Jeden Tag geht Lui zum Postschalter und gibt ein Päckli auf. Nicht, weil er besonders Wichtiges zu verschicken hat, sondern weil dort Frau Lauper arbeitet, in die er unsterblich verliebt ist. Eines Tages steht er aber vor geschlossenen Türen: Die Poststelle in seinem Dorf wurde geschlossen, wie in so vielen anderen Ortschaften. Lui sucht fortan seine Frau Lauper – eine Geschichte, die zwar nicht im Vordergrund des Programms von «Muheim und Channa» steht, sich aber wie ein roter Faden durch das ganze Stück zieht.

«Chunt scho guet» heisst das erst zweite Kabarett-Programm des Baselbieter Duos. Lebenskünstler Dominik Muheim trifft da auf Barkeeper Sanjiv Channa und erzählt diverse ironische und amüsante Alltagsgeschichten, in denen sich viele Menschen ein Stück weit wiedererkennen. Etwa, wenn man auf einen Bus rennt, diesen noch knapp erreicht, die Türen dann aber nicht aufgehen und er davonfährt. Oder wenn man, ohne es wirklich zu wollen, doch bei irgendwelchen Fundraising-Kampagnen auf der Strasse Geld spendet. Besonders witzig sind die Geschichten über die so schlimme Pubertät, «die nach ‹Axe Africa›-Deo stinkt», aber vom Dasein der schönen Hauswirtschaftslehrerin gemildert wird, oder die Inhalte der mit unzähligen Emojis bestückten Whatsapp-Nachrichten seiner Mutter. Dominik Muheim erzählt all dies in hoch unterhaltsamer Manier, immer wieder ergänzt durch simple, jedoch durchdachte, sehr schön kreierte Mundart-Songs: «Mängisch reg ich mich uf» über all die Missgeschicke aus dem Alltag, «Likes gwünne» über die sozialen Medien oder «Nur Holz, chli Stoff, chli Farb» über Kunst.

Das Kabarett-Duo erzählt humorvolle Geschichten mit Musik. Dominik Muheim spielt dabei Gitarre und singt, sein langjähriger Bühnenpartner Sanjiv Channa spielt Perkussion. Das Publikum in der Bühne Heimat in Ehrendingen lachte dabei immer wieder herzhaft.

«Ich fühle mich sinnlos wie eine WC-Bürste in einem Toi-Toi-Häuschen», sagt Dominik Muheim. «Hast du denn schon etwas erreicht in deinem Leben?», fragt ihn Sanjiv Channa. Immerhin habe er eine Ausbildung zum Lehrer gemacht, kommt als Antwort – «wegen den Ferien». Muheim, der im echten Leben tatsächlich Primarlehrer ist, erzählte dann eine chaotische Geschichte über seine Schüler. Es sollte aber die Einzige bleiben im ganzen Programm. Früher füllte er noch ganze Abende mit solchen Storys, nun will er bewusst etwas von der Lehrerwitz-Schiene wegkommen und breiter fahren bei seinen Auftritten. Dies hat er mit «Chunt scho guet» bereits sehr überzeugend getan, dank scharfsinnigen Texten und einer tollen Umsetzung auf der Bühne, nicht zuletzt dank seinen etlichen lustigen Gesichtsausdrücken. Und auch wenn er im Stück immer wieder in andere Erzählungen abdriftet, rundet am Schluss wieder Lui mit seiner Frau Lauper die Geschichte ab. Man darf hier verraten: Für Lui kommt es tatsächlich gut.

Ende Mai in Niederrohrdorf

Dominik Muheim, der 26-jährige Schweizer Meister im Poetry Slam, der Gabriel Vetter, Franz Hohler oder Tom Waits als Vorbilder sieht und seit Kurzem auch Morgengeschichten auf Radio SRF spricht, macht sich unter den Kabarettisten des Landes zunehmend einen Namen. Regie führt beim Programm der bereits in der Szene etablierte Philipp Galizia. Vor knapp einem Monat wurde in Liestal die Premiere gefeiert. Ehrendingen ist erst der dritte Ort und die Bühne beim Wirtshaus zur Heimat die erste ausserhalb von Baselland, auf der das Programm nun aufgeführt wurde. Weitere Termine in der ganzen Deutschschweiz stehen an. In der Region spielt das Duo wieder am 24. Mai in Niederrohrdorf.

Menf Rhyner, der künstlerische Leiter der Bühne Heimat in Ehrendingen, liess sich am Abend vom Programm des jungen, vielversprechenden Kabarett-Duos für einmal überraschen. Nun freut er sich auf den Comedy-Abend vom 14. März mit dem Programm «Mit dem Faust aufs Auge» vom in Zofingen geborenen deutschen Kabarettisten Bernd Kohlhepp, der unter anderem als Sprecher und Autor für die berühmte Kinder-TV-Show «Die Sendung mit der Maus» wirkt. «Man muss den Faust nicht kennen, um sich da köstlich zu unterhalten», versichert Menf Rhyner.