An der Einwohnerratssitzung in Wettingen von Donnerstagabend standen der Kredit über 10,9 Millionen Franken für die Sanierung und Aufwertung der unteren Landstrasse sowie zwei Motionen für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Zentrum der Aufmerksamkeit.

Die von der SVP Wettingen im Vorfeld angedrohte mögliche Rückweisung des Kreditantrags fand nicht statt. Am Ende wurde er mit 36 zu 2 Stimmen, bei 4 Enthaltungen, angenommen. Nach dem Ja des Einwohnerrats darf am 19. Mai noch das Volk über den Kredit befinden.

Für tiefergehende Diskussionen sorgten die von Einwohnerrätin Yvonne Hiller (GLP) eingereichten Motionen für ein «bedarfsgerechtes Angebot an Kinderbetreuung» sowie für eine «Verbesserung der Anmeldeprozedur für die Kinderbetreuung». Erstere war im Vorfeld vom Gemeinderat zur Ablehnung, Letztere zur Umwandlung in ein Postulat empfohlen worden. Er hält deren Stossrichtung für berechtigt (die «SaW» berichtete). Die Motion für ein bedarfsgerechtes Angebot zog Hiller an der Einwohnerratssitzung zurück. Doch: «Das ist nur ein formeller Rückzug, kein inhaltlicher.» Die GLP habe versucht, in der Motion möglichst viele Punkte hineinzubringen, weshalb diese «zu umfassend wurde», sagte sie weiter. Sie verbarg ihre Enttäuschung über die Ablehnung nicht: «Wir müssen dranbleiben und am gleichen Strang ziehen. Es geht nicht um ein Politikum, es geht um Kinder.»

Ins schlechte Licht gerückt

Zur Motion für eine verbesserte Anmeldeprozedur äusserte sich Einwohnerrat Christian Wassmer, der im Namen der CVP-Fraktion einen Antrag auf Ablehnung stellte: «Ich bedaure sehr, dass es so weit kommen muss, weil das auch für die CVP ein sehr wichtiges Thema ist.»

Er brach eine Lanze für das «bereits bestehende tolle Angebot» bei der Kinderbetreuung in Wettingen, was die Motionärin ausser Acht gelassen habe. Er warf Hiller vor, sie sei mit Falschaussagen auf Stimmenfang gegangen. Er führte in seinem Votum die Punkte auf, die seiner Meinung nach eine Richtigstellung verlangten, weil sie in der Motion falsch dargestellt worden seien.

Auch die Fraktion FDP betonte, dass sich die Gemeinde in den letzten Jahren stark für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie eingesetzt habe. Deshalb sei in der Fraktion Unmut aufgekommen, wenn mit solchen Motionen der Standort Wettingen als Wohngemeinde ins schlechte Licht gerückt werde, indem die Thematik medienwirksam in Szene gesetzt werde. Das entspreche nicht der Auffassung der FDP nach einer nachhaltigen Politik.

Nach der längeren Diskussion zog Christian Wassmer den Ablehnungsantrag der Motion doch wieder zurück. Der für das Dossier verantwortliche Gemeinderat Sandro Sozzi (CVP) klärte danach noch einige offene Punkte und bedankte sich für die angeregte Diskussion: «Uns ist es ein grosses Anliegen, dass wir in Wettingen gute Platzstrukturen haben. Wir sind der Meinung, wir sind familienfreundlich und bieten den Kindern ein gutes Umfeld.» Somit wurde das Postulat von Yvonne Hiller stillschweigend überwiesen.