Therapie

Wettingerin coacht Sorgen-Familien

Christine Meier Rey setzt privat und beim Familiencoaching auf die Natur.

Christine Meier Rey setzt privat und beim Familiencoaching auf die Natur.

Die Kinderanwältin und Dozentin Christine Meier Rey will Familiencoaching salonfähig machen und sucht Studienteilnehmer.

Stress, Geldsorgen oder eine Scheidung bringen das Familienleben arg durcheinander. Die Sorgen und Nöte der Eltern schlagen sich auch auf die Kinder nieder. Nicht selten suchen sich Betroffene Hilfe bei Paar- und Familienberatern oder schicken das Kind zu einem Kinderpsychologen.

Während ihrer Arbeit als Kinderanwältin, Vermittlerin zwischen Behörden und Familien und Dozentin für Heilpädagogik und Pädagogik hat die Wettingerin Christine Meier Rey immer wieder beobachtet, dass zwar einzelne Familienmitglieder unterstützt werden, «dem System Familie als Ganzes wird aber zu wenig Beachtung geschenkt und Erfolge bei einzelnen verpuffen schnell wieder, weil die übrigen Familienmitglieder nicht an der Therapie teilnehmen».

Meier Rey will mit einem neuen Therapieansatz diesen Familien helfen: «Zielstrebiges Familiencoaching» heisst das Konzept. Dabei arbeitet sie mit der Familie als Ganzes.

Ziel sei, dass die Familie Erfahrungen sammelt, die Sicherheit und Vertrauen schaffen. Das Projekt steckt in der Pilotphase. «Momentan suche ich nach rund zehn Familien für eine Studie, mit der ich die Wirksamkeit meines Ansatzes prüfe und dokumentiere.»

Bevor der Kanton finanzielle Mittel für betroffene Familien bewilligt, will dieser nämlich zuerst wissen, ob und wie sich das Familiencoaching bewährt. Meier Rey ist überzeugt: «In der heutigen Schnelllebigkeit bringt es einem Paar nichts, in einem Zimmerchen Probleme zu analysieren, die drei Jahre zurückliegen. Sie brauchen konkrete Lösungen für ihre momentane Situation.»

Deshalb orientiere sich das Coaching an aktuellen Problemen der Familie und soll nicht länger als ein halbes Jahr dauern.

Nach einem ersten Abklärungsgespräch trifft sie sich mit der Familie bis zu dreimal. Aber nicht im stillen Kämmerchen, sondern, wenn immer das Wetter erlaubt, draussen im Wald oder auf dem Spielplatz.

Die «Workshops» dauern rund zwei Stunden. «Dabei beobachte ich, wie Mutter und Vater miteinander umgehen, wie die Eltern mit ihren Kindern interagieren, wo es hapert und wo die Stärken der Familienmitglieder liegen», erklärt Meier Rey.

Die Beobachtung sei zentral, denn oft wüssten die Familienmitlieder wenig darüber, wie sie miteinander umgehen. «Das Coaching funktioniert nicht nach der Methode wie bei der ‹Super-Nanny›», betont Meier Rey. Von der Arbeitsweise dieser Fernseh-Nanny halte sie schlicht gar nichts.

Nach der Workshop-Phase übt die Familie die abgemachten Regeln während mehrerer Wochen im Alltag ein. Um gestresste Eltern zu entlasten, zieht Meier Rey wenn möglich Grosseltern oder sehr enge Freunde mit ein.

«Die Familien entsprechen längst nicht mehr dem klassischen Bild. Eine alleinerziehende Mutter muss unter Umständen auf die Hilfe ihrer besten Freundin zurückgreifen, weil ihre Eltern und Verwandten an einem anderen Ort leben», sagt Meier Rey.

Dabei kann die zweifache Mutter auch auf eigene Erfahrungen zurückgreifen. Sie war selbst während einigen Jahren alleinerziehende Mutter. Weil sie immer als Psychologin und Dozentin arbeitete, baute sie 1994 die Badener Kita Kindertreff (heute Kolibri) und 1997 die Wettinger Kita Kinderschlössli auf.

Seit 2007 führt sie als Kinderanwältin in Zürich eine eigene Praxis. Vergangenen Herbst eröffnete Meier Rey eine weitere Praxis in ihrem Haus an der Schartenstrasse in Wettingen.

Infoveranstaltung: Lunch&Learn, 29. 4., 12.15 Uhr, Badstrasse 1, Ennetbaden.

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