Pflegeheime

So lange die Angestellten gesund sind, geht es noch

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Auch Pflege- und Betreuungseinrichtungen kämpfen mit der Grenzschliessung. Problem könnte entstehen, wenn Angestellten krank werden.

Besonders stark betroffen von der Grenzschliessung ist wenig überraschend das Zentrum für Pflege und Betreuung «Pfauen» in Bad Zurzach. Dies umso mehr, als just der Grenzübergang zwischen Bad Zurzach und Rheinheim geschlossen wurde. Rund ein Fünftel der etwa 80 Vollzeitangestellten sind laut Auskunft von Geschäftsleiter Thomas Jehle Grenzgänger und würden teils in unmittelbarer Nähe zur Grenze wohnen.

«Das Thema beschäftigt die Geschäftsleitung und natürlich die betroffenen Mitarbeitenden intensiv», so Jehle. So sei eine Mitarbeitern, die gleich ennet der Grenze in Rheinheim wohne, extra um 5.30 Uhr losgefahren. Um 8 Uhr habe sie aber anrufen müssen, dass sie wegen des verstopften Grenzübergangs wieder umkehren müsse. «Natürlich habe ich Verständnis für diese Sicherheits- massnahmen. Aber ich frage mich schon, ob man diese nicht im Bereich Grenzgänger in der systemrelevanten Gesundheitsbranche für Fussgänger und Velofahrer etwas lockern könnte.»

Im Moment laufe der Betrieb im «Pfauen» trotzdem ordnungsgemäss. «Doch weil wir die Sicherheit der Bewohner immer über das Einhalten von Arbeitszeiten stellen, führt das natürlich dazu, dass es bereits jetzt zu Überzeiten bei Mitarbeitenden kommt, da diese die Ankunft der Mitarbeitenden des nächsten Dienstes abwarten müssten». Auch will sich Jehle nicht ausdenken, was passiert, wenn erste Angestellte erkranken würden. Apropos Erkrankung: Letzte Woche wurde bekannt, dass eine Mitarbeiterin am Corona-Virus erkrankte. «Wir haben in der Zwischenzeit weitere Tests durchgeführt – alle waren negativ.»

RPB Baden: «Für die Betroffenen ein sehr grosses Problem»

Zwar ist der Anteil von Grenzgängern im Regionalen Pflegezentrum Baden (RPB) mit rund 20 Mitarbeitenden von total 300 Pflegemitarbeitenden nicht allzu gross. «Aber für die Betroffenen sind die Grenzschliessungen ein sehr grosses Problem», sagt RPB-Direktor Hans Schwendeler. So sei ein Mitarbeiter für neun Stunden Arbeit über sechs Stunden im Auto gesessen. Für Schwendeler ist klar: «So macht das keinen Sinn.» Natürlich versuche man die betroffenen Mitarbeiter flexibel und vor allem ausserhalb der Stosszeiten einzusetzen, und es würden einfach die Nicht-Grenzgänger mehr Dienst leisten. «Doch erstens häufen sich so die Überzeiten, und zweitens geht das nur so lange gut, solange nicht viele Mitarbeitende krank werden.»

Immerhin, so der RPB-Direktor, sei es in der jetzigen Situation noch nicht so, dass im Pflegezentrum plötzlich viel mehr Arbeit anfalle. «Bei uns läuft im Moment eigentlich der Normalbetrieb – natürlich mit den entsprechenden Massnahmen und Einschränkungen wegen des Corona-Virus.» Grundsätzlich habe er Verständnis für die Massnahmen an der Grenze. «Aber ich frage mich schon, ob man da nicht effizienter und besser lösen könnte, indem man zum Beispiel einzelne Grenzübergänge nur für Waren-, oder eben Personenverkehr öffnet.»

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