Was Toni Businger für Dutzende Weltbühnen geschaffen hatte, das waren über 300 Bühnenausstattungen, die durch ihre Fantasie, ihre Herzhaftigkeit unzählige Menschen verzückten. In seinen Kunstwerken auf Zeit zauberte er lebendige Illusionen in gut 80 Theater- und Opernhäuser sowie auf Festspielbühnen, die dem Publikum unvergesslich blieben.

Toni Businger, Bürger von Stans – nach zwei Bühnenbildern für die Altdorfer Tellspiele wollten ihn die Urner zum Ihrigen machen – war zeitlebens Wettinger geblieben. Weil er das Füllhorn seines Schaffens auch über Wettingen ergiessen liess, erhielt er im Jahr 2005 das Ehrenbürgerrecht.

In Wettingen geboren, wuchs Toni Businger zusammen mit zwei Brüdern auf, besuchte dort die Primarschule, die Bezirksschule in Baden. Danach ging er ans Gymnasium St. Fidelis der Kapuziner in Stans. Es war eine Zeit, die ihn geprägt hatte. Nach der Matura begann er ein Literaturstudium. Doch während eines Aufenthalts in der Provence beteiligte er sich spontan an einem Plakatwettbewerb für Antibes und Juan-les-Pins – und gewann. Als Autodidakt folgte eine eindrückliche Karriere – Businger selber würde in seiner Bescheidenheit von «Weg» sprechen.

Beeindruckt von seinen Bildern holte ihn der damals grosse Bühnenbildner Teo Otto als seinen Assistenten nach Zürich, wo er mit 23 Jahren für das Glashüttenmärchen «Und Pippa tanzt» von Gerhart Hauptmann mit seinem ersten Bühnenbild verblüffte. Von 1960 bis 62 war er Ausstattungschef der Städtischen Bühnen von Freiburg im Breisgau (der weitaus jüngste Europas), ab 1962 freischaffend. Fürs Schauspielhaus in Zürich folgten bis 1982 über 30 Ausstattungen, am Opernhaus für Ballett, Oper, Operette und Musical von 1963 bis 1988 rund 40. In Zürich lernte er auch die 18-jährige Theaterschneiderin Susanna kennen – mehr davon viel später.

Mit seiner ersten «Zauberflöte» von Mozart gelang dem Newcomer 1967 beim Amerika-Debüt an der San Francisco Opera der internationale Durchbruch. Während in New York ein Marc Chagall für die Ausstattung verantwortlich zeichnete, wurde Toni Businger in Miami, Denver, Philadelphia, in Montreal, Ottawa, Toronto engagiert. Weiter ging es nach Südamerika und Südafrika, dazwischen holten ihn die grossen Bühnenhäuser nach Europa zurück.

Von 1972 bis 1981 faszinierte er das Publikum mit seiner Bühnenarchitektur bei den Bregenzer Festspielen. Mit der Ausstattung zu Tschaikowskys Ballett «Dornröschen» wurde dieses ab 1994 zum Repertoirestück der Oper Leipzig. Seine Szenerien bezeichneten Kritiker als «Geniestreich». Sie waren opulent, doch dem Werk adäquat, festlich, mit Symbolhaftigkeit, schwungvoll und grosszügig, auch etwa verspielt, ja verschnörkelt, jedoch mit Liebe und Respekt vor dem Autor oder Komponisten.

Businger war ein Vielschaffer. Nebst Hunderten von Skizzen entstanden Ölgemälde und Aquarelle, ein Teil davon stellte er 1978, 1994 und 2004 im Gluri-Suter-Huus aus. Für das Wettinger Klosterfest gestaltete er einen herrlichen Torbogen. Er verstand es, der Historie eine Unmittelbarkeit zu geben, sie als Illusion ins reale Jetzt zu transportieren, wie 1982 an der Badenfahrt mit dem Franzosenhaus. Daneben schuf er die Weinetikette für den «Wettinger», zahlreiche Vereinsfahnen, als Illustrator die Bücher mit Gastronom Rudolf Jeanloz über die Dessert-Kreationen, mit Paul Fischer die «Spanischbrötlibahn» und letztlich zwei Bücher über sein eigenes Bühnenschaffen.

Die Reiserei hätte er einer Familie nie zugemutet. Als 50-Jähriger meinte er drum, dass auch ein Junggesellenleben durchaus etwas Ehrbares sei. Das Bonmot kam zu früh. Der Kontakt zwischen ihm und der Theaterschneiderin Susanna wurde aufrechterhalten. Mit 54 Jahren heirateten die beiden. Im Jahr 1990 kam Tochter Antonina zur Welt.

Die Familie, ins Zentrum seines Lebens gerückt, begleitete ihn sodann zu den Arbeiten ins Ausland. Dann zog die Familie von Regensberg nach Wettingen, wo der Vater sich neben dem elterlichen Chalet als Architekt verwirklichte. Klar, dass der Rückkehrer die künstlerische Gestaltung für das grosse Fest «950 Jahre Wettingen» im Jahr 1995 übernahm.

Es waren die Grosszügigkeit, der offene Geist, die Fantasie sowie die Wärme, die er, eingepackt in seine Lebensfreude, allen zu spüren gab. So war eben Toni Businger, in der persönlichen Begegnung, beim gemütlichen Beisammensein, wo das Glas Wein nicht fehlen durfte, wenn er von seinen Anekdoten etwas preisgab. Mehrfach preisgekrönt und doch stets bescheiden, humorvoll und nahbar, herzhaft und doch sanftmütig – ein Künstler und Mensch mit grossem Herz, der dieser Erde nun fehlt, aber in Erinnerung bleibt.

Abdankungsgottesdienst: Freitag, 8. März, 15 Uhr, Klosterkirche Wettingen