Baden

Wie die Kultur der Krise trotzt: Museen bringen Monet und Cézanne aufs Handy

Die Badener Museen setzen ganz auf digitale Kultur: In der Coronakrise laden sie zu virtuellen Rundgängen ein und regen zum Nachdenken an.

Die Coronakrise trifft auch die Kulturinstitutionen hart. Museen, Galerien und Theater bleiben geschlossen und werden zu Geisterhäusern. Die Badener Museen gehen unterschiedlich mit der Krise um – aber sie lassen sich nicht kleinkriegen. Der Kunstraum Baden ist mit seiner laufenden Ausstellung ungewollt aktuell: «Touch Me I’m Sick» zeigt die Werke von zehn Künstlerinnen und Künstlern, die sich mit dem Thema Krankheit auseinandersetzen. Das Konzept stand schon lange vor der Coronakrise fest.

«Wir haben den Kunstraum natürlich geschlossen», sagt die Leiterin Claudia Spinelli. «Die Ausstellung wird aber verlängert und wir werden sie zeigen, sobald wir wieder öffnen können.» Für die neue Ausstellung mit Werken der derzeitigen Badener Stadtfotografin Nici Jost hätte Anfang Mai die Vernissage stattgefunden. Sie wurde nun in den Januar 2021 verschoben. «So sind wir am flexibelsten», sagt Spinelli. Ab nächster Woche soll es einen virtuellen Rundgang durch die laufende Ausstellung geben, der über Social Media und die Website des Kunstraums zugänglich ist.

Trouvaillen auf Facebook und Youtube

Auch das Historische Museum Baden lädt zum virtuellen Museumsbesuch ein. «Die Krise ist eine grosse Herausforderung. Aber wir möchten unsere Ausstellungen dem Publikum auch in Corona-Zeiten zugänglich machen», sagt Museumsdirektorin Carol Nater Cartier. Das Museum zeigt auf Facebook,
Instagram und Youtube Trouvaillen aus der Sammlung (unter dem Stichwort «Sammlung@home») sowie jede Woche neue Einblicke in die sehr sehenswerte, laufende Sonderausstellung «Badekult. Von der Kur zum Lifestyle».

Digitaler Rundgang durch das historische Museum Baden:

Das Schweizer Kindermuseum musste wie die anderen Häuser sämtliche Veranstaltungen und Führungen absagen. Hier nutzt man die Zeit, um Unterhaltsarbeiten am Haus durchzuführen. Zudem plant das Museumsteam die neue Sonderausstellung. «Die nächsten Monate werden zeigen, ob wir die Ausstellung im Herbst eröffnen können», sagt Museumsleiter Daniel Kaysel. Das Kindermuseum werde auch in den virtuellen Raum gehen und starte online mit einem Zeichen- und Filmwettbewerb.

Nur die Vögel fliegen noch im Park

Besonders getroffen von der Krise ist das Museum Langmatt. «Die Langmatt wird 30 Jahre alt, ist in den letzten Jahren aufgeblüht wie nie und dann das: Vernissage abgesagt, Jubiläumsausstellungen geschlossen», sagt Museumsdirektor Markus Stegmann. «Nur die Vögel fliegen noch im Park.»

Die Situation sei schmerzlich und surreal, aber selbstverständlich gehe die Gesundheit der Besucher und der Mitarbeitenden vor. Doch die Langmatt lasse sich vom Virus ihr Jubiläum nicht nehmen und setze zu einer grossen Programmänderung an: «Das Haus bleibt bis 30. Juni geschlossen und die Jubiläumsausstellungen Herzkammer, Sandra Senn und Magisches Venedig werden bis zum 6. Dezember verlängert.»

Berühmte Impressionisten auf Instagram

Am 29. August soll in der Langmatt ein grosses Jubiläumsfest stattfinden. Die geplante Ausstellung zu Rose Wylie werde ins nächste Jahr verschoben. Und auch die Langmatt setzt ganz auf den virtuellen Museumsrundgang: Unter dem Titel «Digitale Sammlung» gibt es auf der Website des Museums und auf Instagram wöchentlich eines der berühmten impressionistischen Gemälde mit einem Text von Markus Stegmann zu entdecken. Mit «Mystery Langmatt» gibt das Museum zudem Rätsel auf, die in dieser ernsten Zeit zum Schmunzeln anregen sollen.

Das Langmatt zeigt Camille Pissarro auf Instagram:

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Ein schönes Beispiel um inspiriert aus dem Fenster zu schauen: Von Februar bis April 1987 hat sich Camille Pissarro in einem der Zimmer des Grand Hotel de Russie in Paris eingerichtet, um nicht weniger als 14 Varianten dieser Ansicht zu malen. Einige davon hängen heute in den grossen Museen der Welt, beispielsweise im Metropolitan Museum of Art, New York. Aber Pissarro war weniger an der Akustik der rasant sich entwickelnden Metropole interessiert – kurz vor dem Einsetzen der Motorisierung – als vielmehr an den permanent wechselnden Lichtverhältnissen. Entsprechend den Tages- und Jahreszeiten, den unterschiedlichen Verläufen von Sonne und Wolken stellt sich die Ansicht des Boulevards in den Bildern trotz weitgehend gleicher Komposition recht verschieden dar. Das Spektrum reicht von tristen, winterlichen Szenen mit kahlem Gezweig in vorwiegend grauer Palette bis hin zu frühlingshaften und fast sommerlichen Darstellungen mit einer Fülle leuchtender Farben. . Was würden wir wohl hören vom Getrappel der Pferde und dem Geratter der Kutschen unten auf dem Pflaster des weitläufigen Boulevards Montmartre in Paris, würden wir uns neben Camille Pissarro in einem der Zimmer des Grand Hotel de Russie befinden, bei geöffnetem Fenster? (...) Weiterlesen in unserer aktuellen Publikation: „Herzkammer – 30 Jahre Museum Langmatt“ oder auf www.langmatt.ch/sammlung ~ Bild: Camille Pissarro, Boulevard Montmartre, Frühling, 1897 ~ #museumlangmatt #baden #badenist #ilovebaden #switzerland #museumschweiz #swissmuseum #art #painting #herzkammer #pissarro #impressionismus

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Nicht zuletzt im Hinblick auf die Abstimmung im Einwohnerrat von Anfang Juni wollte die Langmatt die Bevölkerung im Jubiläumsjahr einladen, das Haus in all seinen Facetten zu entdecken. «Das braucht Zeit, Luft und Raum», sagt Stegmann. Der Badener Einwohnerrat entscheidet im Juni über die Strategie zur Weiterführung des Museums.

Die Villa an der Römerstrasse, die 1987 samt der kostbaren Sammlung der Familie Brown der Stadt vermacht wurde, muss dringend saniert werden und sollte ein zukunftsgerichtetes Betriebskonzept bekommen. Die Zeit, die Langmatt und die Jubiläumsausstellungen zu entdecken, soll das Publikum nun nach dem Ende der Krise bis zum Ende des Ausstellungsjahres Anfang Dezember bekommen.  

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