Sie sind jung und haben schon den Blues: Bei ihrer CD-Taufe im Rahmen des Bluesfestivals Baden am Dienstagabend bewiesen die diesjährigen «BluesKidz», wie viel Leidenschaft sie für die Musik mitbringen. Ihre neuen, selbst geschriebenen Songs tragen die Jugendlichen nun in die Welt hinaus – nebst Auftritten am Wochenende beim Blues Festival folgen weitere Konzerte. Seit Oktober haben sie im «Blues4Kidz»-Workshop darauf hingearbeitet. Für Projektleiter Peter Meister, von allen nur «Jo» genannt, ist der erste Auftritt in neuer Formation jedes Mal speziell: «Die meisten Bandmitglieder sind mehrere Jahre dabei, andere kommen neu hinzu. Beim ersten Auftritt bin ich dann meist nervöser als sie selbst. Mich überrascht jedes Jahr aufs Neue, mit welcher Leichtigkeit die Jugendlichen auf der Bühne stehen, von Aufregung und Nervosität keine Spur. Diese Leichtigkeit vermisse ich bei Erwachsenen.»

In diesem Jahr bestehen die «BluesKidz» grösstenteils aus Veteranen, sechs von zehn Bandmitgliedern haben bereits im Vorjahr am Workshop teilgenommen. Meister: «Dass sie mehrere Jahre Teil der ‹BluesKidz› bleiben, gibt ihnen ein noch besseres Gefühl dafür, wie es ist, in einer richtigen Band zu spielen. Das ist schliesslich Sinn und Zweck des Workshops.» Immer im September findet ein Casting für neue Mitglieder statt. «Die vier Bewerber im vergangenen Jahr waren einfach so gut, dass wir alle aufgenommen haben», erzählt der 67-Jährige. So sei die bisher grösste «BluesKidz»-Formation seit Lancierung des Projekts vor zehn Jahren entstanden. Meister berichtet, dass die «eingesessenen» Bandmitglieder die «Neuankömmlinge» gut in die Gruppe integrieren. Dadurch sei der Workshop in diesem Jahr sehr reibungslos abgelaufen. Die «Kidz» hätten sehr viel Eigeninitiative und Kreativität gezeigt.

Der Workshop soll nicht als Musikunterricht verstanden werden, Instrumente und Gesangsproben sind nicht Teil des Programms. Die Jugendlichen sollen stattdessen lernen, wie es ist, in einer Band zu sein, Songs zu schreiben und aufzunehmen sowie auf der Bühne zu stehen. «Wir zeigen ihnen, wie man Songs in einer Band entwickelt, anstatt dass man im stillen Kämmerchen zu Hause übt und irgendwann die Lust an der Musik verliert», sagt Jo Meister.

Jugend mit viel Eigeninitiative

Am ersten Abend des Workshops bringt jeder Teilnehmer eine DIN-A4-Seite mit Stichworten, Sätzen oder Geschichten mit. Gemeinsam entwickeln die Jugendlichen aus diesen Ideen Songtexte. Ähnlich gehen die «BluesKidz» beim Entwickeln der passenden Melodien vor: Sie jammen zusammen, bis sie Passagen entdecken, die zu den Songs passen könnten. Sigi Nikitscher als musikalischer Leiter unterstützt sie dabei. Er ist bei den Proben anwesend, gibt Tipps und hilft bei gewissen Arrangements. Derweil ist Meister zuständig für den «Büro-Kram»: Projektadministration, Konzerte und Technik organisieren. Obwohl er sich vor einigen Jahren als Gitarrenbauer selbstständig gemacht hat, fehlt ihm – so sagt er selbst – das Talent zum Musizieren: «Vielleicht hätte ich mir in meiner Jugend gewünscht, dass es so ein Projekt wie die ‹BluesKidz› gegeben hätte.»