Wettingen

«Wahltag ist Zahltag»: Frühere Schwimmerin will es nun in der Politik wissen

Lebt und arbeitet in Wettingen: Manuela Ernst an ihrem Arbeitsplatz im Architekturbüro.

Lebt und arbeitet in Wettingen: Manuela Ernst an ihrem Arbeitsplatz im Architekturbüro.

Manuela Ernst ist GLP-Einwohnerrätin in Wettingen und will Grossrätin werden – sie hat politisch noch viel vor. Auf der Liste nimmt sie den dritten Platz ein. Zu den Grossratswahlen ist Ernst bereits vor vier Jahren angetreten.

Manuela Ernst hat ihre Agenda fest im Griff. «Ich bin eine sehr gute Zeitmanagerin», sagt die 35-jährige Wettingerin über sich. Das geht gar nicht anders, denn neben ihrem Beruf als Architektin ETH ist sie auch GLP-Einwohnerrätin, Friedensrichterin und nimmt Einsitz in der Sozialkommission.

Letztes Jahr bewarb sie sich um einen Sitz im Nationalrat, das hat aber knapp nicht geklappt. Dieses Jahr stellt sie sich als Grossrätin zur Wahl. Ihre Chancen stehen gut: Sie ist auf der Liste der GLP auf dem dritten Platz. Aber: «Wahltag ist Zahltag», sagt sie und lacht.

Bereits vor vier Jahren ist Manuela Ernst zu den Grossratswahlen angetreten – und erreichte als Neuling gleich ein beachtliches Resultat. Erst kurz zuvor hatte sie begonnen, sich politisch zu engagieren. Dazu wollte sie eine Partei im Rücken.

Um herauszufinden, welche am besten zu ihr passt, machte sie sich online auf die Suche. So wie sie bei Abstimmungen auch ganz selbstverständlich die Online-Wahlhilfeplattform «Smartvote» nutzt. Diese schlug ihr schon seit Jahren zumeist Parteimitglieder der GLP vor. Kein Wunder: Ihr liegen Umweltthemen besonders am Herzen. Manuela Ernst überlegte nicht lange und meldete sich bei der Wettinger Ortspartei.

Sie klaubte das Fleisch aus der Bolognese-Sauce

Politisiert worden sei sie aber schon viel früher, von klein auf. Auch ihre Eltern setzten sich bereits für die Umwelt ein: «Sie beteiligten sich noch am Sitzstreik in Kaiseraugst», sagt Ernst. Vor rund 45 Jahren hatten rund 15'000 Menschen gegen das dort geplante Kernkraftwerk demonstriert. Ausserdem hätten ihre Eltern bereits in den 90er-Jahren Sonnenkollektoren auf dem Dach installiert. Man könne wohl erahnen, wie ihre Familie damals komisch angeschaut worden sei, wohnhaft in einem solothurnischen Ort mit rund 300 Einwohnerinnen und Einwohnern.

Manuela Ernst selbst hat sich im Alter von 13 Jahren dazu entschieden, kein Fleisch mehr zu essen. «Meine Grossmutter sagte damals noch zu mir, ich solle mir das Fleisch selbst aus der Spaghetti Bolognese klauben», erinnert sie sich lachend.

Der Liebe wegen nach Wettingen gekommen

Im Jahr 2000 brachte der Job des Vaters die Familie Ernst – Manuela Ernst hat noch zwei Brüder und eine Schwester – in den Aargau. Sie wurden in Nussbaumen sesshaft. Der Liebe wegen zog es Manuela Ernst dann 2012 nach Wettingen, wo sie geblieben ist, auch wenn sie diese Liebe inzwischen hinter sich gelassen hat. Mittlerweile hat ein Würenloser ihr Herz erobert.

Für die Grünliberale gibt es aber nicht nur Umweltthemen, sie wünscht sich, dass auch die «veralteten Konstrukte AHV, Ehe- und Erbrecht und die Individualbesteuerung von Grund auf neu angedacht werden». Denn: «Ich mag keine Pflästerlipolitik.» Das seien aber Themen, die man auf Bundesebene angehen müsse.

Anderes könne sie aber auch auf kantonaler Ebene in Angriff nehmen: So setzt sich die frühere Wettkampfschwimmerin speziell für Jugendförderung im Sport ein. «Sport ist so wichtig, physisch wie auch mental. In Zeiten steigender Krankheitskosten kann man mit Sportförderung einiges erreichen», ist sich Ernst sicher. Dass in Wettingen die geplante Sportfachstelle kurz vor den Sommerferien vom Einwohnerrat versenkt wurde, das tue ihr immer noch weh. Sie hatte sich auch dafür eingesetzt.

Weniger anstrengend als die Nationalratswahlen

Manuela Ernst hat aufgrund ihres intensiven Architektur-Studiums an der ETH den Wettkampfsport aufgegeben, Schwimmen ist aber ihre grosse Leidenschaft geblieben und der liebste Ausgleich zu ihren zahlreichen Engagements und den schon fast jährlich wiederkehrenden Wahlkämpfen. Den diesjährigen empfindet sie aber als einiges weniger anstrengend als die Nationalratswahlen im letzten Jahr. «Wahrscheinlich, weil es wegen Corona weniger Veranstaltungen gibt, um mich vorzustellen. Ausserdem konnte ich vieles schon im vergangenen Jahr erarbeiten», sagt sie. Sie sei dieses Jahr einiges gelassener: «Und ich habe gute Leute im Rücken, die mir eine enorme Unterstützung sind.»

Das sind alle Grossratskandidaten aus dem Bezirk Baden:

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