Spreitenbach

Sind die Jugendtreffs in der Region Baden noch wichtig?

Killwangen hat kürzlich seinen jährlichen Beitrag an den Spreitenbacher Jugendtreff eingestellt, andere Jugendtreffs schliessen ihre Türen. Ein Blick in die Region zeigt, ob und in welcher Form Jugendtreffs überhaupt noch gefragt sind.

Ein dunkler Raum, eine Discokugel, eine Bar und eine Sofa-Lounge. Was nach einer Diskothek klingt, ist in Wirklichkeit der Jugendtreff Peli in Spreitenbach. Jugendliche aus allen Nachbarregionen besuchen den bekannten Treff und verbringen dort ihre Freizeit – auch Jugendliche aus Killwangen.

Das könnte sich nun ändern, denn die Gemeinde Killwangen hat sich dazu entschieden, ihren jährlichen Beitrag in Höhe von 10'000 Franken auf Ende Jahr einzustellen. Wieso diese Zahlung künftig nicht mehr erfolgen wird, erklärt Gemeindeammann Werner Scherer (SVP): «Die Jugendlichen aus Killwangen nutzen den Treff kaum noch. Sie ziehen es vor, einen eigenen Raum mit ihrer eigenen Handschrift zu haben.»

«Jugendtreff wäre eine Kombination aus Zuhause und Freunden»

Aus diesem Grund gebe es in Killwangen seit September eine Projektgruppe, die sich mit dem «Jugendtreff»-Thema befasst. Nächste Woche soll eine weitere Sitzung stattfinden, an der zusätzlich zwei Jugendliche aus der Gemeinde teilnehmen werden, um ihre Ideen und Anliegen miteinzubringen.

«Der Jugendtreff wäre ihr eigener Raum, eine Kombination aus Zuhause und Freunden», sagt Scherer. Es brauche einen Ort, wo die Jugendlichen aktuelle Themen besprechen, einander bei Problemen helfen und auch unterstützen. «Das ist genau das, was man in diesem Alter braucht.» Momentan würden die Jugendlichen auf Vereinsangebote zurückgreifen oder sich privat treffen.

Spreitenbach ist den meisten zu weit entfernt, um dort ein paar Stunden zu verbringen, wie Umfragen der Gemeinde ergaben. Die Entfernung spiele eine wichtige Rolle, bekräftigt Wimi Wittwer, Interimsleiter von der Fachstelle «Jugendarbeit Region Baden»: «Momentan ist der Trend so, dass die Besucher immer jünger werden. Und die Eltern wollen nicht, dass sie allzu weit weggehen, deshalb ist ein lokaler Raum eine logische Lösung.»

Nur eine Gemeinde hat ihren Jugendtreff eingestellt

Die Fachstelle koordiniert bereits seit sieben Jahren Jugendtreffs von 13 Gemeinden der Region. «Jugendarbeit ist klar nötig», sagt Wittwer. Trotzdem sei diese oft eine der ersten Baustellen, wenn eine Gemeinde sparen müsse. Der Kanton empfiehlt den Gemeinden, einen Jugendtreff anzubieten, aber die Entscheidung für oder gegen Jugendarbeit hat am Schluss immer die Gemeinde.

«Die Jugend muss irgendwohin. Es ist besser, wenn sie einen Raum hat, der nur für sie ist.» So würde sie nicht auf der Strasse verkehren. Und: «Die Integration der Jugendlichen kostet entweder vorher, in Form von Jugendarbeit, oder später – und dann wird es oft teurer», so Wittwer. Für ihn sei es deshalb unerklärlich, wenn eine Gemeinde dies nicht vorher angehen möchte.

Doch wie sieht es in den Gemeinden wirklich aus? Die Jugendtreffs im Umkreis geben immer wieder zu reden. Mägenwil hat seinen beispielsweise bereits vor drei Jahren eingestellt, weil die Nachfrage zu klein gewesen sei, da die Jugendlichen lieber Vereinsangebote nutzen.
Doch damit ist die Gemeinde die einzige in der Region. 

Alle anderen Gemeinden halten an ihren Jugendtreffs fest

Selbst in Würenlos, wo zuletzt viel Gegenwind wehte, soll nicht auf den Jugendtreff verzichtet werden: «Wir sind an einer Neustrukturierung», sagt Gemeindeammann Anton Möckel (Parteilos). Nachdem die Jugendarbeiterin diesen Sommer gekündigt hat, sucht die Gemeinde nun nach Nachfolgern. «Die Geschlechtergleichheit soll einfliessen und darum hätten wir gerne eine Frau und einen Mann.» Bis die Nachfolge geregelt ist, soll schon bald eine provisorische Lösung her, weil die Jugendtreffs im Winter gefragter seien als im Sommer.

Auch der Neuenhofer Jugendtreff befindet sich in einer Umstrukturierungsphase. Sie müssen eine neue Räumlichkeit für den Jugendtreff finden. Der Jugendtreff Mojuro in Niederrohrdorf muss derweil auch umdenken, denn vor rund einem Monat wurde bekannt, dass der Treff vorerst bis Ende Jahr geschlossen bleibt. Nachdem alle Mitarbeiter gekündigt haben, wird jetzt nach drei neuen gesucht. «Es war ein Zufall, dass alle auf einmal gegangen sind. Der Betrieb an sich lief sehr gut und die Jugendlichen haben die Angebote rege genutzt – daran hat es nicht gelegen», sagt Martin Schwammberger, Präsident der Kommission des Mojuro-Jugendtreffs. «Die Jugendlichen warten sehnsüchtig darauf, dass wir zurückkommen.»

Und das soll demnächst passieren: «Es gibt bereits konkrete Verhandlungen», so Schwammberger. Ganz sicher sei jedoch noch nichts. Bis Ende des Monats will die Gemeinde Niederrohrdorf ein detailliertes Communiqué veröffentlichen.

Jugendliche aus Killwangen sind weiterhin im Peli willkommen

Auch wenn einige der Jugendtreffs der Region vorläufig geschlossen sind, findet Wittwer: «Insgesamt ist die Region Baden gut aufgestellt.» Der Jugendtreff in Spreitenbach etwa gehört zu den beliebtesten in der Umgebung. «Das Peli ist sehr gut frequentiert», sagt der Spreitenbacher Gemeindepräsident Valentin Schmid (FDP). Genauso sehen es auch Koni Wäch und Alessia Della Torre, die dort mit den Jugendlichen arbeiten. «Wir erreichen verhältnismässig viele Leute. Im Peli spielt alles zusammen: der Klubcharakter, die grosse Region und der zentrale Standort», erklärt Koni Wäch.

Jugendliche aus allen Orten kämen an die Treffs, die jeden Mittwoch und Freitag im Peli am Schulhaus Glattler stattfinden. «Das Bedürfnis ist da und wir wollen das weiterhin abdecken», sagt auch Della Torre. Die Anzahl der Besucher sei seit Jahren ungefähr die gleiche, lediglich die Konstellation variiere. «Momentan haben wir viele Besucher aus Dietikon», sagt Wäch. Das habe bisher aber nicht zu Problemen geführt.

Auch viele Killwangener Jugendliche würden vorbeischauen. Grund dafür sei das Schulsystem, da es in Killwangen keine Oberstufe gibt und die Jugendlichen in Spreitenbach zur Schule gehen. «Sie wollen bei ihren Freunden bleiben und kommen deswegen hierher. Wir zählen aber nicht, wie viele es dann wirklich sind», sagt Jugendarbeiter Wäch.

Dass Killwangen die Zahlung eingestellt hat, mache für die Jugendarbeiter keinen Unterschied: «Die Jugendlichen können trotzdem kommen. Und das Geld hat aktuell keinen direkten Einfluss auf das Angebot.» So sieht es auch Gemeindepräsident Schmid: «Die Killwangener sind weiterhin herzlich willkommen.»

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