Obersiggenthal

Weitere Quelle im Dorf ist mit Pestizid belastet

«Wir trinken Wasser nur noch mit schlechtem Gefühl»: Hans Hug und seine Tochter wohnen in einer der Liegenschaften beim Ebnihof.

In Obersiggenthal wurden erneut Rückstände des Pflanzenschutzmittels Chlorothalonil nachgewiesen. Das Gespräch mit einer betroffenen Familie.

Hans Hug und seine Familie wohnen in einer der Liegenschaften im Ebnihof oberhalb von Obersiggenthal. Vor wenigen Tagen wurden sie informiert, dass die Quelle, aus der ihr Trinkwasser stammt, zu hohe Rückstände von Chlorothalonil-Abbaustoffen enthält.

Das Pflanzenschutzmittel wird seit den 1970er-Jahren gegen Pilzbefall im Ackerbau verwendet; die Abbaustoffe können ins Grundwasser gelangen – und ab einer bestimmten Konzentration die Gesundheit gefährden, wie die europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde festhält.

Gestern Dienstag wurde auch die breite Öffentlichkeit informiert: Die Gemeinde Obersiggenthal teilte in einer Medienmitteilung mit, nach der Quelle Hertenstein (AZ vom 4. September) seien nun auch bei der Quelle Lindenweg-Ebni zu hohe Rückstände von Chlorothalonil-Abbaustoffen festgestellt worden.

Belastetes Wasser wird bis auf weiteres verdünnt

Neuste Laboruntersuchungen hätten einen Wert von 0,15 Mikrogramm pro Liter ergeben, erlaubt wären 0,1 Mikrogramm. Die Quelle versorgt das Schützenhaus sowie die Liegenschaften beim Ebnihof mit Trinkwasser.

«Ich wohne seit zehn Jahren hier», sagt Hans Hug, «und gehe davon aus, dass die Abbaustoffe schon eine Weile im Wasser enthalten sind. Wir trinken das Hahnenwasser jetzt nur noch mit schlechtem Gefühl.»

Und dies, obwohl die Gemeinde Obersiggenthal Massnahmen ergriffen hat. «Bis auf weiteres wird dem belasteten Quellwasser laufend unbelastetes Wasser aus einer anderen Druckzone beigemischt, sodass der gesetzliche Grenzwert aufgrund der Verdünnung stets eingehalten ist.»

Die Kundschaft erhalte dadurch jederzeit einwandfreies Trinkwasser, das laut Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen bedenkenlos konsumiert werden könne.

Das unbelastete Wasser wird im Kleinreservoir Ebnihof beigemischt, das sich nur wenige Meter von Hans Hugs Wohnhaus befindet. Hierzu bringen Mitarbeiter der Wasserversorgung Obersiggenthal regelmässig einen Container sauberen Wassers zum Reservoir, so auch gestern Nachmittag.

Dazu sagt Hans Hug: «Das Wasser wird zwar verdünnt, aber das Pestizid verschwindet dadurch nicht. Pflanzenschutzmittel trinken zu müssen, das wünscht sich niemand. Ich finde es eine Sauerei, dass unsere Böden derart vergiftet werden», sagt Hans Hug, der als Biobauer arbeitet.

Mehrere Gemeinden im Aargau sind betroffen

Die Debatte um die Qualität des Trinkwassers startete diesen Sommer: Das kantonale Amt für Verbraucherschutz teilte mit, dass in einem Drittel von 108 Wasserproben Rückstände des Pflanzenschutzmittels gefunden wurden; bei über zehn Prozent der Proben lag der Messwert über dem vom Bund definierten Grenzwert.

In welchen Gemeinden eine zu hohe Konzentration des Pestizids gemessen wurde, teilte der Kanton aber nicht mit. In einigen Gemeinden wurden Grundwasserpumpwerke vom Netz genommen, so etwa in Wohlen, Villmergen oder Waltenschwil.

Der Gemeinderat Obersiggenthal schreibt dazu auf Anfrage von SP-Einwohnerrat Marco Erni: «In diesen Gemeinden war der Grenzwert teilweise um das Zehnfache überschritten, sodass andere Massnahmen wie etwa die Verdünnung keine Alternative darstellten.»

Diese Situation könne nicht mit den Obersiggenthaler Gegebenheiten verglichen werden, wo lediglich eine Überschreitung um das 1,5-Fache festgestellt wurde und die Sicherstellung der gesetzlichen Trinkwasserqualität mit relativ einfachen Mitteln bewerkstelligt werden könne.

In einer weiteren Quelle im 8559-Einwohner-Ort Obersiggenthal wurden zu hohe Grenzwerte gemessen: Anfang September teilte die Gemeinde in einem Communiqué mit, bei der Quelle Hertenstein sei der zulässige Messwert überschritten worden. Auch dort wird das belastete Wasser nun durch Beimischung von unbelastetem Wasser verdünnt.

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