Sie fahren in Kreuzfahrtschiffen, Fähren, Tankern und Frachtschiffen rund um den Globus. Aber auch in Diesel- und Gaskraftwerken, in Lokomotiven, Baumaschinen und Minenfahrzeugen kommen sie zum Einsatz: Turbolader aus Baden. 30 Jahre ist es her, seit die damals frisch fusionierte ABB hier einen neuen Grundstein für ein florierendes Geschäftsfeld legte. Ein Jahr nach dem Zusammenschluss der BBC mit der schwedischen Asea wurde im Januar 1989 die ABB Turbo Systems AG an der Bruggerstrasse gegründet.

Auch wenn es dabei um komplexe Technik geht: Wie ein Turbolader funktioniert, ist eigentlich einfach erklärt: Durch Zuführung von verdichteter Luft wird die Kraft einer Maschine massiv erhöht. Vier Mal mehr Leistung, weniger Brennstoff und eine bessere Effizienz sind das Ergebnis. Das schont einerseits das Budget für die Transportkosten, andererseits die Umwelt.

Erster Turbolader von 1924

Schon 1905 liess der Winterthurer Ingenieur und Nationalrat Alfred Büchi seine Idee für das Turbo-Prinzip zum Patent anmelden. Die Badener Brown, Boveri & Cie. nahm das Verfahren rasch auf, 1924 wurde der erste BBC-Turbolader ausgeliefert. Ein weiteres Jubiläum, das dieses Jahr gefeiert wird: Vor 70 Jahren richtete die BBC in Baden eine erste feste Abteilung und ein eigenes Werk für Turbolader ein. Am Wochenende wurde das doppelte Jubiläum gebührend gefeiert: Stadtammann Markus Schneider (CVP) und Landammann und Volkswirtschaftsdirektor Urs Hofmann (SP) waren dabei zu Gast in der Fabrik an der Bruggerstrasse, genauso wie die Angehörigen der weit über 800 Mitarbeitenden.

Urs Gribi, Managing Director der ABB Turbo Systems AG, erklärt: «Wir wollen zu diesem Jubiläum unseren Mitarbeitern ganz besonders danken. Ohne sie wäre unser grosser Erfolg nicht möglich.» Und der Erfolg kann sich in der Tat sehen lassen. Zwar geben die einzelnen ABB-Gesellschaften ihren Umsatz nicht mehr bekannt (nur noch der Mutterkonzern tut das). Aber: «Wir sehen uns als globaler Leader in der Herstellung und im Unterhalt von Turboladern. Wir sind mit Abstand die Nummer 1 auf dem Weltmarkt», sagt Gribi. Allein die Zahlen der von ABB ausgelieferten Turbolader sind immens: Rund 200 000 Stück sind derzeit weltweit im Einsatz. Zeitweise verliessen 1000 neue Turbolader pro Monat das Werk in Baden. Das Unternehmen hat auf der ganzen Welt über 100 Servicestationen – auf allen Kontinenten, von Melbourne über Reykjavík bis Vancouver. «Die Servicestationen werden von Baden aus unterstützt», so Urs Gribi.

Das Turbolader-Geschäft in der Schweiz ist heute in Baden konzentriert. Vor kurzem wurde das Werk in Klingnau aufgelöst, die Arbeitsplätze nach Baden verlegt. Hier befinden sich die Fabrik, die Forschung und Entwicklung, die Logistik, das «Headquarter» und das zentrale Ersatzlager. Das Testcenter wurde in den letzten Jahren immer wieder erweitert.

Im Guinnessbuch der Rekorde

2015 schaffte es ein Motor mit Turboladertechnologie aus Baden sogar ins Guinnessbuch der Rekorde – dank seiner enormen Effizienz. «Unser Anspruch ist es, immer besser zu werden», sagt Gribi. Ständige Innovation und zuverlässige Produkte seien dabei entscheidend. «Ich glaube, es ist eine Stärke von uns, dass wir alle Mitarbeitenden auf kleinem Raum beieinander haben.»

Auf die Frage, ob ABB Turbo Systems auch langfristig in Baden bleiben wird, sagt er: «Wir fühlen uns seit Jahrzehnten sehr stark mit der Stadt Baden verbunden. Es ist ganz klar unsere Absicht und unsere Strategie, in Baden zu bleiben.»