Natur zulassen
«Biodiversität ist nicht teuer, man spart sogar dabei»

Vertreter des Kantons Aargau erläutern in Windisch am Beispiel des Sportausbildungszentrums Mülimatt, wie man der Natur Raum zurückgibt, und wie schnell sie diesen wieder selbst gestaltet.

Mathias Küng
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Von links: Reto Wettstein (Stadtrat Brugg), Finanzdirektor Markus Dieth, Heidi Ammon (Gemeindepräsidentin Windisch), Norbert Kräuchi (Leiter Abteilung Landschaft und Gewässer Aargau), Landammann Stephan Attiger, Urs Heimgartner (Leiter Immobilien Aargau) und Barbara Horlacher (Frau Stadtammann Brugg), vor dem Sportausbildungszentrum Mülimatt.

Von links: Reto Wettstein (Stadtrat Brugg), Finanzdirektor Markus Dieth, Heidi Ammon (Gemeindepräsidentin Windisch), Norbert Kräuchi (Leiter Abteilung Landschaft und Gewässer Aargau), Landammann Stephan Attiger, Urs Heimgartner (Leiter Immobilien Aargau) und Barbara Horlacher (Frau Stadtammann Brugg), vor dem Sportausbildungszentrum Mülimatt.

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Seit dem 24. und noch bis morgen 27. Mai findet schweizweit das Festival der Natur statt. Mehr als 750 Veranstaltungen begleiten dieses. Das Festival macht auf die reiche biologische Vielfalt, ihren Wert und ihren Schutzbedarf aufmerksam. Im Aargau geht es danach noch weiter mit dem Tag der Artenvielfalt. Er findet am 29./30. Mai mit Corona-Schutzkonzept am Klingnauer Stausee statt (Programm auf naturama.ch).

Nun ist die Biodiversität zunehmend unter Druck. Doch in Siedlungsgebieten bestehen sehr wohl viele noch ungenutzte Möglichkeiten, um die Artenvielfalt zu erhalten und zu fördern. Das wollten Vertreter des Kantons Aargau, allen voran Landammann und Umweltdirektor Stephan Attiger sowie Finanzdirektor Markus Dieth den Medien an einem konkreten Beispiel demonstrieren.

Biodiversität bei kantonalen Liegenschaften am Beispiel Sportausbildungszentrum Mülimatt, Windisch

Kanton Aargau

Attiger: Wir haben die Herausforderung erkannt

Auch im Aargau ist der Handlungsbedarf sehr hoch. Das zeigt der neueste Nachhaltigkeitsbericht. Sowohl klimatische Veränderungen als auch die Siedlungsentwicklung oder Naherholung setzen die Biodiversität unter Druck. Die heutigen Flächen an wertvollen Lebensräumen und deren Vernetzung genügen nicht, um den langfristigen Erhalt der Biodiversität zu sichern. Die Regierung habe die Herausforderung erkannt und handle, sagte Landammann und Umweltdirektor Stephan Attiger in Windisch. Einerseits habe sie den Entwicklungsschwerpunkt Klimaschutz und Klimaanpassung geschaffen. Dazu komme die Strategie «Natürlichen Lebensraum gestalten und Landwirtschaft weiterentwickeln».

Dieth: 50 Liegenschaften auf ökologisches Aufwertungspotenzial geprüft

Landammann Stephan Attiger (links) und Finanzdirektor Markus Dieth auf dem bewusst mit Holzelementen gestalteten Spielplatz beim Sportausbildungszentrum Mülimatt.

Landammann Stephan Attiger (links) und Finanzdirektor Markus Dieth auf dem bewusst mit Holzelementen gestalteten Spielplatz beim Sportausbildungszentrum Mülimatt.

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Im Rahmen des Mehrjahresprogramms Natur 2020 seien bei den kantonalen Liegenschaften bereits erste beispielhafte Projekte erfolgreich umgesetzt worden, etwa die Naturmodule und die Pilotprojekte Siedlungsränder. Dies sagte der für die 480 kantonalen Immobilien zuständige Finanzdirektor Markus Dieth. Jetzt, mit dem Projekt Natur 2030, wurden 50 ausgewählte Liegenschaften bereits auf ihr ökologisches Aufwertungspotenzial überprüft. Für Sofortmassnahmen wurden laut Dieth für 15 Liegenschaften schon Mittel eingestellt.

Hohes Gras: Vor 20 Jahren hätte es Reklamationen gegeben

Vor dem Sportausbildungszentrum Mülimatt zeigten Urs Heimgartner (Abteilungsleiter Immobilien Aargau) und Norbert Kräuchi (Abteilungsleiter Landschaft und Gewässer Aargau) schliesslich, was man in Absprache mit den betroffenen Gemeinden (hier Windisch und Brugg) alles bewirken kann. So wird hier die Umgebung extensiv bewirtschaftet. Hinter dem Gebäude grasen Kühe, davor spriesst das Gras, Blumen blühen. Vor 20 Jahren hätte es hier anders ausgesehen. Es hätte gewiss Reklamationen gegeben, wenn das Gras zu lange nicht geschnitten worden wäre, sagt Urs Heimgartner schmunzelnd. Jetzt schaute man aber bewusst, wie man das Gebäude unterhalb des Bahndamms setzen soll, und was man in der Umgebung machen kann, um möglichst viel Biodiversität zuzulassen. Dazu wurde auch ein Stück an der nahe fliessenden Aare mit einer Uferabsenkung aufgewertet.

Urs Heimgartner (links, Leiter Immobilien Aargau) und Norbert Kräuchi (Leiter Abteilung Landschaft und Gewässer des Kantons) erläutern die Massnahmen beim Sportausbildungszentrum Mülimatt.

Urs Heimgartner (links, Leiter Immobilien Aargau) und Norbert Kräuchi (Leiter Abteilung Landschaft und Gewässer des Kantons) erläutern die Massnahmen beim Sportausbildungszentrum Mülimatt.

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Leute müssen das Ergebnis auch sehen können

Hier beim Sportausbildungszentrum gestalte man den Raum seit Jahren ganz bewusst zusammen mit den Gemeinden. Natur zurückzubringen sei mit einfachen Massnahmen möglich, betont Norbert Kräuchi. Der Kanton wolle vorangehen und zeigen, wie man es machen kann. Wichtig sei daran zu denken, den Leuten zu ermöglichen, das Resultat zu sehen. Biodiversität sei nicht teuer, man spare sogar dabei, so Heimgartner: «Man muss nur das Richtige am richtigen Ort tun.» Zum sorgsamen Umgang mit Ressourcen gehört auch, dass man zur Beleuchtung der nahen Fussgänger- und Velobrücke über die Aare nur noch so viel Strom braucht, mit dem man früher ein einziges Zimmer beleuchtet hätte.

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