Wahlsonntag

Wer holt im Bezirk Baden die beiden BDP-Sitze? – Neun Fragen vor der Wahl

Am Sonntag finden nebst den Regierungsrats- auch die Grossratswahlen statt. Der Bezirk Baden hat mit 30 Sitzen mit grossem Abstand die meisten Abgeordneten in Aarau. 215 Kandidatinnen und Kandidaten treten im Bezirk an. Klar ist: Es wird zu Verschiebungen kommen.

1. Wer holt die zwei Sitze der BDP?

Für die BDP sassen Michael Notter, Landwirt aus Niederrohrdorf, und Fabian Hauser (Würenlos) im Grossen Rat. Notter ist seit April CVP-Mitglied und tritt für die Liste «CVP Die Mitte» erneut an – und zwar auf Platz 5, hinter den vier bisherigen CVP-Grossräten, aber vor allen weiteren Kandidierenden. Damit hat Notter gute Chancen auf eine Wiederwahl. Fabian Hauser dagegen tritt nicht wieder an. Kann die CVP vom Rückzug der BDP profitieren

2. Kann die CVP Platz 2 zurückerobern?

Grossratspräsidentin Edith Saner.

Grossratspräsidentin Edith Saner.

Die CVP fiel vor vier Jahren hinter die SP zurück. Die drittstärkste Partei im ursprünglich katholisch geprägten Bezirk Baden hat im Grossen Rat mit der Kantonalparteipräsidentin Marianne Binder (Baden) ein starkes Zugpferd an den Nationalrat verloren. Neben Michael Notter treten für die CVP auf den Spitzenrängen die amtierende Grossratspräsidentin Edith Saner (Birmenstorf), die ehemalige Neuenhofer Frau Gemeindeammann Susanne Voser, der Ennetbadener Winzer Michael Wetzel und der Wettinger Gemeindeammann Roland Kuster an. Es stelllt sich die Frage: Kann die CVP von den BDP-Kräften profitieren und Platz 2 zurückerobern? 

3. Wer macht bei den Grünen das Rennen?

Er hat gute Chancen, für die Grünen einen Sitz zu holen: Jonas Fricker.

Er hat gute Chancen, für die Grünen einen Sitz zu holen: Jonas Fricker.

Die Grünen haben mit Vera Becker (Untersiggenthal) eine 21-jährige Klimaaktivistin auf Listenplatz 1 gesetzt. Dies sei als Zeichen der Wertschätzung für das Engagement der Klimajugend und für den Klimaschutz zu verstehen, hiess es. Danach folgen die bisherige Grossrätin und Badener Stadträtin Ruth Müri sowie Neo-Grossrat Christian Keller (Obersiggenthaler Gemeinderat und Geschäftsführer des VCS Aargau) aufgrund ihrer letzten Wahlresultate. Auf Listenplatz 4 folgt ein überaus bekannter Kandidat: Jonas Fricker (43, Baden). Der alt Nationalrat hat gute Chancen. Damit stellt sich die Frage, ob die Grünen zulegen – und falls nicht, wer von den vordersten vier Kandidierenden das Nachsehen haben wird.

4. Wie viele neue SVP-Politiker schaffen die Wahl?

Bei der wählerstärksten Partei im Bezirk mit ihren acht Sitzen stehen sieben Bisherige an der Spitze der Liste. Angeführt wird sie von der Wettinger Einwohnerrätin und Ökonomin Michaela Huser, gefolgt vom Killwangener Gemeindeammann Werner Scherer und dem Birmenstorfer Geschäftsführer der Husmatt-Apotheke in Dättwil, Daniel Aebi. Der erste Neue auf der Liste ist der Wettinger Bauunternehmer und Ortsparteipräsident Jürg Baumann. Schafft er auch die Wahl? Oder muss die SVP etwa Federn lassen? Immerhin gab es Kritik an den Aargauer Parteipräsidenten Andreas Glarner. Doch hat dies die Wählerinnen und Wähler beeindruckt?

SVP, Listenplatz 1 – Michaela Huser

SVP, Listenplatz 1 – Michaela Huser

Interessant auch: Huser machte vor vier Jahren das siebtbeste Resultat in ihrer Partei, hinter Stefanie Heimgartner, Martin Keller, Marlène Koller, Rolf Ryser, Serge Demuth und Daniel Frautschi. Heimgartner ist mittlerweile Nationalrätin, die anderen sind bereits zurückgetreten oder treten nicht mehr an. Von den Bisherigen schafften einzig Huser und Scherer vor vier Jahren die Wahl. 

5. Verteidigt die SP nach dem Wahlsieg Platz 2?

Die SP war die grosse Gewinnerin im Bezirk Baden vor vier Jahren: Sie legt 3,7 Prozent zu und wurde mit 19,4 Prozent neu die zweitstärkste Kraft. Sie überflügelte die CVP, die 1 Prozent verlor und auf 16,6 Prozent kam, gefolgt von der FDP mit 15,6 Prozent (-0,2), die ebenfalls hinter die SP zurückfiel. 

Abgesagt: Bildungspolitikerin Simona Brizzi.

Abgesagt: Bildungspolitikerin Simona Brizzi.

Die SP holte vor vier Jahren einen zusätzlichen sechsten Sitz. Sie tritt mit einem etablierten Frauentrio an: Simona Brizzi (Ennetbaden, sie steht für den Nationalrat auf dem ersten Ersatzplatz), Lea Schmidmeister (Wettingen) sowie die Badener Stadträtin Regula Dell’Anno-Doppler. Gute Chancen dürften etwa auch die Badener Stadtparteipräsidentin Selena Rhinisperger (Platz 5 nach Alain Burger, Wettingen) oder die Obersiggenthaler Einwohnerrätin und Juso-Vorkämpferin Mia Jenni haben.

6. Schafft Johannes Jenny nach der Abwahl den Sprung zurück ins Parlament?

Die Liste der FDP führen vier Männer an, nachdem Antoinette Eckert (Wettingen) nach einer langen Politikkarriere nicht mehr für den Grossen Rat antritt: Auf Platz 1 steht der Turgemer Gemeindeammann und Unternehmer Adrian Schoop, gefolgt vom Mellinger Gemeindeammann Bruno Gretener, dem Bezirksparteipräsidenten und Gemeinderat Norbert Stichert (Untersiggenthal) und Pro-Natura-Geschäftsführer Johannes Jenny (Baden).

Johannes Jenny.

Johannes Jenny.

Sowohl Jenny als auch Stichert verpassten 2016 die Wiederwahl, Stichert rutschte 2019 aber wieder nach. Erste FDP-Frau auf Platz 5 ist die Badener Einwohnerrätin Esther Frischknecht. Gute Wahlchancen dürften auch der Wettinger Gemeinderat Martin Egloff oder etwa der Badener Stadtrat Philippe Ramseier haben.

7. Profitieren die Grünliberalen von einer grünen Welle?

Auch die Grünliberalen treten im Bezirk Baden mit einer starken Liste an: Auf Platz 1 steht der Badener Einwohnerratspräsident und bisherige Grossrat Sander Mallien, danach folgt sein (doppelter) Ratskollege Gian von Planta, die Wettinger Einwohnerrätin Manuela Ernst und auf Platz 4 die Badener Einwohnerrätin Iva Marelli. Marelli politisiert auf lokaler Ebene im liberalen Flügel für das Team Baden und tritt deshalb für den Grossen Rat anders als die meisten ihrer Badener Parteikollegen nicht für die Grünen, sondern für die Grünliberalen an. 

Sander Mallien, glp, Baden.

Sander Mallien, glp, Baden.

Bei den nationalen Wahlen im Oktober 2019 profitierten die Grünliberalen wie die Grünen von der «grünen Welle». Doch reicht dieser Schwung, um im Bezirk Baden einen zusätzlichen dritten Sitz zu ergattern? 

8. Wird der Pfarrer gewählt?

Lutz Fischer-Lamprecht

Lutz Fischer-Lamprecht

Die EVP schliesslich hatte im Bezirk Baden mit Lilian Studer eine starke Stimme. Sie ist seit dem letzten Dezember ebenfalls Nationalrätin. Ihr Nachfolger im Grossen Rat, der reformierte Pfarrer Lutz Fischer-Lamprecht, kommt wie Studer aus Wettingen und ist im grössten Aargauer Dorf zumindest lokal ein bekannter Name. Die Chancen sind also intakt, dass die EVP des Bezirks Baden auch weiterhin einen Sitz in Aarau hält.

9. Wie viele Badener Stadträte werden gewählt?

Es fällt auf, dass gleich fünf Badener Stadträte auf den Wahllisten zu finden sind. Nebst der bereits erwähnten Ruth Müri sind das auch Stadtammann Markus Schneider und Matthias Gotter auf der Liste der CVP. Dabei fällt auf, dass Gotter mit Platz 7 deutlich vor Schneider auf Platz 15 liegt. Stadtrat Philippe Ramseier hat Platz 7 der FDP inne. Die Bisherige Dell'Anno-Doppler Regula hat mit Platz 3 auf der SP-Liste gute Chancen auf eine Wiederwahl. Einzig Erich Obrist stellt sich nicht zur Wahl. Der siebte Sitz im Stadtrat ist übrigens zurzeit verwaist. Am 29. November findet der zweite Wahlgang dieser Stadtratswahl statt. Die beiden Kandidaten Benjamin Steiner (Team) und Stefan Jaecklin (FDP) treten nicht auch noch zu den Grossratswahlen an. 

Einen ähnliche Artikel haben wir im Mai publiziert. Aus aktuellem Anlass haben wir ihn überarbeitet. Das ist die neue Version.

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