Schoder machte sich einen Namen für den Austausch von Boilern und Wasser-Entkalkungsanlagen. Da der Kundenstamm stets gewachsen ist und die Arbeit zugenommen hat, sind auch Roland Schenker sowie Urs Steffen für den Kestenberg-Express Sanitärservice im Einsatz.

Mit vielen Kunden pflegt «Schödi» ein freundschaftliches Verhältnis. Problemfälle löst das Aargauer Sanitär-Original mitunter unkonventionell: Vor Jahren zahlte ein Kunde sein WC nicht. «Nach mehreren Betreibungen rief mich die Frau an, ein Wasserhahn tropfe – ich nutzte die Gelegenheit und baute das WC kurzerhand wieder aus.» Später erhielt er einen aufgeregten Anruf: «Sie haben ja unser WC mitgenommen!» Seine trockene Antwort: «Loset Sie, solang die ‹Schissi› ned zahlt esch, ghört die mer. Wenn Sie mer die jetzt zahled, chummi weder und baue s WC weder i.» Und siehe da: «Plötzlich hatte der Kunde Geld. Und ich baute das WC wieder ein.»

Handwerker-Original «Schödi» ist auch als begeisterter Fasnächtler bekannt, früher gar mit seiner eigenen Clique, den legendären «Caipirinhas». Und wer an einem Fasnachtsball irgendwo im Aargau vor dem Turnhallen-Eingang auf ein paar Eskimos beim Apéro im Wohnwagen trifft, darf sich nicht wundern, wenn einer dieser vermeintlichen Grönländer «Schödi» heisst und gerade eine Champagner-Flasche öffnet. An der Fasnacht zeigt «Schödi» dem verblüfften Publikum gern auch den «Fünfliber»-Trick oder unterhält das Publikum in geselliger Runde mit einem seiner 1000 Witze, die er alle auswendig kennt. Beim Feierabend-Apéro in der Hausemer Stollen-Bar erklärt Frank Schoder bei einem «gespritzten Weissen» der Barmaid gern auch charmant, wie er eigentlich zu seinem Übernamen «Schödi» kam: «Weisch, meine Mutter ist Französin und ich bin an einem Donnerstag geboren.»

Immer wieder hat Frank Schoder auch visionäre Ideen. Etwa, als er im Schaufenster seines Lupfiger Betriebs eine WC-Testkabine einbaut. «Hier können Interessierte ein Dusch-WC selber testen», lacht «Schödi». Pikant: Vergisst ein WC-Tester das Rollo herunterzulassen, sehen die Passanten an der Lupfiger Sandgasse 6 durchs Fenster, wer gerade auf dem stillen Örtchen sitzt.

Offen für Neues, aber auch der Tradition verpflichtet – das ist «Schödi»: «Ein kurzer Jass mit den Kollegen über Mittag muss sein.» Das weiss auch Service-Lady Cindy im Hausemer Café Max & Moritz. Wenn «Schödi» den letzten Tropfen der feinen Salatsauce ausgetunkt hat, muss der Jassteppich ausgelegt werden. «Das ist seit 28 Jahren so.» Und fügt an: «Während dem Jass und beim Mittagessen nehme ich das Handy nicht ab.»