Killwangen

Traditionsunternehmen Nordfisch AG steht vor dem Aus – Angestellte seit Monaten keinen Lohn mehr erhalten

Seit Anfang Jahr zu: Die Nordfisch AG in Killwangen.

Seit Anfang Jahr zu: Die Nordfisch AG in Killwangen.

Seit Anfang Jahr stehen die Türen der Nordfisch AG geschlossen. Die Angestellten des Killwanger Traditionsunternehmens erhalten seit September keinen Lohn mehr – die Liquidation der Firma steht bevor.

Nach der Meldung, dass in Spreitenbach mit der bevorstehenden Schliessung der Limmatdruck AG rund 150 Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen, steht nun gleich in der Nachbargemeinde Killwangen die Schliessung der nächsten Traditionsfirma fest. Es handelt sich um die Nordfisch AG an der Würenloserstrasse 2. Die Anfang der 1980er-Jahre gegründete Spezialitäten-Räucherei verarbeitete zu den besten Zeiten rund 500 Kilogramm Wildlachs pro Woche, also knapp 30 Tonnen Fisch pro Jahr.

Zuletzt erwirtschaftete die Räucherei immerhin noch einen Jahresumsatz von knapp 700'000 Franken.

Doch damit ist jetzt Schluss. Wie die «Limmatwelle» schreibt, hätten die fünf Mitarbeitenden seit September keinen Lohn mehr erhalten. Seit Anfang Jahr seien die Türen der Nordfisch AG geschlossen. Grund: Die Firma steht ohne Chef da. 2017 übernahm Claude Kaiser das Unternehmen von Hughes Armbruster, der die Räucherei zuvor während fast 30 Jahren geführt hatte. Peter Zurbuchen, zuletzt Leiter Innendienst und damit für den Verkauf zuständig, vermutet, dass Claude Kaiser mit der Nordfisch AG seine Hotels querfinanzierte.

Kaiser besass unter anderem zwei Hotels in Davos. Diese gerieten vor wenigen Wochen während des WEF in Kritik, weil Zimmer doppelt vermietet wurden – einmal durch Kaiser selbst, ein zweites Mal durch die neuen Pächter. Doch zu diesem Zeitpunkt war Kaiser bereits tot. Und damit begann das eigentliche Unheil für die Nordfisch AG. Im November 2019 trat Kaisers Witwe als letzte Verwaltungsrätin aus der AG aus. Weil ab diesem Moment ein Verwaltungsrat fehlte, stellte das Handelsregisteramt des Kantons Aargau einen sogenannten Organisationsmangel fest. Erst als dieser Mangel kommuniziert und nach einer bestimmten Frist nicht behoben wurde, überwies das Handelsregisteramt das Geschäft ans Bezirksgericht Baden. Dieses werde nun eine «Liquidation von Amtes wegen» vornehmen. Das Gericht gibt auf Anfrage keine Auskunft darüber, wann das Konkursverfahren eröffnet wird: Amtsgeheimnis.

Gearbeitet, obwohl es keinen Lohn mehr gab

Ob und wie viel Geld die fünf ehemaligen Angestellten noch erhalten werden, ist offen. Belastend ist die Situation so oder so, mussten sie die Angestellten laut «Limmatwelle» trotz ausbleibendem Lohn seit September noch bis Ende des Jahres arbeiten. Vor allem für Zurbuchen waren die letzten Wochen belastend, war er doch die einzige Anlaufstelle all jener, die von der Nordfisch AG Geld forderten: «Ich erhielt Anrufe von wütenden Gläubigern. Ich war mit der Situation völlig überfordert.» Trotz allem liegt dem 52-Jährigen die Nordfisch AG am Herzen, wie er sagt.

Noch heute sieht Zurbuchen nach dem Rechten: Briefkasten leeren, Schmierereien von erbosten Gläubigern entfernen. Lachs habe es nur noch wenig da, sagt er. Zum Glück, denn die komplette Kühleranlage sei mittlerweile kaputt. (az/mru)

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