Das Problem besteht schweizweit seit einigen Jahren. Wohin mit dem Aushubmaterial, das auf den Baustellen anfällt? Jahrzehntelang hatte der Kreislauf funktioniert: In den Gruben wurde jener Kies abgebaut, der auf Baustellen gebraucht wurde; der Aushub wiederum wurde in den Kiesgruben deponiert. Weil heute aber weniger Kies abgebaut wird als früher und immer tiefer in den Boden gegraben wird, mangelt es an Deponie-Plätzen. Kaarina Schenk, Chefin der Sektion Bodennutzung beim Bundesamt für Umwelt (Bafu), sagte bereits 2010 gegenüber der NZZ: «Es steht ausser Frage, dass wir ein Problem mit überschüssigem Bauaushub haben. In Zukunft wird dieser öfter für Terrainveränderungen und Geländeaufschüttungen gebraucht werden müssen.»

Zu einer Terrainveränderung könnte es nun im Gebiet Steindler in Würenlos kommen: Hier soll eine neue Deponie zur Lagerung von sauberem Aushubmaterial entstehen. Weil sich die Senke in unmittelbarer Nähe zur Kantonsgrenze befindet, stossen die Deponiepläne in der Zürcher Nachbargemeinde Otelfingen für Widerstand. Otelfingens Gemeindepäsidentin Barbara Schaffner (GLP) sagt: «Die geplante Deponie gibt in der Bevölkerung viel zu reden. Sie würde wenige Hundert Meter von Otelfinger Siedlungsgebiet entfernt zu stehen kommen, während Würenloser Wohnhäuser weit weg sind. Wir befürchten Mehrverkehr, Lärm und Staub.»

Ebenso störend sei die bleibende Veränderung des Landschaftsbildes. «Wo momentan eine Senke ist, wird künftig ein kleiner Hügel zu sehen sein. Wir fühlen uns von den Plänen überrumpelt und werden uns wehren. Wir haben die Möglichkeit, an der Vernehmlassung unsere Meinung zu äussern, und prüfen weitere Optionen.» Man sei im Gespräch mit allen Beteiligten aus dem Kanton Aargau, also dem Würenloser Gemeinderat, Baden Regio sowie der voraussichtlichen Deponiebetreiberin.

Auf Aargauer Seite sind diverse Beteiligte in die Pläne involviert. Als Auskunftsperson fungiert Roland Kuster, Präsident des Regionalplanungsverbandes Baden Regio. «Die Abfallplanung ist in der Schweiz Aufgabe der Kantone. Der Kanton Aargau delegiert die Planung von Aushubdeponien an die jeweiligen Regionalplanungsverbände.» Das Evaluationsverfahren sei in der Region Baden durch eine Arbeitsgruppe durchgeführt worden, die aus Vertretern des Kantons, der künftigen Deponie-Betreiberin Dereba, Planern sowie Baden Regio besteht.

Die Deponie am Standort Würenlos stehe bereits seit einigen Jahren zur Debatte, sagt Roland Kuster. Die relevanten kantonalen Fachstellen seien im Jahr 2014 einbezogen worden, 2015 dann der Gemeinderat Würenlos und wiederum ein Jahr später die Grundeigentümer. Auf die Frage, wie weit das Projekt fortgeschritten sei beziehungsweise wann die Deponie eröffnet werden soll, antwortet er: «Das Deponievorhaben Steindler befindet sich auf Stufe Richtplan-Antrag.» Der nächste Schritt werde das öffentliche Mitwirkungsverfahren sein. «Ein Betriebsstart kann frühestens in rund drei Jahren erwartet werden.»

Angesprochen auf die Kritik aus Otelfingen, sagt Kuster: «Wir haben Verständnis für den Widerstand.» Die Arbeitsgruppe hat deshalb auch explizit anlässlich einer öffentlichen Orientierung in der Gemeinde Otelfingen über das Deponievorhaben Steindler informiert und bestehende Sorgen der Bevölkerung aufgenommen. Kuster verspricht: «Alle formulierten Befürchtungen werden von der Arbeitsgruppe in die weiteren Überlegungen einbezogen.»

«Wir wollen keinen Krieg»

Ob sich die Nachbarn im Kanton Zürich dadurch beschwichtigen lassen? Gegen die geplante Deponie wehren sich unter anderem auch zwei Otelfinger Landwirte: Martin Schlatter sowie alt Nationalrat Ernst Schibli (SVP). Sie befürchten weit über 20 000 Lastwagenbewegungen pro Jahr und haben zuhanden des Gemeinderats die Initiative «Nein zur geplanten Aushubdeponie» eingereicht.

Gegenüber dem «Zürcher Unterländer» äusserte sich auch der Würenloser Gemeindeammann Anton Möckel: Gespräche mit den beiden Initianten hätten stattgefunden. «Wir wollen keinen Krieg zwischen Otelfingen und Würenlos», so Möckel. «Doch auch Würenlos wächst stark, und das Aushubmaterial bei Neubauten muss irgendwo deponiert werden.» Der Gemeindeammann fügte an, man könnte das Material zwar beispielsweise nach Deutschland fahren, doch das wäre ökologisch nicht sinnvoll,