Festtage
«Vom Onlineverkauf allein kann ich nicht leben»: Vier Badener Gewerbler sagen, was der Laden-Lockdown für sie bedeutet

Aargauer Geschäfte müssen bis 22. Januar schliessen – den Ladenbesitzern fehlt nun eine der wichtigsten Verkaufswochen im Jahr.

David Rutschmann
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Shopping ist im Aargau bis mindestens am 22. Januar nicht möglich.

Shopping ist im Aargau bis mindestens am 22. Januar nicht möglich.

Keystone

Laurin Jäggi, Buchhandlung Librium

Laurin Jäggi: «Dramatisch ist der Laden-Lockdown für uns allerdings nicht.»

Laurin Jäggi: «Dramatisch ist der Laden-Lockdown für uns allerdings nicht.»

David Rutschmann

«Ich habe das Gefühl, das Weihnachtsgeschäft hat in diesem Jahr schon früher angefangen als in den Jahren zuvor − eigentlich seit Ende November. Wir haben unsere Stammkundschaft mittels Newsletter auch aktiv dazu aufgerufen, früher zu kommen. Bücher sind in diesem Jahr ehrlicherweise auch noch beliebtere Geschenke als sonst. Man kann ja keine Gutscheine verschenken, um gemeinsam etwas zu unternehmen. Da sind Bücher eine gute Wahl.

Gerade ältere Leute haben in den vergangenen Wochen vermehrt auch Bücher bestellt und diese sich nach Hause liefern lassen − wir hoffen, dass die überlastete Post nicht noch mehr darunter leidet. Wenn wir nun alle Bücher als Päckchen einpacken und verschicken müssen, werden wir in der kommenden Woche an unsere Grenzen kommen. Dramatisch ist der Laden-Lockdown für uns allerdings nicht, im Moment sind wir noch zufrieden, wie das Geschäft läuft.

Markus Hadorn, Spielwaren Miracoolix

Markus Hadorn: «Wir haben unsere Öffnungszeiten sogar extra angepasst.»

Markus Hadorn: «Wir haben unsere Öffnungszeiten sogar extra angepasst.»

David Rutschmann

«Durch die Massnahmen des Kantons Aargau müssen wir unseren Laden ausgerechnet in der für uns wichtigsten Verkaufswoche schliessen. Ein Velohändler kann seine Ware das ganze Jahr verkaufen, aber Spielwaren werden vor allem zu Weihnachten gekauft. Es ist verrückt: Läden des täglichen Bedarfs dürfen offen bleiben − sind Spielwaren denn kein täglicher Bedarf? Genau jetzt, wenn man nicht in den Ausgang oder in die Ferien kann und daheim sitzt, ist doch das Bedürfnis nach Gesellschaftsspielen gross − das spüren wir, denn aktuell läuft das Geschäft ganz gut. Wir haben unsere Öffnungszeiten sogar extra angepasst und von halb 8 bis 19 Uhr durchgehend geöffnet. Vielleicht spielt uns in die Karten, dass die Leute ihre Weihnachtseinkäufe vorgezogen haben, weil sie mit dem Lockdown gerechnet haben. Den Laden-Lockdown können wir aber auch mit Bestellungen nicht kompensieren. In unserem Laden stöbert man, wenn man die Spielwaren nicht vor Ort kaufen kann, weicht man dann aber doch auf die grossen Onlinehändler aus, anstatt bei den lokalen Läden zu bestellen.»

Peter Siegenthaler, Whiskyshop Cadenhead’s

Peter Siegenthaler: «Wenigstens mein Webshop wurde besser besucht.»

Peter Siegenthaler: «Wenigstens mein Webshop wurde besser besucht.»

David Rutschmann

«Das Weihnachtsgeschäft im Laden tröpfelte vor sich hin. Die Strassen waren leerer als sonst, die Leute im Homeoffice. Nur zu wenigen Stosszeiten kamen einige Kunden. Erst am Sonntag musste ich einen Event absagen, Degustationen waren genauso wenig möglich wie Messebesuche. Und auch an die Gastronomie lieferte ich weniger Whisky, denn dort hatten sie auch immer weniger Kunden. Hinzu kommt, dass ein halbes Jahr meine Lieferkette unterbrochen war: Ich verkaufe Cadenhead’s-Whisky aus Schottland weiter und Grossbritannien befand sich im harten Lockdown. Das war eine Katastrophe.

Mir graut es jetzt schon vor dem Brexit − ich rechne wegen der Zollprobleme erst im kommenden Frühjahr mit neuer Ware. Die Probleme gehen also unabhängig von der Situation in der Schweiz weiter. Wenigstens mein Webshop wurde besser besucht, ich verschicke reichlich Päckchen. Aber vom Onlineverkauf allein kann ich nicht leben. So einen schlechten Umsatz habe ich zuletzt 2012 gemacht, wenige Jahre nach der Eröffnung.»

Roger Ankele, Ätherische Öle Naturtempel

Roger Ankele: «Das aktuelle Jahr ist allgemein schwierig als vergangene.»

Roger Ankele: «Das aktuelle Jahr ist allgemein schwierig als vergangene.»

David Rutschmann

«Eigentlich hatte ich sonst immer Stände an den Weihnachtsmärkten am Hauptbahnhof in Zürich und in Einsiedeln. Das zieht massig Touristen an, sie wurden aber alle abgesagt. Deshalb habe ich nun diesen Stand im Badener Wunderdorf. Das ist nicht der ultimative Reisser, aber an den Wochenenden war der Markt doch ganz gut besucht.

Dann wurden der Abendverkauf und der Sonntagsverkauf verboten. Glücklicherweise hat der Verkauf in den letzten Tagentrotzdem zugenommen. Die Leute, die nach draussen gehen und den Weihnachtsmarkt besuchen wollen, kamen dennoch.

Das aktuelle Jahr ist allgemein schwieriger als vergangene, aber Weihnachten ist unsere Hauptverkaufszeit: Ätherische Öle und Raumdüfte sind schliesslich klassische Winter- und Weihnachtsmarktprodukte. In diesem Jahr habe ich jedoch nur die Hälfte dessen verkauft, was ich aus vergangenen Jahren gewohnt war. Das sind massive Umsatzeinbussen.»