Quartiere in Baden

Vom Terrassenbad über die Sankt-Anna-Kapelle bis zum Lägernhang: Die Geschichte von «Limmat rechts»

Die Spitaläcker über der Limmat mit der Spinnerei Spörry (1886). Hinten die unbebaute Aue und die Eisenbahnbrücke nach Wettingen.

Die Spitaläcker über der Limmat mit der Spinnerei Spörry (1886). Hinten die unbebaute Aue und die Eisenbahnbrücke nach Wettingen.

Das Quartier Limmat rechts ist eines der modernsten der Stadt Baden. Es ist reich an architektonischen Klassikern und birgt historische Schätze.

Das bedeutendste Haus im Quartier rechts der Limmat ist das Landvogteischloss. Die Grundmauern der «Niederen Feste» stammen aus dem 13. Jahrhundert. Die Burg bildete bis in die Neuzeit den Schlussstein der Badener Stadtbefestigung, welche die gesamte Klus zwischen der Burg Stein und der Lägern abriegelte. Sämtlicher Verkehr zog seither über die Brücke beim späteren Landvogteischloss.

Die Burg diente nach der Eroberung des Aargaus durch die Eidgenossen im Jahr 1415 während fast vierhundert Jahren als Sitz der fremden Herren: Bis 1798 war das Landvogteischloss Amtssitz und Wohnhaus des eidgenössischen Landvogtes in Baden. Es wurde im 19. Jahrhundert unter anderem als Schulhaus, Spital und Gefängnis gebraucht und beherbergt seit 1913 das Historische Museum. Der Steinbruch am Lägernkopf neben dem Schloss stürzte im Juni 1899 zusammen.   

Die Bilder vom Quartier:

Im selben Jahr wurde die nahe St.-Anna-Kapelle renoviert, die im 15. Jahrhundert beim «Siechenhaus im Feld» errichtet worden war. Die habsburgischen Herzöge hatten das Siechenhaus im Zusammenhang mit der Spitalstiftung von Königin Agnes bei der Stadtkirche gestiftet. 1910 wurde anstelle des Siechenhauses das städtische Krankenhaus mit dem Park an der Wettingerstrasse errichtet. Es dient seit dem Neubau des Kantonsspitals in Dättwil 1978 als Regionales Pflegezentrum.

Auf den weiten Spitaläckern wiederum wurden um 1963 die zwei Jahre zuvor gegründete Kantonsschule Baden (als zweite im Kanton nach der Alten Kanti Aarau) errichtet. Die Pläne für die Kanti Baden stammten vom Solothurner Architekten Fritz Haller. Bei allem Unverständnis mancher Schüler für die nüchterne Architektur gelten seine Schulbauten als Klassiker des modernen Bauens in der Schweiz. 

Auch andere wichtige Bauten der Badener Moderne finden sich im Quartier Limmat rechts. Etwa das Terrassenschwimmbad nach Plänen von Alfred Gantner, das 1931 fertiggestellt wurde und die alte Badeanstalt in der Limmat ersetzte – und 1969 durch das Hallenbad an der Pfisterstrasse ergänzt wurde. Am Lägernhang, insbesondere am Mühlbergweg, sind derweil die noblen Villen im Bauhaus-Stil von Architekten wie Otto Dorer, Hans Loepfe oder René Weidmann einmalige Zeitzeugen.

Sport und Spinnerei in der Aue

In der Aue liegen seit 1925 der Sportplatz und die Sporthalle – eine Holzkonstruktion, in der vor der Schaffung des Einwohnerrats zuletzt auch die Badener Gemeindeversammlung tagte. An der Kanalstrasse zum Kraftwerk Aue und oben an der Seminarstrasse gibt es noch Überreste der Spinnerei Spoerry & Co., die 1904 von einem gewaltigen Brand zerstört wurde. Die Fabrik war seit ihrem Bau ein Sorgenkind der Feuerwehr gewesen. «Majestätisch und mit streng gegliederter Fassade stand sie am Fabrikkanal in der Aue, fünfgeschossig und so lang wie die Kronengasse in der schräg gegenüberliegenden Altstadt, die älteste Fabrik in Baden, 1835/36 erbaut und damals eine der grössten Baumwollspinnereien in der Schweiz», wie es der Historiker Andreas Steigmeier hundert Jahre nach dem Brand in den Badener Neujahrsblättern schrieb.

Die Spinnerei wurde nie wieder aufgebaut. Übrig geblieben sind zwei Kosthäuser an der Limmat und eines schräg gegenüber der heutigen Kantonsschule. Zwei weitere Kosthäuser mussten im Jahr 1925 dem Bau der von da an dominanten Hochbrücke weichen. Ein paar Meter weiter an der Seminarstrasse wurde 1912 die evangelisch-methodistische Kirche erbaut. Die Kirchgemeinde bestand schon seit 1885 in Baden. Die Prediger kamen anfangs aus Lenzburg, später aus Zürich. Heute hat die Kirche längst einen eigenen Gemeindepfarrer.

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