Killwangen-Spreitenbach
Über diese Treppen musst Du gehen – denn Rollstuhl-Rampen hat es keine

Dem Bahnhof nahe der Zürcher Kantonsgrenze fehlen Rampen oder Lifts für gehbehinderte Menschen und die Lifte sind störungsanfällig. Die SBB habe das Problem auf dem Radar – «Der Zeitpunkt eines Umbaus ist zurzeit noch unklar.»

Stefan Hürst
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Nur Treppen führen auf die Perrons des Bahnhofs Killwangen-Spreitenbach. STH

Nur Treppen führen auf die Perrons des Bahnhofs Killwangen-Spreitenbach. STH

Stefan Hürst

Wer im Rollstuhl sitzt und von Killwangen gerne den Zug nach Zürich nehmen möchte, fühlt sich wohl wie Schauspieler Tom Cruise. Denn der Weg vom Vorplatz des Bahnhofs zum Perron ist für eine Person im Rollstuhl wie es im Film heisst, eine «Mission Impossible», ein unmögliches Unterfangen.

57 Treppenstufen trennen den «Agenten» insgesamt vom Gleis. Einen Lift oder eine Rampe sucht man an der Station Killwangen-Spreitenbach vergebens. Wie kann es sein, dass der Bahnhof von zwei Gemeinden mit insgesamt über 12 000 Einwohnern nicht behindertengerecht ist?

Nicht nur beeinträchtigte Personen, sondern auch ältere Menschen oder Eltern mit Kinderwagen sind von der Situation betroffen. Die Nähe des grossen Einkaufszentrums in Spreitenbach lockt täglich zahlreiche Menschen an.

Bereits jetzt ist klar: Der Bahnhof Killwangen wird umgebaut. Die Forderung dazu finden sich im Behindertengleichstellungsgesetz, das 2004 in Kraft getreten ist. In dessen Schlussbestimmungen findet sich folgender Satz: «Bestehende Bauten und Anlagen sowie Fahrzeuge für den öffentlichen Verkehr müssen spätestens nach 20 Jahren nach dem Inkrafttreten dieses Gesetzes behindertengerecht sein.»

Kann also auch Killwangen bald mit einem modernisierten Bahnhof rechnen? Die SBB dämpft die Hoffnung auf Verbesserungen in naher Zukunft. Die Prioritäten liegen auf anderen Bahnhöfen.

Mediensprecherin Lea Meyer sagt auf Anfrage: «Wir haben den Bahnhof Killwangen auf dem Radar. Der Zeitpunkt eines Umbaus ist zurzeit noch unklar.» In den nächsten Jahren dürfte somit alles beim Alten bleiben.

Bei der Setzung der Prioritäten seien zwei Kriterien massgebend: Einerseits die Wichtigkeit des Bahnhofs, dazu gehören Anzahl Passagiere sowie Relevanz als Umsteigebahnhof. Andererseits werde darauf geachtet, Bauarbeiten möglichst koordiniert durchzuführen.

Lifte sind störungsanfälliger

In Killwangen ist der Bau von Rampen naheliegend. Auch ein Lift, der Passagiere in die Unterführung bringt, wäre denkbar. Für Remo Petri von der Fachberatungsstelle Procap Bauen Schweiz kann ein Lift jedoch auch Probleme mit sich bringen: «Aufzüge sind viel anfälliger für Störungen und Vandalismus.

Wenn möglich, sind Rampen vorzuziehen.» Die Gemeinde Killwangen steht mit den SBB in Kontakt. Auf der Verwaltung hat man den allfälligen Bau der Limmattalbahn im Hinterkopf. Deren Haltestelle ist auf dem heutigen Bahnhofplatz geplant. Optimal wäre eine Kombination der Bauarbeiten.

Bis es soweit ist, bleibt die Situation für beeinträchtigte Personen ungemütlich am Bahnhof Killwangen-Spreitenbach. Immerhin: Es gibt Möglichkeiten, der Station auszuweichen.

Regelmässig verkehren Busse in Richtung Dietikon sowie Baden und Wettingen, deren Bahnhöfe rollstuhlgängig sind. Doch ausweichen bedeutet, Umwege auf sich zu nehmen. Auf dem Weg von Killwangen nach Zürich macht das mit der Option Dietikon im Schnitt gut 20 Minuten aus.