Baden

Zur Rettung der Stiftung Langmatt: Welche Bilder sollen für 40 Millionen verkauft werden?

Für die Sanierung der historischen Villa Langmatt und der Stiftung Langmatt Sidney und Jenny Brown wird dringend Geld benötigt. Der Verkauf von Bildern aus der Sammlung des Badener Museums sorgt für Aufsehen.

Die Stadt Baden hat lange darauf gewartet. Nun ist sie da, und sie sorgt für Aufregung: die Strategie für die Zukunft des Museums Langmatt. Nach drei Jahren intensiver Vorbereitung haben der Stiftungsrat, der Stadtrat und die Museumsleitung letzte Woche ihre Pläne präsentiert. Zwei Stossrichtungen gibt es darin: Zum einen muss die historische Villa Langmatt an der Römerstrasse dringend saniert werden. Die Renovation und die sanfte Erweiterung des Museums für rund 17 Millionen Franken sollen Stadt, Kanton und Dritte finanzieren. Dafür braucht es einen ersten Kredit des Einwohnerrats und in rund drei Jahren eine Volksabstimmung.

Zum anderen: Die Stiftung Langmatt Sidney und Jenny Brown muss ebenfalls dringend saniert werden. Um den langfristigen Betrieb des Museums während der nächsten Jahrzehnte zu sichern – nicht für die Renovation des Gebäudes, dieser Unterschied ist wichtig. Dafür müssen zusätzliche 30 bis 40 Millionen Franken zusammenkommen.

Droht jetzt der Ausverkauf der Langmatt?

Vor allem die Ankündigung, für die Rettung der Stiftung bis zu drei Bilder aus der Sammlung zu verkaufen, sorgte für Aufsehen. Von «Ausverkauf der Langmatt» und von «Fehlentscheid» war die Rede. Die Langmatt liegt vielen Badenerinnen und Badenern am Herzen. Das hat seinen guten Grund: Die Villa mit ihrer bedeutenden Impressionisten-Sammlung vermachte John A. Brown als letzter Spross der BBC-Gründerfamilie der Stadt Baden. Diese richtete 1988 die Stiftung ein, die aber von Anfang an über zu knappe Finanzen verfügte. Das Stiftungsvermögen beträgt derzeit noch rund 3,5 Millionen Franken. Das reicht noch für etwa fünf Jahre Museumsbetrieb. Darum ist jetzt, 30 Jahre nach der Eröffnung des Museums, endgültig klar: Es muss sich etwas ändern, um die Langmatt zu retten.

Der Entscheid, Bilder zu verkaufen, fiel dabei keineswegs leichtfertig: «Wir haben im Stiftungsrat unzählige Sitzungen sowie intensive Auseinandersetzungen über den Bilderverkauf gehabt», erklärt Stiftungsratspräsident Lukas Breunig. «Es wurde alles versucht, um das zu verhindern. Aber am Ende blieb keine andere Lösung.» Die einzige Alternative wäre die Schliessung des Museums gewesen, so Breunig. «Wie es dann mit der Langmatt weitergegangen wäre, kann niemand sagen.»

Langmatt-Direktor Markus Stegmann ergänzt: «Wir haben wirklich alles versucht, um Geld für die Stiftung aufzutreiben. Aber wir fanden weder andere Stiftungen noch private Mäzene oder andere Geldgeber.» Der umfassende Bericht des Büros von Kulturunternehmer Martin Heller empfahl deshalb in der Folge die Aufteilung: Zum einen die Sanierung des Gebäudes mit öffentlichen Mitteln. Zum anderen die Rettung der Stiftung durch den Bilderverkauf.

In Amerika üblich, in Europa eine Ausnahme

Während es in amerikanischen Kunstmuseen durchaus üblich ist, Bilder zu verkaufen, um an Geld zu kommen, gilt das in Europa noch weitgehend als Tabu. Klar ist: Um 40 Millionen Franken zu erhalten, müssen es entsprechend teure Gemälde aus der Sammlung sein. Ebenso klar ist: Der Kernbestand der Langmatt darf nicht angerührt werden. «Das ist vom Stifter so festgelegt. Den Stifterwillen werden wir unter keinen Umständen verletzen», betont Stegmann. «Wir haben 52 Bilder des französischen Impressionismus in der Sammlung. Etwa drei Viertel sind Kernbestand.»

Welche Bilder für den Verkauf in Frage kommen, könne man heute noch nicht sagen. Dass der Betrag von 30 bis 40 Millionen Franken zu schaffen ist, glaubt Markus Stegmann aber fest: «Verschiedene Spezialisten der grossen Auktionshäuser aus aller Welt waren bei uns in der Langmatt.» Zusammen mit weiteren Kunstexperten sei man zum Schluss gekommen, dass die Summe realistisch ist. «Vorausgesetzt, es herrscht keine Krise und man verhält sich taktisch geschickt auf dem Kunstmarkt», so Stegmann. «Das Schönste wäre, wenn ein Mäzen ein Bild kaufen und es der Langmatt als Dauerleihgabe zur Verfügung stellen würde.»  

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