Brugg
1000 Stunden Widerstand gegen Atomkraftwerke – Fricktaler war von Anfang an dabei

Der 64-Jährige Andy Vogt ist seit 1975 Teil der Anti-AKW-Bewegung. Warum er vor dem Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat in Brugg protestiert.

Katja Gribi
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Seit neun Jahren steht jede Woche von Montag bis Donnerstag eine Gruppe Menschen vor dem Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi).

Seit neun Jahren steht jede Woche von Montag bis Donnerstag eine Gruppe Menschen vor dem Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi).

Katja Gribi

Seit neun Jahren steht jede Woche von Montag bis Donnerstag eine Gruppe Menschen für eine Stunde mit gelben Fahnen und neuerdings auch bedruckten Schutzmasken vor dem Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi).

Die Aktivisten demonstrieren gegen das Vorgehen des Ensi in Sachen Bevölkerungsschutz und Atompolitik. Die Forderung: Ein sofortiger Betriebsstopp der AKW-Reaktoren Beznau I und II. «Das Ensi schützt die Betreiber von AKWs und nicht die Bevölkerung», verkündet die eigens eingerichtete Website.

Mahnwache als Reaktion auf Gau in Fukushima

Wegen der verschärften Coronaschutzmassnahmen stehen nunmehr genau fünf Mahnwächtler vor dem Busbahnhof in Brugg. Mit dabei ist Andy Vogt, auch er trägt die gelbe Maske mit dem Stopp-Beznau-Aufdruck und hält eine grosse Fahne in der Hand. Am 17. Dezember hatte er seinen tausendsten Einsatz vor dem Ensi an der Industriestrasse in Brugg.

Von Anfang an sei er bei der Mahnwache dabei gewesen, sagt Vogt. Initiiert wurde die Aktion nach der Nuklearkatastrophe in Fukushima 2011. Damals habe er noch in Lenzburg gearbeitet und auf dem Heimweg nach Baden jeweils einen Zwischenstopp in Brugg eingelegt, erzählt Vogt. «Die Mahnwache ist mir ein Anliegen. Hier kann ich mich gegen die Atompolitik und für den Umstieg auf erneuerbare Energien einsetzen. Seit der Coronakrise sind die anregenden Diskussionen eine willkommene Abwechslung zu den Einschränkungen des Alltags.»

Besetzung in Kaiseraugst als Einstieg in Aktivismus

Der 64-Jährige ist seit 1975 Teil der Anti-AKW-Bewegung. Damals habe er als Gewerbeschüler in Rheinfelden die Baugeländebesetzung des geplanten AKW Kaiseraugst hautnah miterlebt. «Die Bewegung hat mich interessiert. Nach der Schule bin ich jeweils zum besetzten Gelände gegangen, um mich zu informieren und zu diskutieren. So wurde ich Teil der Bewegung gegen die AKWs», erinnert er sich. Seit einem Jahr ist der Umweltaktivist frühpensioniert. Ursprünglich kommt der ehemalige Sozialpädagoge aus Sisseln im Fricktal, wohnhaft ist er aber seit 35 Jahren im Raum Baden.

Während dieser Zeit engagierte sich Vogt in der SP und war im Vorstand der Gewerkschaft im Service public tätig. Die Umweltpolitik sei ihm wichtig, sagt Vogt. «Ich denke, dass es bei vielen Themen eine gewisse Hartnäckigkeit braucht. Die Mahnwache ist für mich ein Puzzleteil im Kampf gegen die AKWs und ein Weg, auf bestehende Probleme aufmerksam zu machen.»