Das Limmattal verliert seinen Spitzenplatz. Zumindest in der Statistik des Bevölkerungswachstums des Kantons Zürich. 485 Personen sind 2017 in die Region zugezogen.

Das ist ein Wachstum von 0,5 Prozent und erstaunlich wenig: Im Vorjahr waren es noch mehr als doppelt so viele Zuzüger gewesen. Das Limmattal belegte in den vergangenen Jahren immer einen Spitzenplatz bei den am stärksten wachsenden Regionen des Kantons, heuer findet es sich am Schluss der Statistik wieder.

Nur die Region Zimmerberg (identisch mit dem Bezirk Horgen) wuchs 2017 noch langsamer. Prozentual am meisten Menschen zogen ins Unterland, in die Stadt Zürich und ins Knonauer Amt.

Man könnte sich Sorgen machen ums Limmattal. Denn: Hans-Peter Bucher, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Statistischen Amt, sagt: «Zwischen Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum besteht langfristig ein enger Zusammenhang.»

Steht es also schlecht um die Region? Wenn man die Statistik genauer anschaut, zeigt sich, dass vor allem die beiden Städte Schlieren und Dietikon an Wachstum verloren haben. Dietikon hat 2017 nur sieben Einwohner gewonnen (Vorjahr: 296). Schlieren hat sogar 15 Einwohner verloren (Vorjahr: plus 267).

Dazu kommt Weiningen, das mit 12 zusätzlichen Einwohnern ein massiv geringeres Wachstum aufweist (Vorjahr: 238). Dem Einbruch entgegen wirken Urdorf (Plus 127 statt minus 32) und Birmensdorf (111 statt 39). Der Wachstumseinbruch der ganzen Region sei wohl keine Trendwende, sagt Statistiker Bucher.

«Ich war zwar auch überrascht, als ich die Zahlen sah, aber die jährliche Entwicklung ist immer etwas zufällig.» Es sei wahrscheinlich, dass letztes Jahr einfach aus purem Zufall weniger grössere Bauprojekte abgeschlossen worden und deshalb weniger Menschen zugezogen seien.

Bucher sagt ausserdem: «Für Wachstum braucht es zwei Dinge: Arbeitsplätze und Wohnungen. Die Arbeitsplätze sind wohl da, aber aufgrund der geringen Wohnbautätigkeit 2017 konnten weniger Menschen zuziehen.»

Es gibt Zahlen für die beiden Limmattaler Städte, die vermuten lassen, dass der Bau-Boom zumindest vorerst vorbei sein könnte. Das Statistische Amt hat zwar noch nicht alle Zahlen für 2017, dennoch sehe es so aus, als ob in beiden Städten massiv weniger Wohnungen gebaut worden seien als in den Boom-Jahren zuvor, sagt der wissenschaftliche Mitarbeiter Magnus Gocke, der für die Statistiken zu Bautätigkeiten zuständig ist.

«Im Moment sieht es so aus, dass da auch 2018 nicht das hohe Niveau aus den Jahren zuvor erreicht werden kann», sagt er. Ob die Bautätigkeit danach wieder anziehen wird und damit auch das Bevölkerungswachstum, kann man aber noch nicht sagen. Ausserdem betont Gocke, dass die Zahlen provisorisch sind und noch Bauprojekte dazukommen könnten.

Im Limmattal wurde in den Jahren zuvor ausserdem generell sehr stark gebaut. Bis zu zehn Prozent aller neuen Wohnungen im Kanton Zürich entstanden in einzelnen Jahren in den Limmattaler Gemeinden. Dies, obwohl bloss sechs Prozent der Bevölkerung des gesamten Kantons in der Region wohnt.

Planungsgruppe ist entspannt

Die Zürcher Planungsgruppe Limmattal (ZPL), die sich als Zweckverband der Gemeinden mit der räumlichen Entwicklung des Limmattals befasst, wurde von den neuen Zahlen noch nicht aufgeschreckt.

«Wir glauben, dass es sich lediglich um ein zufälliges Ergebnis und nicht um eine Trendwende handelt», sagt Heinz Schröder, Regionalplaner der ZPL. Er verweist darauf, das grössere Projekte vor allem in Dietikon, Schlieren und Urdorf im Bau oder in Planung seien.

Dennoch könne es sein, dass sich das Wachstum im Grossraum Zürich künftig etwas abschwäche, insbesondere weil sich die Zuwanderung von Arbeitskräften offenbar vermindere.

Die Entwicklung sei nicht für alle negativ: «Es gibt einige Leute, die froh sind, wenn das Limmattal nicht mehr so stark wächst. Ich weiss nicht, ob das repräsentativ ist oder nicht, aber das höre ich auf der Strasse», sagt Schröder. Zur Frage, was die ZPL täte, wenn das Wachstum auch 2018 niedrig bliebe, wollte er noch nichts sagen.