Baden

Traditionsbetrieb wechselt Besitzer: Sein Lebenswerk ist nach 35 Jahren in neuen Händen

Arnold Eggenberger übergibt seine «Parkgarage» an Nachfolger Hermann Löhrli, seinen bisherigen Stellvertreter. Eggenberger bleibt dem Unternehmen aber erhalten als Verkaufschef und stellvertretender Geschäftsführer.

Wenn Inhaber einer Firma in die Rente gehen, dann bedeutet dies manchmal auch das Ende des Geschäfts. Für Arnold Eggenberger, Gründer der Hyundai-Parkgarage in Baden, kam dies aber nicht infrage. 35 Jahre lang führte er die Garage, nun übergibt er das Zepter an den 37-jährigen Hermann Löhrli, seinen bisherigen Stellvertreter.

Vor knapp drei Jahren zur Firma hinzugestossen, gewann dieser schnell das Vertrauen von Arnold Eggenberger. «Für mich ist es eine Chance, das Geschäft jetzt einem guten Nachfolger zu überlassen», sagt er, der letztes Jahr 65 Jahre alt geworden ist. Er bleibt dem Unternehmen aber erhalten als Verkaufschef und stellvertretender Geschäftsführer. Beide wechseln also quasi den Job. «Mein Vater hat bis ins späte Alter noch gearbeitet», sagt Arnold Eggenberger. «Und auch ich arbeite gerne. Das ist für mich das Leben.»

Heute noch bleibe er nicht nur im Büro sitzen, sondern gehe gerne in die Werkstatt und packe bei den Autos mit an, am liebsten bei älteren Fahrzeugen. Speziell Freude habe er an stilvollen, englischen Oldtimern. Da komme seine Leidenschaft so richtig zum Zug.

Warum «Parkgarage»?

Fünf bis zehn Jahre wird Arnold Eggenberger sicher noch in der «Parkgarage» tätig sein. Der Name kommt übrigens davon, dass seine erste Werkstatt an der Parkstrasse lag, in den ehemaligen Stallungen des Bäderhotels zwischen Kurpark und Bäderquartier. Nach einer Lehre als Automechaniker absolvierte er die Handelsschule und machte die Meisterprüfung. 1983 gründete er in seiner Heimatstadt Baden die «Parkgarage». Zuvor arbeitete er zwei Jahre lang als Chef einer Werkstatt in Aarau, damals konnte er das Startgeld für seinen eigenen Betrieb auf die Seite legen. Die «Parkgarage» ist also nicht etwa ein Parkhaus, wie viele offenbar heute noch missverständlich meinen.

Arnold Eggenberger begann als eine Ein-Mann-Firma und arbeitete teilweise bis in die Nacht hinein an den Autos. Drei Jahre später wurde der alte Stall abgerissen für eine Wohnüberbauung. Mehr Platz brauchte Arnold Eggenberger sowieso, so zog die «Parkgarage» an die Neuenhoferstrasse um, behielt aber den charakteristischen Namen. Der Stadt Baden blieb er in der Zeit stets treu, sponserte etwa auch immer wieder lokale Sportmannschaften.

Von Alfa Romeo auf Hyundai

Als früherer Alfa-Romeo-Vertreter setzte er ab 1991 gewagt auf eine koreanische Marke, sprich auf Hyundai – ein weiser Entscheid, wie er meint. «Das ist ein aufstrebender Hersteller, die wollen ganz nach vorne», sagt Arnold Eggenberger. Heute sei Hyundai der weltweit viertgrösste Automobilhersteller, eine zuverlässige Marke mit guten Preisen. «Wir haben Hyundai-Kunden, deren Autos über 400'000 Kilometer auf dem Tacho haben.» Vorurteile gegenüber asiatischen Autos seien demnach völlig unberechtigt. «Ein Hyundai ist gleich nach der Lieferung bereit für die Strasse. Ein Alfa Romeo hingegen braucht immer noch ein wenig Zuneigung», sagt er. Obwohl es auch eine gute Marke sei: Einen Tag Kalibrieren müsse man da miteinrechnen.

Generell seien die Kunden heute aber weniger markenorientiert – dafür eher Rabatt-fixiert, «wie in allen Branchen.» Auch die Farbenvorliebe habe sich in den 35 Jahren stets geändert. Heute sei vor allem Weiss beliebt, graue Autos hingegen würden inzwischen seltener gekauft. Ausgefallene Farben, wie etwa das Knallrot italienischer Sportwagen, bestelle kaum noch jemand. Senioren übrigens seien diejenigen, die sich noch eher an eine ausgefallene Lackierung heranwagen.

Nun Strom und Wasserstoff

Nachfolger Hermann Löhrli freut sich nun auf die künftigen Herausforderungen. Stichwörter wie Elektro- oder Wasserstoffantrieb kommen da auf. Der markante Benzin- und Ölgeruch in der Werkstatt werde wohl zunehmend verschwinden. Auch sei die Arbeit an Elektromotoren viel gefährlicher als an Brennstoffmotoren. Damit zu arbeiten, werde eine der neuen Herausforderungen für ihn und seine sieben Mitarbeiter. Eine neue, junge Kundschaft anzuziehen, die andere.

«Einen bereits etablierten Traditionsbetrieb zu übernehmen, ist ein Privileg und gleichzeitig eine Verantwortung», sagt Hermann Löhrli. Eine Nachfrage nach Autos sehe er weiterhin, auch wenn oft behauptet werde, die junge Generation sei fahrverdrossen und mache den Führerschein spät, wenn überhaupt. «Das trifft vielleicht auf die städtische Jugend zu. In der Agglomeration sind aber noch viele auf ein Auto angewiesen.» Und betreffend Umweltbewusstsein gebe es bereits die Elektro- und Hybridautos. «Hyundai ist die erste Marke weltweit, die serienmässig ein mit Wasserstoff betriebenes Auto herstellt.» Die Schweiz sei zudem zum Versuchsmarkt für Wasserstoffautos erklärt worden, da sei also noch einiges im Kommen.

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