Baden

Trauerfeier für Lawinen-Opfer: «Spuren der Liebe graben sich tief in uns ein»

Am Donnerstagmorgen gedachten 200 Angehörige, Freunde und Clubkameraden den fünf Lawinenopfern der SAC-Sektion Lägern. Sie waren am 31. Januar am Vilan im Prättigau in eine Lawine geraten und tödlich verunglückt.

Es sind eindrückliche, bewegende Bilder: Der Gipfel des Vilan zwischen leichten Wolkenschwaden. Sonnenstrahlen, die das Nebelmeer über dem Prättigau in ein weiches Licht tauchen. Der stahlblaue Himmel an diesem letzten Januartag – darunter eine Gruppe Frauen und Männer in bunten Skikleidern, die hangaufwärts streben.

Es sind Bilder, die zur letzten Erinnerung an fünf Menschen werden, die zu früh aus dem Leben schieden. Ein Beamer projiziert sie am Donnerstagmorgen auf eine Leinwand, die Orgel spielt. Die SAC-Sektion Lägern verabschiedet sich mit einer schlichten, einfühlsamen Feier von den fünf getöteten Mitgliedern.

Markus Dieth an der Trauerfeier für die Lawinenopfer in Baden: «Das ging sehr unter die Haut»

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«Es hat sich ein Graben aufgetan»

«Wir sahen die Nachricht in der Tagesschau am Samstagabend: Lawinenunglück im Prättigau, drei Tote», erinnert sich Alfred Frei vor der grossen Trauergemeinschaft. «Am Sonntagmorgen erfuhren wir, dass inzwischen fünf Tote zu beklagen sind. Und dass sie alle unserer SAC-Sektion angehören. Die Betroffenheit war sehr gross.»

Alfred Frei ist Präsident der Subsektion Zurzach und wirkt in seiner Heimatgemeinde Koblenz im Team der katholischen Pfarrei. Zusammen mit Ella Gremme, Seelsorgerin in der römisch-katholischen Pfarrei Baden, und Markus Graber, Pfarrer der reformierten Kirchgemeinde Baden, gestaltete er die Gedenkfeier in der reformierten Kirche in Baden.

«Es hat sich ein Graben aufgetan, den wir in diesem irdischen Leben nicht mehr überschreiten können», sagt Frei. «Viele sind in grosser Trauer, fühlen sich hilflos. Sie alle sollen wissen: Wir lassen niemanden alleine.» Gegenseitig könne man sich Trost und Zuversicht spenden.

Worte und Zeichnungen für die Angehörigen

«Herz und Seele kommen nicht nach, wenn so etwas passiert», sagt Seelsorgerin Ella Gremme. Worte zu finden, falle schwer. «Aber wir müssen weitergehen, können nicht stehen bleiben.»

Das Wesentliche werde man im Herzen tragen: «Die Spuren der Liebe. Sie graben sich tief in uns ein. Und der Glaube lässt uns hoffen, dass sie auch im Todesschatten da sind.»

Pfarrer Markus Graber freut sich, dass die Teilnahme an der Gedenkfeier «überwältigend ausgefallen» ist. «Wir haben damit den Angehörigen, dem Tourenleiter und den Überlebenden ein Zeichen gegeben, dass wir sie nicht alleine lassen.»

Die Organisatoren der Gedenkfeier haben in der Kirche fünf weisse Leinwände aufgestellt. Die Gäste hinterlassen darauf eine ermutigende Zeichnung oder tröstende Worte. Sie werden den Angehörigen zuhause helfen, Hoffnung zu schöpfen, Leere zu füllen. Denn, so Markus Graber: «Die heutige Feier ist nur eine Stufe auf einer ganz langen Treppe nach oben.»

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