Obersiggenthal

Vom Schneider zum Foodtrucker: Wie ein Aargauer sein Leben umkrempelte – wegen eines Tacos

Mit einem umgebauten Piaggio bringt der Kirchdorfer Bruno Allemann Tacos und mexikanische Lebensfreude unter die Leute. An eine Karriere in der Gastronomie dachte er vor seiner Mexiko-Reise vor drei Jahren nicht.

Vor einer Blechhütte in Mexiko hatte Bruno Allemann eine Taco-Erleuchtung. Gefüllte Tortillas, traditionell aus Mais oder Weizen, hatte der damals 30-Jährige auf seiner Reise vor drei Jahren einige gekostet. In Mexiko-City, in Tulum, in Cancun. Dann stand er vor diesem heruntergekommenen Stand.

Der Tipp eines Bauarbeiters hatte ihn hierher gebracht. Es seien die besten, die man weit und breit kriege. In Gedanken stellte sich Allemann bereits auf Bauchkrämpfe ein. Als es ihn wie ein Blitz beim ersten Bissen traf, geschah dies jedoch aus einem anderen Grund: «Es war, als hätte der Hergott zu mir gesprochen», sagt der Halbmexikaner schalkhaft. Wahnsinnig beeindruckt habe ihn dieses Essen. «In meinem Kopf fing es an zu rattern.»

Als Jugendlicher erlernte der Kirchdorfer das Schneiderhandwerk, arbeitete dann in der Masskonfektion für Herren. Doch nach der Rückkehr aus Mexiko galt seine Leidenschaft nicht mehr nur weichen Stoffen und edlen Schnitten. Es waren heisse Tacos – knusprig, herzhaft, saftig –, die seine Gedanken verdampften. An seinem Geheimrezept tüftelte er Stunden und Nächte. Freunde waren von den Kostproben begeistert.

Job gekündigt, Anhänger ausgebaut

Seinen Job gleich aufgeben, das hatte Bruno Allemann eigentlich nicht geplant. Überlegt wollte er an diesen neuen Traum herangehen. «Man kann vieles planen, aber das Leben bahnt sich seinen Weg selber irgendwo hin», sagt der 33-Jährige heute. Wenige Wochen nach dem verhängnisvollen Bissen reichte er seine Kündigung ein und baute einen alten Piaggio-Kleintransporter um.

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«Best Tacos in Town» prangt Autofahrern in Obersiggenthal vom Strassenrand entgegen. Von Freitag bis Sonntag parkiert Allemann den Foodtruck an der Blumenstrasse. In der mobilen Küche hat alles seinen kleinen, aber feinen Platz. Die Pläne stammen aus der Feder seines Vaters, der vor seiner Pension als Designer tätig war. Viel Eigeninitiative und Handarbeit steckt auch in Allemanns Essen. Seine Tacos sind von Grund weg hausgemacht, die Zutaten regional.

Bruno Allemanns Lächeln ist breit, zieht sich über das ganze Gesicht. Aus den dunkelbraunen Augen sprüht Lebensfreude. Bis zu 800 Tacos hat er in seiner herausziehbaren Küche innerhalb von 90 Minuten schon produziert. Seine mexikanische Spezialität bietet er auch an Hochzeiten oder Geburtstagsfesten feil. Wenn Bruno mit seinem handlichen Gefährt direkt mitten in die feiernde Runde rollt, zieht er alle Blicke auf sich. Das Taco-Büsli ist ein Hingucker. «Die abgesagten Caterings wegen Corona haben dem Geschäft dank grossem Ansturm auf den Take-Away praktisch null geschadet», sagt Allemann. 

Der Kirchdorfer schätzt die Unabhängigkeit, die ihm ein eigener kleiner Food Truck bringt. Am besten aber gefallen ihm die Begegnungen mit den Menschen: «In unserem Breitengrad wirken die Leute oft negativ», sagt er, «wenn ich mit meinem Taco-Wägeli vorfahre, lachen sie alle und haben Freude.»

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