Baden

Wegen finanzieller Schwierigkeiten: Dem Adventsmarkt droht das Aus

Am Adventsmarkt werden Produkte verkauft, die von Menschen mit einer Beeinträchtigung produziert wurden.

Am Adventsmarkt werden Produkte verkauft, die von Menschen mit einer Beeinträchtigung produziert wurden.

Der beliebte Markt auf dem Badener Kirchplatz schlägt negativ zu Buche und ist aufwendig zu organisieren. Deshalb denkt die Arwo-Stiftung aus Wettingen laut über ein Ende ihres Engagements nach.

Es sind keine guten Neuigkeiten, mit denen die Arwo-Stiftung aus Wettingen die Adventszeit einläutet. Seit 13 Jahren organisiert sie den beliebten Adventsmarkt, auf dem Produkte angeboten werden, die von Menschen mit Beeinträchtigung hergestellt und bearbeitet wurden. In diesem Jahr findet der Markt am 7. Dezember auf dem Kirchplatz in Baden statt. Vielleicht zum letzten Mal, wie die Stiftung mitteilt.

Weil die Organisation des Markts immer aufwendiger geworden sei und finanziell negativ zu Buche schlage, müsse man nun neue Lösungen suchen, sagt Arwo-Geschäftsleiter Roland Meier. Gelinge dies nicht, droht dem Adventsmarkt das Aus.

«Der administrative und finanzielle Aufwand nimmt stetig zu», so die Begründung. Von einem mittleren fünfstelligen Betrag spricht Meier, den man aus der Kasse der Stiftung quersubventioniere.

Lösung mit Sponsoren oder neuem Organisator

Gab es am Anfang Wartelisten von Sozialinstitutionen, die einen Stand am Markt mieten wollten, wird es immer schwieriger, die Stände zu besetzen. Dieses Jahr sind es nicht mehr 100 wie im Vorjahr, sondern 90.

«Die Stände zu besetzen, benötigt viel Überzeugungsarbeit und ist zeitintensiv. Aber auch unsere eigenen Ansprüche sind gestiegen», sagt Meier, «der Aufwand für den Anlass ist schlicht grösser, als wir anfangs gedacht haben.»

Die Arwo sieht sich gezwungen, einen neuen Organisator oder Sponsoren zu suchen. «Es ist ein toller Anlass und er bietet den Menschen mit Beeinträchtigung ein schönes Schaufenster. Es wäre schade, würde es den Adventsmarkt nicht mehr geben», sagt Meier. Seit einigen Wochen suche man nach neuen Lösungen mit einem neuen Organisator oder mit Sponsoren.

Gespräche mit Firmen finden statt. «Im Idealfall finden wir ein bis zwei Sponsoren», sagt Meier. Auch wünschte er sich eine stärkere finanzielle Beteiligung der teilnehmenden Institutionen. Heute bezahlen sie 150 Franken für einen Stand. «Wir sind am Abklären, wie viel sie zu bezahlen bereit sind. Wir möchten wissen, was ihnen die Teilnahme am Markt wert ist.»

Aber insgesamt gilt: Angesichts der finanziellen Lage kann es die Stiftung nicht verantworten, den Adventsmarkt, der nicht zur Kernaufgabe der Arwo gehört, querzusubventionieren. Wäre eine Redimensionierung eine Lösung? «Der Markt würde an Attraktivität einbüssen», zeigt sich Meier skeptisch, «aber man soll nie nie sagen.»

Die Stiftung muss auch in anderen Bereichen sparen

Aber auch an anderen Stellen sieht sich die Stiftung gezwungen, Einsparungen vorzunehmen, um 2020 ein positives Ergebnis zu erreichen. «Dazu gehört nicht nur das Suchen einer Lösung bei der Organisation des Adventsmarkts, sondern auch die Schliessung der seit längerem defizitären Schreinerei beim Wettinger Werkhof per Ende Februar 2020», sagt Meier.

Die Klienten seien auf einfache, repetitive Aufträge mit grösserer Stückzahl angewiesen. Solche Aufträge seien aber nicht genügend vorhanden. Den acht Klienten wurde ein Arbeitsplatz in einer der anderen Werkstätten und Dienstleistungen der Stiftung angeboten. Den beiden Schreinern musste gekündigt werden.

Zudem kommt es ebenfalls per Ende Februar zur Schliessung der Aussenwohngruppe in Niederrohrdorf. Den Bewohnern konnten andere Wohnplätze angeboten werden und für die Betreuer im Wohnbereich wird nach Lösungen zur Weiterbeschäftigung gesucht. «Die Nachfrage nach Teilbetreuung nimmt ab», sagt Meier.

Weil auch Menschen mit einer Beeinträchtigung immer älter und somit pflegebedürftiger werden, sind weniger Wohnplätze für relativ selbstständige Menschen gesucht. Stattdessen steige der Bedarf von Menschen mit grösserem Betreuungsaufwand.

Die dritte Veränderung per Ende Februar betrifft den Verkaufsladen der Arwo an der St. Bernhardstrasse. Die Raiffeisenbank als Vermieterin hat den Mietvertrag gekündigt, weil sie das Gebäude abreissen will.

Die Arwo-Laden-Boutique wird deshalb geschlossen. Die Stiftung sucht eine Möglichkeit, die Produkte in Wettingen in einem anderen Laden integriert anzubieten. «Die Gespräche für eine Shop-in-Shop-Lösung sind fortgeschritten», sagt Geschäftsleiter Meier.

Bilder vom Badener Adventsmarkt 2018

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