Wettingen

Wird der neue Kurator die Lücke füllen?

Rudolf Velhagen (r.) mit Nachfolger Marc Philip Seidel und Antoinette Eckert, Präsidentin der Eduard-Spörri-Stiftung.

Rudolf Velhagen (r.) mit Nachfolger Marc Philip Seidel und Antoinette Eckert, Präsidentin der Eduard-Spörri-Stiftung.

Kurator Rudolf Velhagen verabschiedet sich nach zehn Jahren vom Eduard Spörri Museum – sein Nachfolger ist Marc Philip Seidel.

Es weht in jeder Beziehung ein frischer Wind im Museum Eduard Spörri in Wettingen. Wer die Räumlichkeiten kennt, wird staunen. Eine der einst weissen Seitenwände präsentiert sich neu in Weinrot. Dort hängen jetzt Spörris Bronzereliefs. Durch den Einfall des Seitenlichts gewinnen sie an Ausdruckstärke. Kurator Rudolf Velhagen und sein kuratorischer Begleiter Hubert Spörri (Grosscousin von Eduard Spörri) haben die Ausstellungsregale und -tische umplatziert sowie Porträts und Skulpturen neu arrangiert. Alles wirkt luftiger, und die einzelnen Exponate kommen besser zur Geltung als bisher.  

Der Fokus der neuen Ausstellung «Im Fluss», die heute Abend Vernissage feiert, liegt auf den eigenen Sammlungsbeständen des Museums. Sie würdigt einerseits das Schaffen Spörris und zeigt im Untergeschoss die persönliche, über Jahre zusammengetragene Kunstsammlung des Bildhauers sowie Fotos aus dem privaten Familienalbum. Besonders eindrücklich ist eine Vitrine mit kostbaren Figurinen aus der ganzen Welt. Eduard Spörri war nicht nur ein eingefleischter Wettinger, sondern auch ein Kosmopolit, der auf Reisen ständig seinen Horizont erweiterte.  

Kunst muss erlebbar sein

Die Ausstellung «Im Fluss» ist sozusagen das «Abschiedsgeschenk» von Kurator Ruedi Velhagen. Nach zehn Jahren verlässt er das Eduard Spörri Museum. Im Guten, wie sowohl Velhagen selber als auch Antoinette Eckert, Präsidentin der Eduard-Spörri-Stiftung, betonen. Grund ist seine neue 100-Prozent-Stelle als Chefkurator Sammlung und Ausstellungen des Museums Aargau, das unter anderem die Schlösser Lenzburg, Habsburg, Hallwyl und Wildegg und das Kloster Königsfelden umfasst.

An der Vernissage übergibt Velhagen den Stab an Marc Philip Seidel. Der gebürtige Davoser lebt heute in Zürich, studierte Kunstgeschichte und Publizistik, ist Sammlungsleiter im Museum Burghalde in Lenzburg und führt eine eigene Marketing- und Kommunikationsagentur. Velhagen selber hat ihn als Nachfolger vorgeschlagen. Seidel versteht sich als Vermittler. «Kunst muss erlebbar sein und auch Leute einbinden, die sonst keinen Zugang dazu haben», sagt er. Sein Ziel ist es, das Museum noch mehr in der Bevölkerung einzubinden und die überregionale Strahlkraft zu fördern. Konkrete Pläne bestehen bereits, aber er will noch nichts dazu verraten.

Ausstellungsbetriebstartete2009

Die gute Ausgangslage, auf der Seidel nun aufbauen kann, ist Velhagen zu verdanken. Dieser fing sozusagen bei null an und startete 2009 mit dem Ausstellungsbetrieb. Unter dem Motto «Eduard Spörri trifft…» stellte Velhagen die bestehenden Sammlungsgegenstände in Dialog mit Künstlerfreunden Spörris und Kunstschaffenden der Gegenwart, wie Ruth Maria Obrist, Paul Takács und Nora Dreissigacker. «Mir war diese sparten- und generationenübergreifende Öffnung wichtig», erzählt Velhagen. Langweilig wurde es um den ideenreichen Kurator herum nie. «Er war ein Glücksfall und hinterlässt eine grosse Lücke», sagt Antoinette Eckert. Sie ist zuversichtlich, dass Seidel diese Lücke füllen wird. Die Zukunft wird es weisen.

«Im Fluss» Vernissage, Verabschiedung Rudolf Velhagen und Vorstellung Marc Philip Seidel, heute, 19 Uhr, Eduard Spörri Museum, Wettingen. Ausstellungsdauer bis 1. Dezember.

Meistgesehen

Artboard 1