Wahlen 2019

Von Wahlmuffeln und Engagierten: So wählte die Bevölkerung in der Region

Das SRF bezeichnete Spreitenbach als «Das Nichtwähler-Dorf».

In Spreitenbach wählten nur rund 26 Prozent, in Ennetbaden hingegen über 65 Prozent der Stimmberechtigten. Die Gemeinden sind die beiden Extrempole im gesamten Kanton.

45 Prozent der Schweizer Stimmberechtigten wählten am Sonntag ein neues Parlament. Die anderen 55 Prozent beteiligten sich nicht an der Wahl. Ganz dem schweizweiten Trend entsprechend, sank auch im Aargau die Wahlbeteiligung von rund 48 auf unter 45 Prozent. Die Gemeinden mit der höchsten und der tiefsten Stimmbeteiligung im ganzen Kanton liegen im Bezirk Baden: Ennetbaden und Spreitenbach.

Dass die Mehrheit der Stimmberechtigten der Gemeinde Spreitenbach nicht wählen geht, war der Sendung «Rundschau» des SRF schon vor einigen Wochen einen eigenen Beitrag wert. Titel: «Das Nichtwähler-Dorf». Die Abstimmung vom Sonntag hat diesen Bericht bestätigt. Gerade einmal 26 Prozent der Stimmberechtigten haben das Wahlcouvert eingeworfen, so wenige wie in keiner anderen Gemeinde im Kanton. Eine ähnlich tiefe Wahlbeteiligung findet sich mit rund 29 Prozent nur noch in Mumpf im Bezirk Rheinfelden.

Gemeindepräsident findet es schade

Dass sich so wenige Menschen in Spreitenbach an den Wahlen beteiligen, findet Gemeindepräsident Valentin Schmid (FDP) schade. Warum die Spreitenbacher nicht wählen gehen, das wisse er auch nicht, sagt er auf Anfrage. Der Bericht der «Rundschau» im Schweizer Fernsehen bringe es wohl auf den Punkt.

Adrian Vatter, Politologe an der Universität Bern, sagte in der Sendung: «In Spreitenbach ist die Wahlbeteiligung derart tief, weil es hier überdurchschnittlich viele mit Migrationshintergrund, überdurchschnittlich viele Leute mit einem tiefen Bildungsniveau und überdurchschnittlich viele Junge hat.»

Die Sendung stützte sich auf eine Studie der Universität Bern, an der auch Vatter mitgewirkt hat. Diese kam zum Schluss, dass in der Schweiz rund ein Viertel der Nichtwähler zu den «Zufriedenen» gehört, der grössten Gruppe. Daneben gibt es aber auch noch die «Verdrossenen», die das Vertrauen an die Politik verloren haben. Zu der dritten Gruppe der Nichtwähler gehören die Jungen.

In Spreitenbach lebten Ende 2018 11'883 Menschen, davon 50,3 Prozent Ausländer. Stimmberechtigt sind 4731 Personen. Ein Viertel davon hat sein Recht wahrgenommen und gewählt. In der Wahlbeteiligungs-Statistik des Bezirks Baden folgen auf Spreitenbach die Nachbargemeinden Neuenhof mit 34,2 und Killwangen mit 39,7 Prozent. Die anderen 23 Gemeinden des Bezirks kommen alle auf einen Wähleranteil von über 40 Prozent.

Ennetbaden hat damit gerechnet

So befindet sich am anderen Ende der Skala die Gemeinde Ennetbaden. Diese weist eine Wahlbeteiligung von 65,6 Prozent auf, die höchste im Kanton. Nur Wiliberg im Bezirk Zofingen kommt mit genau 65 Prozent auf eine ähnlich hohe Zahl. «Uns hat dieser Wert gar nicht überrascht», sagt Gemeindeammann Pius Graf (SP) dazu. Bereits bei der Auszählung der Stimmen sei mit rund 60 Prozent gerechnet worden.

«Eine hohe Wahlbeteiligung sind wir uns gewohnt», so Graf. «In Ennetbaden leben viele weltoffene Menschen, die sich interessieren und sich gerne engagieren.» Das sei für ihn als Gemeindeammann natürlich sehr erfreulich. Das Bemerkenswerte sei, dass die Stimmbeteiligung normalerweise immer sehr nah bei Baden sei. Das war bei diesen Wahlen aber nicht der Fall. Die Stadt Baden wies eine Wahlbeteiligung von rund 54 Prozent aus.

Was in Ennetbaden ebenfalls auffällt: Während in den meisten Gemeinden im Bezirk immer noch die SVP die stärkste Partei stellt, ist es hier – wie auch in Baden – die SP. Graf ist sich sicher, dass die Klimadiskussion auch in Ennetbaden mehr Menschen von der linken und grünen Seite dazu motiviert habe, wählen zu gehen.

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