Verkehrskonzept

Wettingen ist für gewisse Punkte der Oase, will aber keine weitere Brücke über die Limmat

Hochbrücke soll für alle Verkehrsteilnehmer offen bleiben.

Hochbrücke soll für alle Verkehrsteilnehmer offen bleiben.

Die Gemeinde Wettingen begrüsst den Martinsbergtunnel und die Weiterführung der Limmattalbahn. Eine neue Brücke hingegen ist unerwünscht.

Die Limmattalbahn und das Regionale Verkehrskonzept Ostaargau (Oase) bewegen die Region Baden. Noch bis 17. Januar ist beim Kanton eine öffentliche Anhörung für den Richtplaneintrag in Gang. Auch Wettingen hat sich daran beteiligt und eine Stellungnahme eingereicht.

Der Gemeinderat sieht die beiden Geschäfte untrennbar miteinander verknüpft: «Die Dossiers sind aufeinander abzustimmen und schliesslich in einer einzigen Richtplanvorlage zu behandeln und zusammenzuführen», fordert er in der Stellungnahme.

Grundsätzlich zeigt sich der Gemeinderat von der Limmattalbahn und auch vom regionalen Verkehrskonzept überzeugt, doch gegen eine der vorgeschlagenen Massnahmen des Kantons wehrt er sich nun offiziell – gegen den Bau einer zweiten Brücke.

So will der Kanton die Limmattalbahn dereinst über die Hochbrücke führen und diese deshalb für den motorisierten Individualverkehr, sprich für Autos und Motorräder, sperren. Stattdessen soll eine neue Brücke zwischen Baden und Wettingen gebaut werden.

Die Limmatbrücke würde von der Schwimmbadstrasse, ungefähr auf der Höhe des Lidl, über die Limmat nach Baden auf die Neuenhoferstrasse, in etwa auf der Höhe des Friedhofs Liebenfels, führen. «Der Kanton will die schon fast seit Jahrhunderten wichtigste Verbindungsstelle zwischen Wettingen und Baden zumachen. Das wollen wir nicht», sagte Wettingens Gemeindeammann Roland Kuster (CVP) an der Medienorientierung vom Montag.

Die Hochbrücke solle weiterhin für alle Verkehrsteilnehmer offenbleiben. Eine zusätzliche Brücke im sogenannten Wettinger Loch könne die Gemeinde nicht befürworten: «Wir sind strikt gegen diese Lösung – in Übereinstimmung mit dem Stadtrat Baden.»

An der Realität vorbeigedacht?

«Man stelle sich vor, wie der Schleichverkehr durch die 30er-Zone im Altenburgquartier in Richtung Schwimmbad fahren würde, um dort über eine Brücke zu fahren – das ist völlig an der Realität vorbeigedacht», so Kuster.

Ausserdem wäre damit der notwendige Umsteigeeffekt auf ÖV, Fuss- und Veloverkehr dahin, wenn für den motorisierten Individualverkehr extra eine Brücke hingestellt würde. Und: «Es braucht nicht alle Kilometer eine Brücke über die Limmat.»

Auch der Übergang auf die Autobahn A1 spiele eine Rolle, sagte Kuster: «Ein ganz zentraler Punkt ist die Auffahrt auf die A1 bei Neuenhof/Wettingen Zentrum. Wenn der Auffahrtsknoten östlich vom Baregg den Verkehr aus dem Kerngebiet Wettingen nicht genügend aufnehmen kann, dann gehören wir – neben Neuenhof – zu den Gemeinden, die sich mit dem Umgehungsverkehr herumschlagen müssen.»

Als Basis müsse dieser Knotenpunkt den Verkehr aufnehmen können. Dies sei aus Sicht der Gemeinde bislang aber zu wenig berücksichtigt worden und zwingend sicherzustellen.

Wettingen steht hinter dem Tunnel

Was die Gemeinde hingegen begrüsst, ist der Martinsbergtunnel – zur Entlastung Badens. «Das Kernelement», wie es Kuster nannte. Auf der Höhe des Nordportals, im Anschluss an die Siggenthaler Brücke, soll ein Tunnel in den Badener Martinsberg gebohrt werden.

Er würde unter dem Martinsberg und dem Chrüzliberg hindurchführen, das Tunnelende wäre auf der Neuenhoferstrasse vorgesehen, in der Nähe des Friedhofs Liebenfels. «Das trägt Wettingen mit, aber nicht zu Lasten eines vollständig neuen Verkehrsregimes», erklärte Kuster.

Gut kommt auch der Vorschlag des Kantons an, die Limmattalbahn von Neuenhof mit einer Limmatquerung parallel zur Autobahnbrücke etwas östlich in Richtung Tägerhard zu führen, dann durchs Wettinger Zentrum und über die Hochbrücke zum Bahnhof Baden: «Erstens ist das neue Tägi ein wichtiger Hotspot mit überregionaler Ausstrahlung, man muss da von der S- auf die Limmattalbahn umsteigen können. Zweitens befindet sich dort das Gebiet Geisswies, ein im Richtplan festgehaltener Wohnentwicklungsschwerpunkt», sagte Kuster.

«Wir müssen 20 Jahre vorausschauen und auch da an Lösungen denken, wie das Gebiet erschlossen werden kann.» Grundsätzlich verstehe Wettingen die Limmattalbahn als Verbindung zwischen Wohn- und Arbeitsorten, und nicht als schnelleren Weg nach Zürich: «Das Tram soll die Arbeitsplätze im Limmattal besser erschliessen», so Kuster.

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