Wegen des Vorwurfs der mehrfachen, zum Teil versuchten sexuellen Handlung mit Kindern musste sich Timo (Name von der Redaktion geändert) am Bezirksgericht Baden verantworten. Konkret ging es um einen Vorfall im Juni 2017, als der heute 48-Jährige am Limmatufer in Wettingen in Anwesenheit dreier Mädchen im Alter von sieben bis zehn Jahren seinen Penis entblösst und daran gerieben haben soll. Da er bereits zuvor wegen einer ähnlichen Strafangelegenheit durch das Bezirksgericht Zürich verurteilt wurde, erhielt der Fall eine besondere Brisanz.

«Ich weiss, was man mir vorwirft, aber ich habe nichts gemacht», erklärte er. Der Vorfall in Juni 2017 fiel in eine Lebensphase, in der er mit schweren Depressionen zu kämpfen hatte. Nicht zuletzt deswegen, da sich seine Frau kurz zuvor das Leben nahm. Danach sucht er immer wieder Orte auf, die ihn an sie erinnern: «Jeder Tag war damals ein Kampf für mich.»

So sei er auch im Juni 2017 zum Trauern ans Limmatufer gekommen. An Details mag er sich nicht erinnern, möglicherweise sei er zudem alkoholisiert gewesen, «ich weiss nur, dass ich Tränen in den Augen hatte und Musik hörte». Dass er bei dieser «Trauerbewältigung» seinen Penis in der Hand hatte, stritt er nicht ab. Zwei der Kinder, die mit ihrer Familie unterwegs waren, hatten ihn dabei beobachtet. Gerichtspräsident Bruno Meyer mahnte: «Sie können doch nicht einfach in der Nähe von Kindern ihr ‹Dingsda› in die Hand nehmen.» Timo sagte, es sei verständlich, dass sein Handeln falsch ausgelegt wurde, aber er habe sich nicht in dem Wissen entblösst, dass ihm Kinder dabei zusehen.

Eine im Gerichtssaal anwesende Grossmutter zweier Mädchen schilderte, wie sehr die Kinder mit Ängsten zu kämpfen hätten: «Immer, wenn wir einen Ausflug machen, müssen wir vorher klarstellen, dass wir nicht mehr zu diesem Ort gehen.» Timo wandte sich an die Angehörigen: «Es tut mir leid, wenn die Mädchen jetzt leiden.»

Während das Strafmass eine neunmonatige Haftstrafe sowie in Anknüpfung an das Zürcher Urteil eine ambulante Behandlung forderte, plädierte Timos Verteidiger auf Freispruch. Ob der erdrückenden Beweislast zulasten seines Mandanten wählte er eine ungewöhnliche Begründung für seine Forderung: Er machte auf die unterschiedlichen Äusserungen der Kinder bei verschiedenen polizeilichen Befragungen aufmerksam. So sei anfangs «nur» von Exhibitionismus und erst später von Masturbation die Rede gewesen. Er brachte Begriffe wie «Suggestionseffekt» und «Pseudoerinnerungen» ins Spiel – dass die Erinnerungen der Kinder also erst im Nachhinein durch die Befragungen verfälscht wurden. Er betonte mehrfach, dass er den Zeugen keine Lügen unterstellt. Vielmehr «lässt sich nicht mehr sagen, welche Erinnerungen echt und welche nur Pseudoerinnerungen sind».

Meyer setzte die Urteilsverkündung vorläufig aus. Er will zunächst den Bericht des zuständigen Therapeuten abwarten. Timo hatte geschildert, dass er Fortschritte in der Therapie mache und derzeit «keine Gefahr für die Öffentlichkeit» sei. Seine berufliche Wiedereingliederung spreche dafür.