Baden/Brugg

Theatermacherin Simona Hofmann geht in Corona-Krise neue Wege – Resultat sind solche Bilder

Simona Hofmann ging mit ihrem Kinder- und Jugendtheater Lampefieber völlig neue Wege. «Meine Spielwiese ist grösser geworden», erzählt sie.

«Hey, das bin ja ich!» Die 12-jährige Jessica steht vor einem Poster im Welt­format, das sie mit einer Pippi-Langstrumpf-ähnlichen Perücke und dem Perret ihrer Mutter zeigt. Laila, 11, aus Baden erschrickt zuerst ein bisschen, als sie ihr Konterfei auf einer Stellwand an der Rütistrasse sieht. Im Gegensatz zu Jaël aus Ennetbaden. Die prustet los bei ihrem eigenen Anblick mit der Perücke aus besprayten PET-Flaschen.

Jedes Kind, das dieses Jahr bei Simona Hofmanns Lampefieber-Theaterworkshop in Baden oder Brugg mitgemacht hatte, bekam ein professionelles Fotoshooting mit seinem selbstgestalteten Kopfschmuck. Die 93 daraus entstanden Plakate im Weltformat wurden am Wochenende an verschiedenen Standorten auf APG-Plakatstellen in der Region gezeigt.

15-minütiger Film ersetzt die Theatervorstellungen

Die Kids mussten im Stil einer Schnitzeljagd auf die Suche nach ihrem Alter Ego gehen. Erst dann erhielten sie den Zugangscode zum 15-minütigen Film, den sie zusammen gedreht hatten. Er ersetzt die Theatervorstellungen im Thik Baden und im Diesellokal Windisch, mit denen die Lampefieber-Saison normalerweise abgeschlossen wird.

Das diesjährige Motto «IsolatiON:OFF» ist der Corona­krise geschuldet, die den Kinder- und Jugendtheaterbetrieb von Simona Hofmann gehörig auf den Kopf stellte. «Als wir am 12. März erfuhren, dass unsere Kurse nicht mehr stattfinden können, haderte ich nicht lange und stellte sofort auf digital um», erzählt die 39-jährige Theatermacherin. Innerhalb weniger Tage kreierte sie eine Website für alle Lampefieber-­Teilnehmenden und bestückte sie mit über 50 kurzen Videobotschaften. Die Kinder konnten so während der Quarantäne zu Hause lernen, wie der Handstand geübt wird; oder mit einfachen Mitteln ein Schatten- oder Puppentheater entsteht.

Als die obligatorischen Schulen am 11. Mai wieder aufgingen, begann Hofmann mit digitalen Workshops ihre Kinder und Jugendlichen zu unterrichten. «Wir befassten uns mit dem engen Ausschnitt des Zoomfensters, in dem wir uns gegenseitig sahen. Und was man in einem so begrenzten Raum alles machen kann», berichtet sie.

Am Schluss führen die Kinder Kunststücke vor

Nach dem nächsten Lockerungsschritt am 8. Juni konnte die Lampefieber-Mama dann endlich wieder in kleinen Gruppen unterrichten. Zusammen mit ihrem Partner Urs Dätwiler (Kamera), dessen Sohn Max (Schnitt) und Yasser John (Drohnenaufnahmen) drehte sie einen bildstarken Film, in dem die Kinder mit Schauspiel, Pantomime und Akrobatik zeigen, wie sie mit dem Lockdown umgegangen sind und die dadurch bedingte Isolation sowie ihr Ende erlebt hatten. Am Schluss rennen sie fröhlich durch eine Tür. Sie dehnen und strecken sich genüsslich und führen Kunst­stücke vor, die während des Zoomunterrichts aus Platzgründen nicht möglich waren. Zum Schutz der Privatsphäre kann der Film auf der Lampefieber- Website nur mit Zugangscode angeschaut werden.

Simona Hofmann betrachtet die Krise als Chance: «Die digitalen Workshops haben zwar nicht unbedingt allen zugesagt, doch meine kreative Spielwiese ist deutlich grösser geworden.» Aus den Erfahrungen während diesen schwierigen Zeiten und den positiven Feedbacks startet Lampefieber ab Herbst 2020 in die neue Saison. «Ich werde zukunftsträchtige Akzente setzen», gibt sich Hofmann selbstbewusst.

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